Roeckl – Die Kunst des Handschuhmachens

In unregelmäßigen Abständen stellen wir Euch in unserer Manufakturen-Serie Unternehmen vor, die durch Tradition und Handwerk überzeugen. Dazu gehört auch Roeckl. Seit der Gründung im Jahr 1839 gilt die Marke als Synonym für feine Lederhandschuhe und exklusive Accessoires. Wir haben uns in der Handschuhproduktion umgesehen und möchten Euch einen kleinen Einblick in die Geschichte des Münchner Unternehmens geben. von Sybille

Bayerischer Hoflieferant

Das heutige Unternehmen Roeckl bestand 1839 aus einem kleinen Handwerksbetrieb mit Ladengeschäft in München; später mit eigener Gerberei und Färberei. 31 Jahre nach der Gründung durch Jakob Roeckl errichtete sein Sohn Christian am damaligen südlichen Stadtrand ein großes Fabrikgebäude für bis zu 1.000 Mitarbeiter und wurde damit zum zweitgrößten Arbeitgeber am Standort. Der Lohn für dieses Engagement war der begehrte Titel „Königlich Bayerischer Hoflieferant“, den Roeckl 1873 erhielt. Zu den prominentesten Kunden zählten damals Bayerns König Ludwig II. und die österreichische Kaiserin Elisabeth, besser bekannt unter ihrem Rufnamen Sisi.

Seidentücher, Taschen & Schals

Nach dem frühen Unfalltod seines Vaters im Jahr 1890 übernahm Sohn Heinrich mit 24 Jahren die Verantwortung für das Familienunternehmen, führte es erfolgreich weiter und baute es nach dem 2. Weltkrieg wieder auf. Sein Sohn Stefan fügte dem Produktprogramm in den 80ern Strick-Accessoires und zur Jahrtausendwende eine hochwertige Tuchkollektion hinzu. Seit 2003 leitet Annette Roeckl als erste Frau das Unternehmen. Sie setzt auf Internationalisierung und ein umfassendes Portfolio, bestehend aus Lederhandschuhen, Seidentüchern und Schals sowie Strick-Accessoires, eine eigene Taschenlinie, Junior-Kollektionen und die Produktlinie Roeckl Intelligence, welche auf innovative Technologien setzt.

roeckl 2013

Die Sommerkollektion 2013 ist von der Farb- und Artenvielfalt des Amazonas inspiriert.

Die Herstellung eines Handschuhs

Die wichtigsten Techniken des Handschuhmachens wurden im 8. Jahrhundert in Frankreich entwickelt und werden bei Roeckl auch heute noch angewendet. Um zu gewährleisten, dass das Know-how konsequent gelebt und umgesetzt wird, produziert Roeckl überwiegend in eigenen Produktionsstätten. Im ersten Schritt muss das Leder für die Handschuhe ausgesucht werden. Hier ist die ganze Erfahrung des Handschuhmachers gefragt, denn er muss die Unregelmäßigkeiten des Leders erkennen und so auswählen, dass Narben u.ä. beim Endprodukt nicht mehr zu sehen sind. Für die Handschuhe werden neben Haarschafleder oder Peccary auch Raritäten wie Straußenleder oder Aal- und Pythonhäute verarbeitet.

Bis zu 24 Einzelteile und über 2000 Stiche

Im zweiten Schritt wird die Haut fixiert und das Leder mit einem Messer geschliffen, um eine einheitliche Lederstärke zu erreichen. Der danach folgende Zuschnitt ist nach wie vor eine Männerdomäne, denn er erfordert ganzen Körpereinsatz. Im sogenannten Tafelschnitt wird das Leder in die Länge und in die Breite gedehnt, quadratisch ausgeschnitten und dann in der richtigen Größe ausgestanzt. So wird eine optimale Passform erreicht. Die bis zu 24 Einzelteile werden – je nach Modell – mit über 2.000 Stichen von Hand genäht. Der Preis für ein Paar Roeckl-Handschuhe ist also überaus gerechtfertigt. Zumal tafelgeschnittene Handschuhe optimal sitzen und darüber hinaus schlanker und somit eleganter als andere Handschuhe sind.

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4 Kommentare
  • Dani sagt:

    Liebe Sybille,

    das ist ein toller, spannender Artikel und das Video ist wundervoll – ich habe schon als Kind unglaublich gerne Filme geschaut in denen die Herstellung eines Produktes vorgestellt wird. :-)

    Herzlichst, Dani

    PS: Ich habe letzte Woche ein ganz wunderbares graues Paar Roeckl-Handschuhe mit kleiner Schleife in Würzburg entdeckt…

  • Alexandra sagt:

    Oh, was für ein schöner Film. Ich glaube, ich liebe meine Handschuhe jetzt noch ein Stückchen mehr. Außerdem habe ich das Gefühl, ich höre sie rufen, da im Schrank, : „Zieh mich an! Zieh mich an! Du hast uns so vernachlässigt!“…..

  • classionista sagt:

    Toller Artikel mal wieder, ich bin begeistert! :-) Roeckl Lederhandschuhe sind schon was feines…
    Bei der obigen Auswahl könnte ich mich gar nicht entscheiden. Spontan ins Auge gefallen sind mir aber zuerst die grünen mit dem Lochmuster und die bordeauxfarbenen links unten mit dem weißen Saum. Übrigens muß ich grad wieder an die tollen Amazonastücher denken, die Sybille und Tonia vor kurzem hier gezeigt haben. Ich glaub da werd ich auch schwach.
    Achja Dani, zu Handschuhen mit Schleifen sag ich auch nicht Nein ;-)

  • Sehr schöner Artikel. Wir verkaufen in Essen seit Jahren die Produkte von Roeckl in unserem Laden und können auch nur positives über diese Marke schreiben und sagen. Viele meiner Mitarbeiterinnen tragen die Produkte selbst und die neue Winterkollektion wird bestimmt einschlagen.

    Auch das Video ist ein tolles Fundstück und wir werden den Blog auf jedenfall weiterempfehlen.

    Lieben Gruß aus Essen.

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