Marseille: Meine 8 Highlights in der südfranzösischen Hafenstadt
Sabine

Marseille ist kein Ort für einen beschaulichen Städtetrip – das habe ich vor einigen Tagen selbst erfahren. Die zweitgrößte Stadt Frankreichs ist laut und an einigen Ecken auch ziemlich schmutzig. Dennoch versprüht sie einen ganz besonderen Charme und überrascht mit zauberhaften, ruhigen Ecken, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Begleitet mich dieses Mal gerne bei einem Spaziergang durch die Strassen von Marseille! von Sabine

Frankreich, wir versuchen es noch einmal miteinander!

Frankreich stand bisher kaum auf meiner Reiseliste. Die Begeisterung für Paris konnte ich nie nachvollziehen, schon eher war ich von Straßburg angetan. Sehr verliebt habe ich mich vor einiger Zeit in die Kanalinseln – die sind allerdings auch eher englisch geprägt. Dieses Jahr habe ich allerdings einen neuen Versuch gewagt und Marseille besucht. Mein Fazit fällt durchwachsen aus: Die Architektur hat mir sehr gefallen. Die Straßen zieren jedoch zahlreiche Schlaglöcher und die wunderschönen Fassaden, Türrahmen und Türen sind häufig mit Graffiti beschmiert. Mich macht es immer etwas traurig, wie Menschen mit dem Hab und Gut anderer umgehen und vergangene Epochen so wenig würdigen.

Marseille-Highlights gab es dann allerdings trotzdem einige:

1. Das Viertel Le Panier & seine Cafés

Beginnen wir mit Le Panier, dem ältesten Viertel von Marseille, das sich nördlich des Alten Hafens erstreckt. Denn hier beginnt auch die Geschichte der Stadt: Um 600 v. Chr. haben die Griechen die Siedlung Massalia an dieser Stelle gegründet. Schnell wurde die Stadt zu einem wichtigen Handelsort im Mittelmeerraum. Heute lädt Le Panier mit seinen kleinen, verwinkelten Gassen wunderbar zum Schlendern und Entdecken ein. Bunte Fassaden, Street Art, kleine Vintage- und Designläden sowie zahlreiche Cafés und Restaurants verleihen dem Viertel eine lebendige, zugleich sehr entspannte Atmosphäre. Ich war deshalb nicht nur einmal hier. Besonders empfehlen kann ich Euch das Dutch Café und in der Konditorei La Madeleine du Panier mit ihrem fantastische Gebäck für’s Petit Dejeuner.

2. Der Alte Hafen & Bouillabaisse

Beim Bummeln durch Marseille gelangt jeder früher oder später zum Vieux Port, dem wunderschönen Alten Hafen der Stadt. Nicht zuletzt, weil sich zahlreiche Restaurants und Cafés rund um das Hafenbecken angesiedelt haben. Auch heute noch bringen einige Fischer ihren Fang am frühen Morgen im Alten Hafen an Land und verkaufen ihn auf dem traditionellen Fischmarkt. Touristen wie auch Einheimische werden mit Angeboten der traditionellen Bouillabaisse angelockt. Die berühmte Fischsuppe aus Marseille besteht unter anderem aus mediterranen Felsenfischen, einer kräftigen Frischbrühe, der würzige Knoblauchsauce Rouille und geröstetem Brot. Könnte Ihr da widerstehen?

3. Ein Segelturn ab Marseille

Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts schlug im Vieux Port das wirtschaftliche Herz des Seehandels von Marseille. Heute prägen Yachten und Segelschiffe das Bild. Wer Marseille einmal vom Wasser aus erleben möchte, dem kann ich einen Segeltörn sehr empfehlen. Ich habe mich für diesen Anbieter entschieden und einen fantastischen Abend an Bord verbracht. Bei gutem Essen, Wein und netter Gesellschaft ging es hinaus zu den Frioul-Inseln vor der Küste von Marseille. Dort ließ unser Segelschiff den Anker fallen. Einige Mitreisende nutzten die Gelegenheit und sprangen ins Mittelmeer, während es sich die anderen an Bord bei französischer Musik gemütlich machten. Für mich war dieser Ausflug eine besonders schöne Möglichkeit, Marseille einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

4. Das Marseille Seifenmuseum

Marseille ist seit Jahrhunderten weltbekannt für sein Seife. Die Savon de Marseille wird aus pflanzlichen Ölen hergestellt und kommt ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe aus. Charakteristisch ist auch ihre schlichte, würfelförmige Form. Eine traditionelle Savon de Marseille erkennt Ihr am Stempel, die jede echte Seife aus Marseille trägt. Vor 100 Jahren gab es noch 108 Seifenfabriken in der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das traditionelle Handwerk jedoch zunehmend unter Druck: Synthetische Waschmittel und die Verbreitung von Waschmaschinen veränderten die Nachfrage, sodass viele Betriebe schließen mussten. Heute gibt es nur noch 3 bis 4 traditionelle Seifensieder, die Seifen in einem fast 10-tägigen Prozess in Kesseln herstellen. Wie dieser Prozess genau abläuft und welche Geschichte hinter der berühmten Savon de Marseille steckt, erfahrt Ihr im Musée du Savon de Marseille.

