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Wir haben den Sommer im Norden verbracht: zuerst an der Schleimündung, dann auf Sylt und schließlich an der Westküste Dänemarks. Die wilde Küste mit ihren endlosen Sandstränden lohnt nicht nur, wenn Ihr kleine Küstenorte und Leuchttürme, Heidelandschaften und Ruhe liebt, sondern auch wenn Ihr Euch für die Geschichte der Seefahrt interessiert. Ein Highlight ist natürlich Ribe, die älteste Stadt des Landes, die Euch Virginia besonders ans Herz legt.
Westjütland: Die Eiserne Küste mit den Endlosstränden
Jütland ist der Festlandteil Dänemarks. Seine Westküste erstreckt sich über viele hundert Kilometer entlang der Nordsee – von der deutsch-dänischen Grenze bis weit hinauf nach Nordjütland. Dazwischen liegen Sandstrände, hohe Dünen mit Leuchttürmen, Heideflächen, Fjorde, kleine Küstenorte und mittelalterliche Städtchen. Besonders reizvoll ist die Landschaft, weil sie bis heute von den Kräften des Meeres und den Spuren der letzten Eiszeit geprägt wird. An einigen Stellen haben die Gletscher eindrucksvolle Hügel und Steilküsten hinterlassen, während Wind und Wellen die Küste bis heute ständig verändern. Berühmt ist die Region auch für ihre bewegte maritime Geschichte. Der Abschnitt zwischen Thyborøn und Hvide Sande wird wegen seiner gefährlichen Strömungen und Riffe als „Eiserne Küste“ bezeichnet. Allein zwischen 1858 und 1882 wurden hier rund 1.200 Strandungen und Schiffswracks registriert. Kein Wunder, dass sich entlang der Küste zahlreiche Museen mit der Geschichte der Seefahrt und -kriege beschäftigen.
An der Westküste Dänemarks könnt Ihr stundenlang am Strand entlanglaufen – die Mischung aus rauer Nordsee, weitem Himmel und endlosen Sandstränden macht ihren besonderen Reiz aus – doch wir haben noch mehr Tipps für Euch:
1. Thorsminde: Schiffsunglücken nachspüren & Softeis genießen
Thorsminde ist heute ein beschauliches Küstenörtchen zwischen Nordsee und Nissum Fjord. Früher galt es jedoch wegen seiner wilden Küste, Strömungen und Untiefen als eine der gefährlichsten Regionen für die Schifffahrt: Teilweise strandeten hier wöchentlich Schiffe. Auch eine der größten Strandungskatastrophen der Weltgeschichte fand vor Thorsminde statt: Am Heiligabend 1811 gingen die beiden britischen Kriegsschiffe HMS St. George und HMS Defence unter und rissen 1.400 Menschen in den Tod. Das Strandingsmuseum St. George erzählt ihre Geschichte, zeigt zahlreiche Fundstücke aus den Wracks und vermittelt anschaulich, wie die Schiffsunglücke das Leben der Küstenbevölkerung prägten. Das Museum ist ausgesprochen atmosphärisch und trotz der tragischen Geschichte so kindgerecht gestaltet, dass auch jüngere Besucherinnen und Besucher viel zu entdecken haben.
Ein besonders beeindruckendes Fundstück ist das 11,5 Meter lange und 5,4 Tonnen schwere Ruder der HMS St. George, für das eigens der Museumsturm (links im Bild) errichtet wurde
Nach dem Museumsbesuch solltet Ihr Euch unbedingt ein Softeis mit Lakritzstreuseln im Café Havglimt gönnen
Strandingsmuseum St. George
Vesterhavsgade 1E Thorsminde
6990 Ulfborg, Dänemark
2. Nissum Fjord: Durchs Vogelschutzgebiet streifen
Der Nissum Fjord ist eine rund 70 Quadratkilometer große, flache Brackwasserlagune, die durch eine schmale lange Landzunge von der Nordsee getrennt ist. Bei Thorsminde besteht eine Verbindung zum Meer. Entstanden ist diese Art „See vor dem Meer“ nach der letzten Eiszeit aus einer ehemaligen Meeresbucht, die durch Sandablagerungen vom offenen Meer abgetrennt wurde. Rund um den Fjord führen zahlreiche Wege durch die Küstenlandschaft und zu verschiedenen Aussichtspunkten. Nehmt unbedingt ein Fernglas mit, denn die Strand- und Feuchtwiesen sowie die ausgedehnten Schilfgebiete sind wichtige Brut- und Rastplätze für zahlreiche Wasser-, Wiesen- und Zugvögel.
