Was können wir von Audrey Hepburn lernen?

Audrey trägt zu diesem Fototermin in den Paramount-Studios sehr auffällige Ohrringe, 1953/© Bob Willoughby

Wieviele Menschen gab oder gibt es wohl auf diesem Erdball, die von nahezu Jedem geliebt und verehrt werden? Ich denke, sehr sehr wenige. Eine von ihnen ist ganz sicher Audrey Hepburn. Die wunderschöne Schauspielerin mit ihrer grazilen Figur, der eleganten Haltung, dem Kurzhaarschnitt und vor allem der herzlichen und offenen Art zog nicht nur zeit ihres Lebens Schauspielkollegen, Designer, Regisseure und Zuschauer – Männer wie Frauen – in ihren Bann. Bis heute hat die Stilikone nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt und ist für uns sowohl charakterlich als auch optisch ein absolutes Vorbild. von M.Daniela

Ihr Vater hinterließ eine Lücke im Herzen

Audrey Hepburn wurde am 4. Mai 1929 als Audrey Kathleen Ruston in Ixelles, einem Vorort von Brüssel, geboren. Als Tochter des englischen Bankiers Joseph Victor Anthony Ruston und der niederländischen Baroness Ella van Heemstra (1900–1984) erhielt sie die britische Staatsbürgerschaft. Den Namen Hepburn legte sie sich zu, nachdem ihr Vater diesen in einer Abstammungsurkunde entdeckt hatte. Die ersten Jahre ihres Lebens verbrachte Audrey an der Seite Ihrer Eltern in Belgien. Diese führten jedoch eine unglückliche Ehe. Als ihr Vater sie und ihre Mutter schließlich verließ, war Audrey gerade einmal 6 Jahre alt. Ihr Vater hinterließ „eine Wunde, die nie wirklich verheilte“, sagte Audreys ältester Sohn Sean einmal. Er behauptete, dass seine Mutter zeitlebens „nie mehr daran glaubte, dass Liebe halten würde“.

Ella beschloss, Audrey für die nächsten Jahre auf einer Privatschule in Kent/England unterzubringen. In aristokratischen Kreisen war es durchaus üblich, ein sechsjähriges Kind auf ein ausländisches Internat zu schicken. Außerdem hielt sich Audreys Vater inzwischen auch wieder in England auf. Die Schule selbst fand Audrey „äußerst langweilig“, allerdings entdeckte sie dort eine Leidenschaft: Ballett. Ihr großer Traum von einer Ballettkarriere wurde jedoch jäh beendet, als sie während des 2. Weltkrieges zurück nach Arnheim in den Niederlanden geholt wurde. Ihre Mutter wähnte sie dort sicher. Ein Irrtum, der sich offenbarte, als die deutschen Truppen die neutralen Niederlande besetzten. Fortan musste Audrey als Edda van Heemstra ihre britischen Wurzeln verleugnen. Aber noch mehr: Sie schloss sich gemeinsam mit ihrer Mutter dem Widerstand an und arbeitet im Untergrund gegen das Naziregime.

Audrey steigt in die Limousine der Paramount-Studios, die sie nach ihrem Fototermin mit Bud Fraker wieder ins Hotel zurückbringen soll/© Bob Willoughby

Viele gewonnene Herzen und ein Oskar

In Arnheim, dem Zuhause ihres Großvaters, tanzte Audrey zwar weiter. Durch die Mangelernährung und die Krankheiten in den Kriegsjahren war ihr Muskelwachstum jedoch so beeinträchtigt, dass sie nach dem Krieg nicht mehr genug Kraft für eine Karriere als Primaballerina hatte. Von der abgebrochenen Ballettausbildung in England lies sich Audrey jedoch nicht unterkriegen. 1948 stand sie das erste Mal für einen Werbefilm vor der Kamera: Nederlands in 7 Lessen. Parallel arbeitete sie als Modell und verdiente sich Gagen als Tänzerin im Londoner West End bzw. in kleinen Filmrollen, bis sie 1951 als „Gigi“ entdeckt wurde. Das Publikum war begeistert und Audrey avancierte – quasi über Nacht – zum Hollywoodstar.

Zwar mag Audrey im Krieg alle ihre aristokratischen Wurzeln hinter sich gelassen haben, denn ihre Mutter distanzierte sich von jeglichen familiären Ansprüchen und Verwandschaftsgraden, aufgrund der Nähe dieser zum Naziregime. Das Leben jedoch machte aus dem Mädchen eine Prinzessin. Im Film „Ein Herz und eine Krone“ eroberte sie neben Gregory Peck die Herzen der Menschen im Sturm und wurde am 26. März 1954 mit einem Oskar zur besten Hauptdarstellerin gekürt. Es folgten Filme wie Sabrina (1954), Krieg und Frieden (1956), Ein süsser Fratz (1957), Das Leben einer Nonne (1959) und selbstverständlich Breakfast at Tiffany’s (1961). Sie stand an der Seite von so großartigen Schauspielern wie Fred Astaire, Humphrey Bogart, Cary Grant und Gregory Peck um nur ein paar von ihnen zu nennen.

