Hinter den Kulissen: Zu Besuch in der Kupferdruckerei Copperprint
Dani

Ihr schätzt unsere Hereinspaziert-Serie sehr, in der wir Leserinnen daheim oder Firmen in ihren Werkstätten besuchen und hinter die Kulissen blicken. Dieses Mal habe ich Florentine v. Schulzendorff in ihrer Kupferdruckerei Copperprint in München einen Besuch abgestattet. Bei einem Kaffee hat sie ihre Schubladen für mich geöffnet und ein paar ganz erstaunliche Schätze zutage gefördert! Copperprint ist viel mehr als nur eine Druckerei – es ist ein Stück Geschichte!

Copperprint: Vergangenheit trifft Gegenwart

Es ist kurz vor Weihnachten, als ich die Kupferdruckerei Copperprint betrete. Florentine empfängt mich herzlich, während im Hintergrund die Kerzen auf einem Adventskranz flackern. In einem Körbchen hat es sich ihr Deutsch Kurzhaar Copper gemütlich gemacht. Der Verkaufs- und Arbeitsraum ist dank der großen Fensterfront lichtdurchflutet. In der Mitte dominiert ein riesiger Arbeitstisch: Papierstapel, Rahmen, Schneidewerkzeuge – geordnetes kreatives Chaos. Zimmerhohe Regale mit nummerierten Schubladen säumen die Wände, dazwischen farbenfrohe Bilder, auf Regalen und an den Wänden verteilt. Die meisten Motive sind alte Kupferdrucke, die Florentine mit modernen Passepartouts neu interpretiert. Elefanten, Fische, Papageien, Heißluftballons, florale Motive, Reit- und Jagdszenen bekommen mit pinken, grünen, blauen und gestreiften Passepartouts ein zeitgemäßes Update. Das schaut toll aus; ist überraschend, frisch, manchmal frech. „Der Elefant ist unser absoluter Kundenliebling und inzwischen so etwas wie unser Markenzeichen“, sagt Florentine und zeigt auf den Dickhäuter, der in unterschiedlichen Farben die Wände ziert.

Florentine v. Schulzendorff von Copperprint

Copperprint: Kupferdruck Englischer Garten

Florentines persönlicher Liebling ist dieser alte Kupferstich vom englischen Garten, daneben gibt es Pflanzen, Tiere, Städteansichten, Jagdmotive, Porträts, die Schönheitsgalerie, Atlanten oder alte Meister…

Geschichte bewahrt: Aus Hanfstaengl wird Copperprint

Bei einem Kaffee öffnet Florentine eines ihrer Heiligtümer: einen Schrank, über und über gefüllt mit alten Kupferdrucken – nicht einmal sie hat bisher alle gesichtet. Die studierte BWLerin übernahm 2016 die ehemalige Druckerei Hanfstaengl samt rund 5000 Kupferplatten von ihren Vorgängern und führte das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Vater, York von Schulzendorff, unter dem Namen Copperprint fort. Der Hanfstaengl-Verlag war einst eine königlich-bayerische Kunstanstalt – und ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde (siehe Kasten). Während Florentine Kupferdrucke von Napoleon, Goethe und Franz I. herauszieht, erzählt sie: „Franz Hanfstaengl war Anfang des 19. Jahrhunderts ein bekannter Portraitzeichner, Lithograph und einer der ersten, der mit Fotografie experimentierte.

Viele Prominente gingen bei ihm ein und aus und ließen sich fotografieren.“ Die Fotos wurden anschließend als Kupferdrucke angefertigt – denn anders als ein Foto, das verblassen und vergilben konnte, war so ein Bild für die Ewigkeit geschaffen, immer wieder reproduzierbar. Neben vielen Portraits finden sich hier z.B. auch Naturstudien von Maria Sibylla Merian (hier vorgestellt). Auf meine Frage, wie Hanfstaengl damals an all diese Motive kam, lächelt Florentine: „Er ist einfach in Museen gegangen und hat die Motive abfotografiert. So etwas wie Urheberrechtsschutz gab es damals noch nicht. Heute dürfen wir die Motive immer noch legal nutzen.“

