Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Wie entstehen eigentlich Schmucktrends?

Irmie Schüch-Schamburek absolvierte in ihrem Heimatland Österreich die Modeschule Hetzendorf, modelte mit 19 in Paris und betätigte sich einige Jahre im Modejournalismus. Vor allem aber gründete sie in Österreich eine Style und Trend Consulting Agentur und gilt als Expertin auf dem Gebiet Mode- und Schmucktrendforschung. In einem sehr interessanten Gespräch auf der Münchner Schmuckmesse Inhorgenta erklärte sie mir am Wochenende wie Trends entstehen und welche Schmucktrends uns in der kommenden Saison erwarten.

Wie ein Trend in den Laden kommt…

Es gibt verschiedene Wege wie Trends in der Schmuckbranche entstehen. Üblicherweise tauchen sie in Form von Makrotrends auf, die über Jahre oder Jahrzehnte bestehen. In der Subkultur, bei Kreativen und Schmuckdesignern gibt es ein Gespür für das, was eventuell ein Trend werden könnte. „Sie greifen eine gesellschaftliche Stimmung auf, bevor sie am Markt präsent ist“, sagt Schüch-Schamburek. Erreichen die Produkte eine kritische Masse, werden sie spannend für die Industrie. Diese beginnt ein eigenes Design zu entwerfen und als teure Nischenkollektionen zu verkaufen. Über die Medien werden die innovativen Produkte in die Breite gestreut, große Konzerne hängen sich daran und übersetzen sie für ihre Käuferschicht. Dieser Prozess kann sich über drei bis fünf Jahre hinziehen, am Massenmarkt hält sich der Trend dann weitere zwei bis fünf Jahre. „Dann aber verschwindet er, weil wir uns daran satt gesehen haben“, weiß die Trendforscherin. Es gibt jedoch auch durchaus Trends mit längeren Zyklen, lenkt sie dann ein und verweist auf die Themen Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit.

Ein Beispiel bitte!

Auf die Frage, ob sie den Prozess an einem Beispiel erklären kann, überlegt Irmie Schüch-Schamburek kurz, lächelt dann und zeigt auf ihren Ring. „Ein gutes Beispiel ist der Trend Symbolschmuck und Mystik“. Zuerst entstand er in Kunstobjekten, im Genre der Phantasybücher, auch bei Autoren wie Isabel Allende. In der Mode zeigte er sich in Form des Gothiktrends; Stoffe waren überseht mit Totenköpfen und Kreuzen. Auch Irmies Ring zeigt einen Totenkopf – allerdings nur auf der einen Seite. Dreht man den Ring erkennt man eine Acht – das Unendlichkeitszeichen. Der Ring repräsentiert also Endlichkeit und Unendlichkeit. In der Schmuckbranche entdeckte man den Trend zunächst im Nischenbereich bei extrem modischen Zielgruppen und bei Modedesignern wie Philipp Plein. Heute sind Schmuckstücke übersehen mit Symbolen wie Fatima, dem Ohmzeichen oder dem Auge. In nächster Zukunft werden vermutlich weitere, weniger bekannte Symbole hinzukommen.

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Trendforscherin Irmie Schüch-Schamburek und ihr symbolträchtiger Ring

Die Bedeutung hinter einem Trend

Ein weiterer Trend, der sich nun schon über Jahre hält und in immer neuen, kreativen Arten auftritt, ist der Modulare Schmuck. Ein Trend, der zum Horten und Sammeln auffordert, ist vor allem in unsicheren Zeiten erfolgreich, in denen Reichtum im Kleinen gemehrt wird, erklärt mir Frau Schüch-Schamburek. Der Trend begann mit den Charms von Thomas Sabo, Pandora oder Nomination und findet momentan bei Labels wie Endless Jewelry oder Coins eine neue Ausprägung. Doch obwohl den Käufern häufig tausende Möglichkeiten eröffnet werden, wie sie sich den Schmuck nach ihren persönlichen Vorstellungen zusammenstellen können, handelt es sich nur um die Idee der Individualität, sagt die Trendforscherin mit einem Augenzwinkern. Nachgewiesenermaßen werden in Läden und Onlineshops die Schmuckstücke am meisten gekauft, die vom Personal oder den Agenturen bereits dekorativ zusammengestellt wurden.


4 Kommentare
  • Alica sagt:

    Interessant! Danke dafür. Ein Verweis auf das Blogthema wäre noch gut gewesen.
    Ich persönlich halte mich dafür, was den Schmuck betrifft, meist lieber an hochwertige Klassiker in Design und Material.

  • Saperlotte sagt:

    Richtig schön zu lesen, was für Klassefrauen aus Österreich kommen. Macht auf jeden Fall Mut.

    Modularschmuck wird sich wohl noch ewig halten. Gerade heutzutage wo alles immer einheitlicher wird, möchte man ja doch zumindest das Gefühl haben, ein etwas einzigartigeres Stück am Handgelenk baumeln zu haben. Ein wirklich cleverer Marketing-Schmäh, wo doch der Grundgedanke so romantisch wäre… Hach.

    Viele liebe Grüße,
    Saperlotte

  • Pingback: Der Lady-Blog im Gespräch mit Trendforscherin Irmie Schüch-Schamburek | INHORGENTA MUNICH DE
  • Rena sagt:

    Interessant finde ich an diesem Interview, dass der modulare Schmuck wesentlich weniger individuell ist, als man glauben könnte :) Danke, war sehr informativ zu lesen!

    Liebe Grüße, Rena

    http://www.dressedwithsoul.blogspot.de

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