Audrey nimmt ihr Ziehreh Ip mit zum Einkaufen in den Supermarkt Gelson’s in Beverly Hills/© Bob Willoughby

Krieg und nun doch endlich Frieden?

Während der Dreharbeiten zu „Krieg und Frieden“ lernte Audrey ihren ersten Ehemann Mel Ferrer kennen, mit dem sie von 1954-1968 verheiratet war. In zweiter Ehe war sie mit dem italienischen Psychiater Andrea Dotti liiert (1969-1982). Aus beiden Ehen ging ein Sohn hervor. Doch bis zum Mutterdasein lag ein harter Weg vor ihr, denn die zierliche Audrey erlitt drei Fehlgeburten – eine davon aufgrund eines Reitunfalls während der Dreharbeiten zum Film „Denen man nicht vergibt“ (1959). Jedoch lies sie sich davon nicht ernüchtern, zog sich aus dem Filmgeschäft für eine Weile zurück, um letztendlich –  als glückliche Mutter eines Sohnes – im bekanntesten Film ihres Lebens „Frühstück bei Tiffany“ in der Rolle der Holly Golightly auf die Leinwand zurückzukehren. Der Song Moonriver und das Luxuskaufhaus Tiffany & Co. wurde von nun an zum Synonym für Audrey Hepburn. Nach diesem Film folgten nur noch kleinere Rollen. Sie entschied sich auf Jahre Hausfrau und Mutter zu sein, lebte zurückgezogen in der Schweiz und unterstützte zum Schluss Unicef als Sonderbotschafterin zum Wohle armer Kinder.

Sean, der Sohn von Audrey und Mel Ferrer, spielt fröhlich mit seiner Mutter, während James Garner den beiden zuschaut/© Bob Willoughby

Was können wir also von Audrey lernen?

Persönlich fasziniert mich Audreys ganze Lebensgeschichte. Aber ganz stark bewundere ich die immerwährende Stärke, welche von dieser zarten Frau ausging. Es ist wirklich schwer, auf die Liebe eines Elternteils zu verzichten und wenn man ihre persönliche Geschichte liest, eröffnen sich immer wieder Situationen, aus denen hervorgeht, wie schmerzlich der Schatten dieses Verlustes über ihrem Leben lag (siehe z.B. Audrey Hepburn – Ein Leben). Vermutlich hatte sie auch deshalb wenig Glück in ihren Ehen. Und dann die Kriegsjahre, welche viele in ihrer Generation verbittert zurückgelassen haben. Audrey nutzte sie, um Stärke daraus zu ziehen und ich bin gewiss, dass sie gerade deshalb „Krieg und Frieden“ so authentisch auf die Leinwand bringen konnte. Somit ist „Mut“ egal wie widrig die Umstände auch sein mögen und das sich Treu bleiben, selbst unter größter Gefahr, eine ihrer erstaunlichsten Tugenden.

Für ihre Kinder war Audrey ein Segen. Ihr Söhne haben ihr 2015 ein Buch gewidmet – eine interessante Mischung aus Biografie, Rezeptbuch und Bildband – aus dem hervorgeht, wie wichtig ihr das Familienleben und der Zusammenhalt war. Zu guter Letzt darf ihre Arbeit bei Unicef nicht unerwähnt bleiben. Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass ehrenamtliches Engagement eine Sache ist, die uns alle betreffen sollte – gerade in der heutigen Zeit, in der die Not um uns herum zum Greifen nahe wird. Audrey Hepburn starb im Alter von nur 63 Jahren in Tolochenuz/Schweiz. Unsere unvergessene Heldin, diese glamouröse und doch stets bodenständige Frau, verlor leider viel zu früh ihren letzten Kampf, den Kampf gegen den Krebs.

Alle Fotos dieses Artikels stammen aus dem Taschen-Bildband „Bob Willoughby. Audrey Hepburn. Fotografien 1953–1966“. Der Studio-Fotograf Willoughby begleitete Audrey über Jahr während der Arbeit, aber auch privat – das Buch zeigt auch einige bislang nicht veröffentlichte Aufnahmen der Schauspielerin//Hier haben wir Euch den Bildband bereits vorgestellt

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Wer sich noch intensiver mit Audreys Biografie auseinandersetzen möchte, dem sei „The Audrey Hepburn Story“ an’s Herz gelegt – Die für’s amerikanische Fernsehen produzierte Filmbiografie mit Jennifer Love Hewitt in der Titelrolle stellt ihr Leben auf bewegende Weise da

Hier geht’s zu den anderen Teilen unserer Stilvorbild-Serie

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2 Kommentare
  • Wienlady sagt:

    Liebe M.Daniela, vielen Dank für den mit viel Herzblut geschrieben Artikel über Audrey Hepburn. Eine wirkliche Lady im besten Sinne. Was Charakterstärke angeht auch heute ein absolutes Vorbild. Herzliche Grüße – Wienlady

  • d.elisabeth.b sagt:

    Ein wirklich interessanter Überblick über das Leben dieser wunderbaren Schauspielerin, deren Last aus Kindertagen und Jugendjahren mir vollkommen fremd waren. Der Artikel macht Lust sich näher mit Audrey Hepburn zu beschäftigen abseits ihrer Filmrollen.
    Liebe Grüße – d.elisabeth.b

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