Das kleine, liebevoll gestaltete Museum liegt direkt an der Promenade des Alten Hafens

5. Navette de Marseille: Gebäck in Bootsform

Wer seine Liebsten zu Hause – neben Seife – noch etwas Gebäck aus Marseille mitbringen möchte, greift am Besten zu Navette de Marseille. Der feste, längliche Keks in Form eines kleinen Bootes gehört zu den kulinarischen Spezialitäten der Stadt. Der Legende nach wurde die Navette bereits 1781 erfunden und ursprünglich zu Mariä Lichtmess Anfang Februar gereicht. Traditionell wird das Gebäck mit Orangenblütenwasser verfeinert. Heute gibt es neben der klassischen Variante aber auch zahlreiche weitere Versionen, die Ihr in Marseille das ganze Jahr über probieren könnt.

6. Die Markthalle Le Marche des Argonautes

Auf meinem Weg zum Palais Longchamp (siehe 7.) bin ich – angelockt von der großen Auswahl an Obst und Gemüse – auf eine wirkliche sehr interessante Markthalle gestoßen: den Le Marche des Argonautes.  Schon die Halle selbst ist sehenswert: Sie befindet sich in einem restaurierten ehemaligen Theater und verleiht dem Markt dadurch eine ganz besondere Atmosphäre. An den verschiedenen Ständen erhaltet Ihr alles für den täglichen Bedarf. für mein Picknick im Parc Longchamp habe ich mir aus den lokalen und selbstgemachten Speisen und Getränken eine köstliche Auswahl zusammengestellt.  Und ich muss sagen: Gäbe es so einen Markt in meiner Nähe, wäre ich wohl Stammgast!

7. Der Palais Longchamp & Parc Longchamp

Beeindruckt hat mich auch der Palais Longchamp. Der prunkvolle Bau wurde 1869 fertiggestellt und erinnert an ein für Marseille bedeutendes Ereignis: die Ankunft des Wassers aus der Durance. Über einen eigens angelegten Kanal wurde das Wasser des Flusses bis nach Marseille geleitet und löste damit ein großes Problem der Stadt – die Versorgung mit sauberem Wasser. In den beiden Seitenflügeln befinden sich das Naturhistorische Museum und das Museum der schönen Künste. Beide sollen sehr lohnenswert sein. Mich hat es an diesem Tag allerdings eher in den dahinterliegenden Parc Longchamp gezogen. Der weitläufige Park wird derzeit abschnittsweise restauriert, die Arbeiten sollen noch bis 2030 andauern. Ein Spaziergang lohnt sich aber trotzdem. Im Parc Longchamp befinden sich unter anderem ein botanischer Garten, das Observatorium von Marseille und der ehemalige Tierpark.

8. Die Basilika Notre-Dame de la Garde

Henri-Jacques Espérandieu, der Architekt des Palais Longchamp, hat auch meinen letzten Tipp entworfen: die Basilika Notre-Dame de la Garde. Zugegeben, ein Geheimtipp ist sie nicht, denn jeden Tag pilgern zahlreiche Touristen aus aller Welt hierher. Ein Besuch lohnt sich aber trotzdem! Schon im 13. Jahrhundert war der Hügel La Garde, auf dem die Basilika steht, ein Wallfahrtsort. Im 19. Jahrhundert entstand schließlich die heutige Basilika mit ihren prachtvollen, in Venedig gefertigten goldenen Mosaiken.Über viele Jahre wurden die kunstvollen Mosaike in den Kuppeln, Bögen und an den Wänden angebracht. Diese Pracht ist wirklich beeindruckend.Eine weitere Besonderheit befindet sich auf dem Glockenturm der Basilika: die elf Meter hohe, vergoldete Marienstatue. Die Einwohner Marseilles nennen sie liebevoll „La Bonne Mére“ – „die gute Mutter“. Als Schutzpatronin der Stadt ist sie tief in der Geschichte und Identität Marseilles verwurzelt und für viele Menschen ein wichtiges Symbol – weit über die katholische Gemeinde hinaus.

Wart Ihr schon mal in Marseille? Wie hat Euch die Stadt gefallen? Habt Ihr Lieblingsorte?

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