Diane Vreeland: Allure

Es hat fast 30 Jahre gedauert. Doch jetzt sind die Memoiren der legendären Diana Vreeland, eine der einflussreichsten Modejournalistinnen des 20. Jahrhunderts, auf Deutsch erschienen. „Allure – Der Roman meines Lebens“ bietet Namedropping der glamourösesten Art und das im fast atemlosen Plauderton. Kein Wunder, denn das erstmals 1984 in Amerika erschienene Buch wurde ursprünglich auf Band gesprochen. von Sybille

Eine einmalige Karriere

Ihre Karriere ist ungewöhnlich für eine Frau ihrer Generation: Diana Vreeland wurde 1903 als Mitglied der High Society geboren und reiste bereits als Kind zwischen Europa und Amerika hin und her. Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1937 als Kolumnistin und Redakteurin für die Modezeitschrift Harper’s Bazaar, von 1962 bis 1972 übernahm sie die Chefredaktion der amerikanischen Vogue. 1971 schließlich wurde sie zur Beraterin des Metropolitan Museum of Art ernannt und stellt für den Bereich Mode großartige Ausstellungen zusammen. In ihrem Buch plaudert Mrs. Vreeland über Mode, Stil, Anproben bei Chanel, die legendären Parties der 60er Jahre und ihre Begegnungen mit den Reichen und Schönen dieser Welt. Greta Garbo, Twiggy, Jack Nicholson oder Andy Warhol zählten zu ihren Vertrauten.

Bloß keine Langeweile!

Jackie Kennedy riet sie, zur Amtseinführung ihres Mannes einen Muff zu tragen – Nicht nur aufgrund der Kälte in Washington, sondern weil Mrs. Vreeland Muffs überaus romantisch fand. Diane Vreeland gab übrigens zu, dass sie dazu tendiere ihre Geschichten zu „verbessern“, um die Leser nicht zu langweilen. Für sie eine der schlimmsten Sünden überhaupt. Das Buch ist unterhaltsam und sehr amüsant. Doch bei allem Glamour (oder vielleicht gerade deswegen) bleibt das Geschehen sehr an der Oberfläche. Der 2. Weltkrieg wird im gleichen Atemzug mit der sensationellen 30er-Jahre-Garderobe der Vreeland genannt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich schätze Mode und stilvolle Menschen. Aber eine amüsante Plauderei als „Roman meines Lebens“ zu bezeichnen, ist für mich sehr hochgegriffen.

Neuer Dokumentarfilm

Der unbedingte Stilwille von Diana Vreeland ist allerdings sehr überzeugend. Mit ihren Fotostrecken für Harpers Bazaar oder die Vogue hat sie häufig Neuland betreten und provoziert. Und obwohl Diana Vreeland 1989 starb, wird sie von vielen Modeschaffenden noch heute für ihren Mut zur Extravaganz bewundert. Immer wieder wird sie zum Thema von Magazinen, Büchern und Filmen. So widmete das Magazin Visionaire seine 37. Ausgabe im Jahr 2001 ganz ihren legendären Redaktions-Memos. Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde vor kurzem der Dokumentarfilm „The Eye has to travel“ über Vreelands Leben vorgestellt. Der von Tod’s finanzierte Film zeigt nicht nur Szenen aus dem Privat- und Geschäftsleben, sondern schildert auch ihre Begegnungen mit zahlreichen Prominenten. Das gleichnamige Buch wurde von Lisa Immordino Vreeland (sie ist mit dem Enkel von Diana Vreeland verheiratet) verfasst und ist nun erhältlich.

Diane Vreeland: Allure

„Diana Vreeland: Allure“ ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen. 384 Seiten, einige schöne Schwarz-Weiß-Fotos. Der Preis: 22,80 Euro. Hier geht es zur Amazon-Bestellung/Foto: Schirmer/Mosel


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