Der Hanfstaengl-Verlag: ein Kapitel bayerischer Kunstgeschichte

Der Name Hanfstaengl steht für ein bedeutendes Kapitel bayerischer Kunst- und Druckgeschichte. Gegründet wurde der Verlag 1833 in München von Franz Seraph Hanfstaengl, einem Maler, Lithografen und frühen Pionier der Fotografie. Schon bald entwickelte sich seine lithografische Anstalt zu einer der renommiertesten Kunstverlage des 19. Jahrhunderts. Hanfstaengl reproduzierte berühmte Gemälde – unter anderem nach Dresdner Vorlagen – und fertigte Porträts zahlreicher prominenter Persönlichkeiten an. Besonders innovativ war sein früher Einsatz der Fotografie: Die fotografierten Motive dienten als Grundlage für Kupfer- und später Lichtdrucke. So verband Hanfstaengl künstlerisches Handwerk mit moderner Technik – ein Ansatz, der dem Verlag internationale Anerkennung einbrachte.
Unter seinem Sohn Edgar wurde das Unternehmen weiter professionalisiert und wuchs zu einer europaweit bekannten Adresse für hochwertige Kunstdrucke heran. Über viele Jahrzehnte hinweg belieferte der Verlag Museen, Sammler und Kunstliebhaber mit Reproduktionen außergewöhnlicher Qualität. Doch mit dem Aufkommen günstiger Offset-Druckverfahren geriet das aufwendige Handwerk unter wirtschaftlichen Druck. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Verlag schließlich aufgelöst, ging zunächst an den Blanc Kunstverlag und schließlich an Copperprint. Was bleibt, ist ein einzigartiges Erbe: Tausende Kupferplatten mit Motiven aus Kunst, Naturkunde, Architektur und Kartografie.

Copperprint: Nachfolge vom Hanfstaengl Verlag

Das Copperprint-Sortiment umfasst Kupferdruckplatten mit Motiven von Künstlern wie Johann Elias Ridinger, Kurt Ernst Meyer-Eberhardt, Maria Sibylla Merian, Franz von Defregger und Hermann Kaulbach

Copperprint: Farbenfrohe Kupferdrucke

Copperprint: Farbenfrohe Kupferdrucke

Ein Postkartenständer lädt zum Stöbern ein – man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll

Wenn Handwerk lebendig bleibt

Florentine führt mich in einen Nebenraum. Zwischen Schneidewerkzeugen und Bilderrahmen in allen erdenklichen Größen werkelt hier Kupferdrucker Franz, inzwischen 83 Jahre alt und einer der letzten seiner Zunft. Zunächst färbt er die Kupferplatte nach alten Vorlagen ein – eine anspruchsvolle Arbeit, die viel Erfahrung erfordert: „Franz trägt die Farbe mit dem Handballen auf die Platte auf und wischt die übrigen Flächen anschließend frei“, erklärt mir Florentine. Dann kommen Platte und Papier in die Druckmaschine. Mit einem Gewicht von 16 Tonnen presst die Walze das Papier in die feinen Linien der Platte. Für jeden weiteren Abzug muss die Kupferplatte erneut eingefärbt werden, sodass kein Druck dem vorherigen gleicht. Nach dem Trocknen werden die Drucke in einer Spindelpresse geglättet, bevor sie ihr finales Finish erhalten: Mit feinsten Pinseln koloriert Franz auf Wunsch die Motive nach. Passepartout und Rahmen könnt Ihr Euch aus einer großen Auswahl selbst aussuchen – alles wird von Florentine handgefertigt. Als ich Copperprint verlasse, habe ich das Gefühl, nicht nur eine Werkstatt, sondern ein lebendiges Archiv besucht zu haben. Einen Ort, an dem Geschichte nicht konserviert, sondern weitergedacht wird – mit einer großen Portion Lebensfreude.

Zu Besuch in der Kupferdruckerei Copperprint München

Zu Besuch in der Kupferdruckerei Copperprint München

Die zeitaufwendige Kupferdrucktechnik wird heute noch nahezu genauso ausgeführt wie im 16. Jahrhundert

Copperprint: Kupferdruckerei in München

Florentine v. Schulzendorff und Daniela Uhrich
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Copperprint
Albanistraße 19
81541 München

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