Kräuterwein: Mein Dattelwein-Rezept nach Hildegard v. Bingen
Virginia

Wer sich mit Wildkräutern beschäftigt, kommt um Persönlichkeiten wie Paracelsus, Hippokrates und Hildegard von Bingen nicht herum. Vor allem letztere war eine absolute Ausnahmepersönlichkeit: Äbtissin, Theologin, Mystikerin, Volksheilige, Kräuterkundlerin, Ernährungsexpertin, Dichterin, Komponistin und eine mittelalterliche Vorkämpferin für die Emanzipation der Frau. Ich verrate Euch mein Rezept für Dattelwein, das von ihr inspiriert ist. von Virginia

Hildegard von Bingen: Heilerin, Musikerin & Beraterin

Hildegard von Bingen wurde im Jahr 1098 als zehntes Kind adeliger Eltern in Bermersheim bei Alzey (Rheinhessen) geboren. Sie war von Beginn an anders als Gleichaltrige – häufig krank und bereits früh von Visionen geplagt, von denen man heute annimmt, dass es sich um starke Migräneanfälle handelte. Laut Hildegard wurden ihr diese von Gott gesandt und verhalfen ihr zu zahlreichen Erkenntnissen, darunter ethischen Fragestellungen rund um den Menschen und die göttliche Schöpfung, Pflanzen, Heilkräuter und Medizin. Ihre zahlreichen Werke, darunter Causae et curae („Ursprung und Behandlung der Krankheiten“), Liber Scivias („Wisse die Wege“) und Physica (Abhandlung über die Anwendung des Wissens über die Natur) schrieb sie ab 1141 in Latein, der Sprache der Gelehrten. 1147 verlieh ihr Papst Eugenius III. die Autorität, öffentlich zu predigen und als erste Frau zu theologischen Fragen Stellung beziehen zu dürfen. 1150 gründete sie das Kloster Rupertsberg, um fortan von dort zu wirken. Zudem versuchte sie sich in der Musik, verfasste eine Sammlung von 77 liturgischen Gesängen und gilt heute als eine der bedeutendsten Komponistinnen der Geschichte. Und als wäre all das nicht außergewöhnlich genug, ist aus heute noch erhaltenen Schriftwechseln bekannt, dass sie als Beraterin des römisch-deutschen Kaisers Friedrich Barbarossa und des amtierenden Papstes fungierte.

Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration und gibt sie an ihren Schreiber weiter, Frontispiz des Liber Scivias aus dem Rupertsberger Codex (um 1180), Tafel 1/Bild-Credit: Wikipedia, gemeinfrei

Die Expertin für Heilkräuter

Hildegard von Bingen eignete sich mit den Jahren ein umfassendes Wissen über Pflanzen und vor allem Heilkräuter an. Erstmals verknüpfte sie aktuelle medizinische Kenntnisse und Vorgehensweisen in der Heilung von Krankheiten mit dem Heilkräuterwissen der Volksmedizin und schuf damit eine völlig neue medizinische Grundlage. Ihre Erkenntnisse entnahm sie ihren göttlichen Visionen, die ihr die Heilkraft der Pflanzen sowie die Vorteile einer ganzheitlichen Ernährung offenbarten. Hildegard erkannte früh die Relevanz einer gesunden, vorbeugenden Ernährung und setzte sich in ihren Werken nicht nur mit der Behandlung von Symptomen auseinander, sondern auch mit der Entstehung von Krankheiten und deren Vermeidung. Eine gesunde Darmflora, Fasten, die Verwendung nahrhafter Lebensmittel und eine Harmonie von Körper, Geist und Seele sind Grundpfeiler in der Hildegard-Küche und Medizin; Gesundheit und Genuss schlossen einander dabei nicht aus. Laut Hildegard von Bingen ist das richtige Maß von entscheidender Bedeutung: „Die Seele liebt in allen Dingen das rechte Maß. Wenn der Mensch ohne Maß isst oder trinkt oder irgendetwas anderes maßlos tut, werden die Kräfte der Seele gespalten. Daher achte er stets auf das richtige Maß.“

Kräutergärten nach Hildegard von Bingen

Habt Ihr Euch schon einmal einen traditionellen Kräutergarten nach Hildegard von Bingen angesehen? Beispiele findet Ihr z.B. im Kloster Eibingen, wo sie einen großen Teil ihres Lebens verbrachte, oder im Hildegard Forum in Bingen; Dani hat während ihrer Ostholstein-Reise gleich zwei Hildegard-Gärten in Schloss Eutin (links) und im Freiluftmuseum Lensahn (rechts) entdeckt. Im Unterschied zu traditionellen Kloster- oder Bauerngärten, die auch Obst und Gemüse zur Selbstversorgung beinhalten, legen die Kräuter- und Küchengärten nach Hildegard von Bingen besonderen Wert auf Pflanzen mit Heilwirkung und spiritueller Bedeutung, z.B. Salbei, Thymian, Petersilie, Lavendel, Quendel, Ysop und Fenchel, aber auch symbolträchtige Pflanzen wie Rose und Wein. Die Heilpflanzengärten sind häufig von niedrigen Hecken oder Einfassungen aus Buchsbaum oder Weidenruten begrenzt, welche die einzelnen Beete voneinander abtrennen und dem Garten eine geordnete Erscheinung verleihen. Die Wege dazwischen sind mit Holzschnitzeln bedeckt, was nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch praktisch ist, um Unkraut zu vermeiden.