Pferde und Rinder sorgen dafür, dass die offenen Flächen vor dem Nissum Fjord nicht verbuschen – würde man diese einfach sich selbst überlassen, wären sie schnell zugewachsen; so sieht man hier Pferde auf riesigen „Koppeln“
3. Bovbjerg Fyr: Steilküste erkunden & Kaffeepause einlegen
Hoch über der Nordsee thront der Bovbjerg Fyr, der 1877 erbaut wurde, um Schiffe vor der gefährlichen „Eisenküste“ zu warnen. Heute befinden sich im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus ein kleines Museum, eine Galerie und ein Café. Vor oder nach dem Besuch lohnt sich unbedingt ein Spaziergang entlang der beeindruckenden, ockerfarbenen Steilküste. An der Bovbjerg Klint könnt Ihr direkt ins Erdreich schauen und Spuren der letzten Eiszeit entdecken: Gewaltige Eismassen, die einst aus Skandinavien nach Jütland vordrangen, schoben die verschiedenen Erdschichten zusammen, falteten sie und pressten sie teilweise übereinander. In der Steilküste sind diese Schichten bis heute sichtbar.
Leuchtturm von Bovbjerg
Fyrvej 27
7620 Lemvig, Dänemark
4. Marens Maw: Durch Dünen und Heide wandern
Mein Highlight war ein Spaziergang durch die Husby Klitplantage zum Aussichtspunkt Marens Maw. Dieser ist eigentlich gar nicht spektakulär – hier gilt eindeutig: Der Weg ist das Ziel. Die Husby Klitplantage ist ein weitläufiges Dünen- und Waldgebiet, das ab dem 19. Jahrhundert angelegt wurde, um die wandernden Sanddünen zu bändigen und das Hinterland vor den Sandverwehungen zu schützen. Unser Weg führte uns durch eine hügelige Dünenlandschaft, entlang großer Heide- und Sandflächen und immer wieder dichtes Hundsrosen-Gestrüpp. Unsere Tochter und Pudel Moritz hatten ihre helle Freude daran, die Dünenhügel rauf und runter zu flitzen. Für mich war die Landschaft vor allem ein Genuss fürs Auge: das zarte Violett der Heide, die grünen Dünen und dazwischen die leuchtenden Hagebutten.
Parkplatz am Gnomeskov
6990 Ulfborg, Dänemark
5. Thyborøn: Seeschlachtgeschichte erleben & Robben beobachten
Thyborøn liegt dort, wo Nordsee und Limfjord aufeinandertreffen, und ist ein weiterer Ort, an dem sich die Natur- und Seefahrtsgeschichte der Westküste wunderbar verbinden. Im Sea War Museum Jutland dreht sich alles um den Ersten Weltkrieg auf der Nordsee, insbesondere um die Skagerrakschlacht von 1916. Hunderte originale Fundstücke erzählen von der größten Seeschlacht des Ersten Weltkriegs und den dramatischen Ereignissen, die sich nur wenige Kilometer vor der Küste abspielten. Direkt neben dem Museum erinnert außerdem ein beeindruckender Gedenkpark in den Dünen an die zahlreichen Gefallenen. Etwas friedlicher geht es bei einer Robbensafari zu: Mit dem Boot des Jyllandsakvariet könnt Ihr hinaus an die Mündung des Limfjordes fahren, wo sich Seehunde auf den Sandbänken ausruhen. Fernglas nicht vergessen – mit etwas Glück könnt Ihr die Tiere sogar beim Baden und Spielen beobachten.
Robbensafari Treffpunkt
Havnegade 5C
7680 Thyborøn, Dänemark
Ferienhaus gesucht?
Wer jetzt die Küste Westjütlands selbst erkunden möchte, findet z.B. in Blåvand eine große Auswahl an Ferienhäusern. Die Ferienhausvermittlung VillaVilla bietet dort Unterkünfte für unterschiedliche Gruppengrößen und Ansprüche – vom gemütlichen Ferienhaus für zwei bis zum großzügigen Haus für die ganze Familie. Viele Häuser liegen in Strandnähe und eignen sich damit wunderbar als Ausgangspunkt für Ausflüge entlang der westjütländischen Küste.
6. Blåvand: Dänemarks Besatzungszeit nachempfinden
In den Dünen rund um Blåvand finden sich zahlreiche Bunker des ehemaligen Atlantikwalls, die heute eindrucksvoll von der Geschichte der deutschen Besatzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg erzählen. Besonders interessant ist das Tirpitz-Museum, das in einem ehemaligen deutschen Bunkerkomplex untergebracht ist. Die riesigen Betonbauten wirken inmitten der Dünen fast surreal und machen sichtbar, wie stark der Krieg in die Landschaft eingegriffen hat. Das Museum beschäftigt sich jedoch nicht nur mit dem Atlantikwall, sondern auch mit der Geschichte der Region und dem Leben der Menschen während der Besatzungszeit. Ein Besuch des Atlantikwall-Museums lässt sich wunderbar mit einem Spaziergang zum markanten Leuchtturm Blåvandshuk Fyr verbinden. Dieser steht am westlichsten Punkt Dänemarks und bietet einen großartigen Ausblick über die Nordsee, die Dünen und den vorgelagerten Windpark.
