Sybilles Bücherschau: Neue Bücher über Mode (-Ikonen)
Sybille

Kleidung ist keine belanglose Hülle, die man einfach so überstreift. Mit dem was wir tragen, sagen wir immer etwas aus – egal ob es der Jogginganzug oder ein elegantes Kostüm ist. Deshalb finde ich auch, dass man nie genug Bücher über Mode haben kann. Heute präsentiere ich Euch drei neue Werke: Sophie Gachet stellt die Stilikone Jane Birkin vor, Hannelore Schlaffer schickt uns in die „Schule der Frauen“ und Meret Oppenheim liebt ihre Schuhe. von Sybille

1. Sophie Gachet: Jane Birkin – Porträt einer zeitlosen Stilikone

„Ich war nie eine Fashionista und besitze auch nicht viele Kleidungsstücke – ich trage einfach, was ich liebe“- ein solches Zitat kann nur von einer Stilikone stammen. Und die war Jane Birkin zweifellos. Das beweist Sophie Gachet mit ihrem Porträt über „Jane Birkin“, erschienen bei Callwey. Es zeichnet das Bild einer unkonventionellen Frau, deren Stil bis heute inspiriert. Birkin wurde in Großbritannien in eine wohlhabende Familie geboren, wo sie eine glückliche Kindheit verbrachte. In den 1960ern wurde sie für den Film und als Model entdeckt. Sie lernte den Sänger Serge Gainsbourg kennen, den sie heiratete und mit dem sie zwei Töchter hatte. Sie lebte in Frankreich, spielte in Filmen, sang Chansons, nahm Platten auf – und kreierte zusammen mit Geschäftsführer von Hermès, Jean-Louis Dumas, die legendäre Birkin-Bag. Die von ihr ein Leben lang getragene Tasche wurde vor kurzem für 8,6 Millionen Euro verkauft.

Im Buch entsteht ein komplexes Bild von Birkins Leben zwischen französischer Eleganz und britischer Nonchalance, einem Leben, das Bühne, Leinwand und Musik ebenso umfasste wie Mode, Haltung und Freiheit. Ihr Stil: hochwertige, bequeme und geliebte Kleidungsstücke, die nicht extravagant, sondern lässig, charmant und sexy wirken. Sie nahm sich bei allem immer die Freiheit, alles so zu kombinieren, wie es ihr gefiel. Und sah dabei in jeder Lebensphase zauberhaft aus. Das liebevoll gemachte Buch, dessen graues Softcover von einem Leinenband zusammengehalten wird, ist ein Zusammenspiel aus exklusivem Bildmaterial, persönlichen Zitaten und fundierten Texten. Mich haben vor allem die vielen bisher unveröffentlichten Fotos begeistert. Ergänzt wird der Band durch Hintergründe zu zeitlosen Mode-Essentials und die Geschichte eines der berühmtesten Accessoires der Welt: die legendäre Hermès Birkin Bag.

Vor der Birkin-Bag gab es den berühmten Flechtkorb, mit dem Jane Birkin auch auf Events erschien

2. Meret Oppenheim: Warum ich meine Schuhe liebe

Die deutsch-schweizerische Künstlerin Meret Oppenheim, die Anfang der 30er Jahre zum engsten Kreis der Surrealisten gehörte, wurde 1936 durch ihre legendäre „Pelztasse“ weltberühmt. Sie zeichnete, schrieb Gedichte und brachte ihre Träume zu Papier. Außerdem entwarf sie Mode, Schmuck und Accessoires. Das kleine Büchlein „Warum ich meine Schuhe liebe“, erschienen bei Suhrkamp, versammelt Skizzen und Entwürfe von Oppenheim: Knöpfe, Gürtel, Ringe, Armreifen, Ohrschmuck, Handschuhe, Halsbänder, Foulards oder Tapetenmuster. Einige ihrer Entwürfe konnte Oppenheim an die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli und an das Modehaus Rochas verkaufen, darunter das Modell eines mit Pelz bezogenen Armreifs und Rings – Vorläufer der oben erwähnten Pelztasse. Die wunderbaren, mit scheinbar leichter Hand hingeworfenen Zeichnungen werden von Briefen aus der Pariser Zeit (1932-36) und einigen Gedichten zum Thema begleitet und sachkundig in einem Nachwort der Herausgeberin Christiane Meyer-Thoss erläutert, eine der besten Kennerinnen von Meret Oppenheims Werk und in den letzten Lebensjahren der Künstlerin mit ihr befreundet.

3. Hannelore Schlaffer: Mode – Schule der Frauen

Mit einem prägnanten Satz bringt es Hannelore Schlaffer auf den Punkt: „Die Mode nämlich war historisch die erste Chance, die sich einer breiteren Schicht von Frauen bot, sich öffentlich bewusst zu stilisieren und zu artikulieren.“ In ihrer Studie „Mode – Schule der Frauen“, ebenfalls erschienen bei Suhrkamp, zeichnet sie diesen Weg nach – von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Schlaffer zeigt, wie Mode zunächst ein privilegiertes Spielfeld weniger war, begleitet von männlichem Spott und gesellschaftlicher Skepsis. Schritt für Schritt wird daraus jedoch ein selbstverständlicher Teil der Alltagskultur – und ein Ausdrucksmittel, das Frauen zunehmend für sich beanspruchen. Dabei weitet sie den Blick über reine Kleidung hinaus: Modezeitschriften, Fotografie und ikonische Designer treten ebenso in den Fokus wie ganz alltägliche Stücke vom T-Shirt bis zur Sportswear. Der Ton des Buches: wissenschaftlich, aber nie zu theoretisch. Schlaffer gelingt es, soziologische Perspektiven verständlich zu machen, ohne sie zu vereinfachen – ideal für alle, die sich einen Einstieg in die Kulturgeschichte der Mode wünschen.

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