Kräuterwein: Die Medizin des Mittelalters

Eine bis heute bekannte und nach wie vor beliebte Anwendungsmöglichkeit von Heilkräutern ist das Zubereiten und Trinken von Kräuterweinen. Hildegard von Bingen hinterließ zahlreiche Rezepturen für heilsame Kräuterweine und Liköre, z.B. Aronstab-Kräuterwein, der bei Depressionen, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen helfen soll; Herzwein, der sich bei Herzschwäche, Herzinsuffizienz, sowie durch Stress und Nervosität (Schlaflosigkeit, Müdigkeit) hervorgerufene Herzschmerzen empfiehlt und den Grippewein, der den Körper dabei unterstützen soll, Giftstoffe über Nacht aus dem Körper auszuschwemmen. Doch warum eigentlich Wein? Wein war früher als Lösemittel für wertvolle Pflanzenstoffe äußerst beliebt, denn hochprozentiger Alkohol war für die meisten Menschen schwer zugänglich und sauberes Wasser nur bedingt verfügbar. Aus diesem Grund verfiel man bevorzugt auf Wein und fügte diesem Heilkräuter hinzu, die speziell nach den benötigten Wirkweisen zusammengestellt wurden. Durch den Wein konnten die wertvollen Wirkstoffe optimal aus den Pflanzen herausgelöst und sogar haltbar gemacht werden. Aber so fein manche dieser Weine auch schmecken: Sie sind kein Genussmittel sondern eine wirksame Medizin!

Mein Rezept für Dattelwein nach Hildegard von Bingen

Mit etwas Kenntnis um die Wirkweise der Pflanzen, lassen sich auf Basis von Hildegards Aufzeichnungen noch heute gleichsam aromatische und heilsame Kräuterweine zusammenstellen – zum Beispiel mit Datteln. Diese gehörten zu den Lebensmitteln, die Hildegard von Bingen gerne empfahl: „Wer Datteln gekocht isst, bringt seinem Körper fast soviel Kraft wie durch Brot.“ Die kraftvolle, nahrhafte Dattel regt die Verdauung an und bringt zusätzlich eine angenehme Süße in Speisen.  Das nachfolgende Rezept ersetzt den typischen Magenbitter und basiert auf Hildegard von Bingens Rezept für Dattelwein. Ich habe es aber um einige zusätzliche verdauungsfördernde Zutaten wie Schafgarbe (verdauungsanregend, leberstärkend, entblähend), Zimt, Kardamom und Galgant (magenstärkend, verdauungsfördernd, durchblutungsfördernd) sowie Tonkabohne, Rosenblüten und Vanille (harmonisierend & aphrodisierend) erweitert.

Die getrockneten Kräuter und Gewürze könnt Ihr z.B. in einer tollen Qualität bei Sonnentor erwerben*

Ihr benötigt

– 750ml trockenen Rotwein
– 100g kleingeschnittene Datteln
– 2 Hände getrocknete Schafgarbe
– kleine Handvoll getrocknete Rosenknospen
– ½ TL Tonkabohne
– 1 Zimtstange
– 10 Kardamomkapseln
– 1 Vanilleschote: Mark + kleingeschnittene Schote
– ½ TL Galgant gemahlen

So wird’s gemacht

Schneidet Eure Datteln möglichst klein, mörsert Schafgarbe und Rosenblüten klein, brecht die Kardamomkapseln auf und mörsert die Samen leicht an, reibt die Tonkabohne, zerbrecht die Zimtstange in kleine Stücke, kratzt die Vanilleschote aus und gebt das Mark sowie die kleingeschnittene Schote in eine Flasche. Gießt die Kräuter und Gewürze nun mit einem trockenen Rotwein auf und lasst die Mischung für 3-4 Wochen ziehen. Schüttelt sie täglich einmal auf, damit sich die wertvollen Inhaltsstoffe besser lösen und in Eurem Wein verteilen können. Gießt den Wein nach der Ziehzeit durch ein feines Sieb und Tuch ab – fertig! Genießt bei Verdauungsbeschwerden oder nach einem reichhaltigen, fettigen Essen ein Schnapsgläschen Eures fertigen Kräuterweins. Wohl bekommt’s!

Habt Ihr schon einmal ein Rezept von Hildegard von Bingen ausprobiert?

*Die Produkte wurden uns für dieses Rezept zur Verfügung gestellt

MEHR ZUM THEMA

Newsletter Information

1 Kommentar

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mit dem Klicken des Buttons „Kommentar Abschicken“ willige ich in die Übermittlung meiner personenbezogenen Daten ein, zum Zwecke der Veröffentlichung des Kommentars und Kontaktaufnahme im Falle der Klärung inhaltlicher Fragen. Mir ist bekannt, dass ich diese Einwilligung jederzeit ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen kann. (Datenschutzerklärung, Impressum)
Mit einem Klick auf den Button „Jetzt anmelden“ willige ich in die Übertragung und Nutzung meiner personenbezogenen Daten zur Sendung werblicher e-Mails ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Impressum | Datenschutzerklärung