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Winston Churchill gilt als einer der schillerndsten Politiker des 20. Jahrhunderts. Hollywood hat den Mann mit der Zigarre, den großen Worten und der unbeugsamen Haltung längst zur Heldenfigur stilisiert. Seine berühmten Sätze wie „Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ sind zu geflügelten Worten geworden. Dabei war Churchill weit mehr als ein Kriegsführer: In unseren Lady-Tipps stellen wir ihn aus drei Perspektiven vor: Wir besuchen seinen Familiensitz Chartwell, lesen die Augstein-Biografie und sehen ihn auf Netflix in Farbe. von Sabine & Dani
1. Chartwell: Churchills Landsitz in Kent
Sir Winston Churchill sagte einmal über Chartwell: „Ein Tag weg von Chartwell ist ein verschwendeter Tag.“ Wer – so wie ich – schon einmal das Haus und dazu gehörige Anwesen der Familie Churchill in der Grafschaft Kent besuchen durfte, kann ihn sicherlich gut verstehen. Vor zwei Jahren war ich in der Vorweihnachtszeit dort – ein schon lange gehegter Wunsch ging damit in Erfüllung. Chartwell war für Sir Winston Churchill ein Rückzugsort fernab der Londoner Politik: Hier malte er, spazierte über die Wiesen, genoss die Natur – und arbeitete zugleich intensiv. In Chartwell schrieb er Bücher, verfasste Reden und versammelte bedeutende Persönlichkeiten an seinem Esszimmertisch, etwa im Rahmen der Kampagne gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands. Über 40 Jahre war Chartwell im Besitz der Familie. Erst wenige Monate vor seinem Tod im Januar 1965 verließ Winston Churchill das Anwesen. Tatsächlich dachten die Churchills mehrfach darüber nach, Chartwell zu verkaufen – die Unterhaltskosten waren immens.
Heute gehört das Anwesen dem National Trust und ist seit 1966 für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei einem Besuch erlebt Ihr das Chartwell der 1930er Jahre. Meiner Meinung nach wurde dies äußerst realistisch umgesetzt: Ich hatte das Gefühl, Winston Churchill und seine Familie hätten die Räume gerade erst verlassen. Besonders schön ist auch der weitläufige Garten und Park. Selbst an diesem kalten Wintertag konnte ich erahnen, wie wunderschön Chartwell zu anderen Jahreszeiten sein muss. Fun Fact: Im Garten wurde ich immer wieder von einer rothaarigen Katze begleitet. Erst später las ich, dass die Familie Churchill den National Trust ausdrücklich darum gebeten hatte, dass stets eine „Marmeladenkatze namens Jock mit weißem Lätzchen und vier weißen Socken“ auf Chartwell leben sollte. Seit 2020 begrüßt „Jock VII.“ dort nun die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Bezaubernd! (Sab)
Die Geschichte des Anwesens Chartwell beginnt im 14. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte es immer wieder seine Besitzer bis es im September 1922 von Churchill erworben wurde
2. Franziska Augstein: Churchill – Die Biografie
Wer Winston Churchill wirklich verstehen möchte, kommt an dieser Biografie kaum vorbei. Ja, sie ist mit 624 Seiten umfangreich – aber jede Seite lohnt sich. Franziska Augstein, Historikerin, Journalistin und Tochter von Rudolf Augstein, zeichnet ein vielschichtiges, kluges und erstaunlich lebendiges Porträt Churchills: brillant geschrieben, pointiert, analytisch und zugleich erzählerisch dicht. Besonders faszinierend ist, wie sie nicht nur den Staatsmann, sondern auch den Menschen Churchill sichtbar macht – mit all seinen Widersprüchen, Zweifeln, Exzessen und seiner enormen geistigen Energie. Augstein berücksichtigt dabei auch aktuelle Debatten, etwa zum britischen Kolonialismus. Trotz der beeindruckenden Seitenzahl liest sich das Buch überraschend spannend und nie trocken. Ergänzt wird der Text durch zahlreiche Fotografien, die Churchills Leben und Zeitgeschichte zusätzlich greifbar machen. Für mich ist es eine der besten deutschsprachigen Biografien der letzten Zeit – anspruchsvoll, aber absolut fesselnd. (Dan)
Augstein zeigt nicht nur den Staatsmann, sondern auch den Menschen mit seinen Marotten, Wutausbrüchen und seiner Empfindsamkeit, sie selbst schreibt: Je besser man ihn kennenlernt, desto leichter lassen sich seine Schwächen tolerieren
3. Netflix-Doku: Churchill im Krieg
Wer sich Winston Churchill lieber visuell nähert, dem kann ich diese Netflix-Dokumentation sehr empfehlen. Churchill im Krieg verbindet historisches Filmmaterial, Fotografien, Zeitdokumente und Expertenstimmen zu einem eindrucksvollen Porträt jener Jahre, in denen Churchill zur Schlüsselfigur der britischen Geschichte wurde. Besonders gelungen finde ich die klare Dramaturgie: Die Doku ist informativ, gut erzählt und dennoch angenehm zugänglich – ideal auch für alle, die sich (noch) nicht an eine umfangreiche Biografie wagen möchten. Bei Churchill im Krieg wurde übrigens umfangreich mit KI gearbeitet. Viele der historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurden mithilfe von KI nachkoloriert, teils auch stabilisiert und in der Bildschärfe optimiert. Dadurch wirken die Szenen deutlich unmittelbarer und emotionaler, fast so, als seien sie erst vor wenigen Jahrzehnten gefilmt worden. Gerade diese behutsame Modernisierung des Archivmaterials macht einen großen Reiz der Doku aus: Geschichte fühlt sich plötzlich erstaunlich nah an, ohne ihren Ernst oder ihre Würde zu verlieren. (Dan)
Hier haben wir Euch außerdem den großartigen Churchill-Film „Die Dunkelste Stunde empfohlen
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