Blåvand gilt als einer der besten Orte Dänemarks um Bernstein, das „Gold der Nordsee“, zu finden – aber natürlich auch viele andere hübsche Schätze aus dem Meer
Tirpitz-Stellung Bunkermuseum
Tirpitzvej 1
6857 Blåvand, Dänemark
7. Extra-Tipp von Virginia: Dänemarks älteste Stadt Ribe erkunden
Im vergangenen Jahr haben wir das Städtchen Ribe besucht und waren begeistert. Auf den ersten Blick wirkt es beinahe unscheinbar, doch wer sich Zeit nimmt, entdeckt an jeder Ecke ein neues Stückchen Schönheit: malerische, kopfsteingepflasterte Gassen, schiefe Fachwerkhäuser und nostalgische Straßenlaternen, kleine Lädchen und natürlich Lakritzeis, an dem man in Dänemark ohnehin nur schwer vorbeikommt. Wir sind in manchen Ecken nur meterweise vorangekommen, weil es so viele Details zu entdecken gab. Und das hat einen Grund: Gegründet im 8. Jahrhundert, gilt Ribe als älteste Stadt Dänemarks! Bis heute hat sich in der Altstadt erstaunlich viel von diesem historischen Charakter erhalten. Besonders lohnt sich der Aufstieg auf den 52 Meter hohen Bürgerturm (Borgertårnet): Von oben eröffnet sich Euch ein wunderbarer Blick bis zum Wattenmeer. Ribes imposanter Dom gilt als älteste Kathedrale Dänemarks.
Die maritime Vergangenheit spürt Ihr am historischen Hafen: Durch seine Lage am Ribe Å entwickelte sich der Ort früh zu einem wichtigen Handelsplatz. An unserer liebsten Entdeckung kann man hingegen leicht vorbeilaufen: Im historischen Museumskarree rund um das HEX! Museum führen kleine Durchgänge zwischen den alten Häusern hinunter zur Ribe Å. Durch den schmalen historischen Kølholts Slippe gelangt Ihr zu einem kleinen, verwunschenen Rosengarten. Zum historischen Quedens Gaard gehört auch ein wunderschönes Gartenzimmer mit Blick auf den Innenhof und die Rosen. Hier bei Tee und Kuchen zwischen alten Mauern, üppigen Rosen und dem ruhigen Plätschern des Flusses zu sitzen, fühlte ich mich fast wie in England. Sehr spannend ist übrigens auch das HEX! Museum of Witch Hunt, das die Geschichte der Hexenverfolgungen in Dänemark und Europa im 16. und 17. Jahrhundert erzählt.
In Ribe findet Ihr windschiefes Fachwerk, winzige Fenster, altes Kopfsteinpflaster, kunterbunte, fröhliche Fassaden und wunderschöne, oft ganz unterschiedliche Haustüren – ich konnte mich kaum sattsehen!
HEX! Museum of Witch Hunt
Sortebrødregade 1
6760 Ribe
Dänemark
8. Weitere Tipps entlang der westjütländischen Küste
Natürlich gibt es entlang der westjütländischen Küste noch jede Menge mehr zu entdecken. Diese Orte haben wir bei unserer Reise diesmal noch nicht geschafft, sie wurden uns aber wärmstens ans Herz gelegt und stehen deshalb definitiv auf unserer Liste für den nächsten Besuch: Hvide Sande mit seinem Fischerhafen, der Schleuse zwischen Ringkøbing Fjord und Nordsee und den kilometerlangen Sandstränden solltet Ihr ebenso wenig verpassen wie den wunderschönen Lyngvig Fyr, der mitten in den Dünen zwischen Fjord und Meer steht. Weiter südlich warten in Esbjerg die vier neun Meter hohen weißen Skulpturen „Der Mensch am Meer“ auf Besucher. Und auch das dänische Wattenmeer rund um Mandø, Rømø und Co., das zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört, möchten wir unbedingt noch erkunden: Ebbe und Flut, Sandbänke, Austern, Seehunde und riesige Vogelschwärme… Was will man mehr?
In unserem Dänemark-Highlight auf Instagram seht Ihr noch viele weitere Impressionen und unsere Unterkunft in Westjütland stelle ich Euch beim nächsten Mal vor!
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An der Westküste Dänemarks könnt Ihr stundenlang am Strand entlanglaufen – die Mischung aus rauer Nordsee, weitem Himmel und endlosen Sandstränden macht ihren besonderen Reiz aus – doch wir haben noch mehr Tipps für Euch: 













