Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.

Einen sehr interessanten Beitrag zum Thema Konsumsucht habe ich heute auf dem Blog Mangoblüte entdeckt. Beim österreichischen Fashionblogger-Treffen diskutierten u.a. Karin von Innen & Außen und Vicky von Bikinis And Passports über die soziale Verantwortung von Mode- und Beauty-Blogs. Eine Verantwortung, der sich auch der Lady-Blog stellen muss und möchte.

Zunächst: Was ist Konsumsucht? Für mich ist es der unüberlegte und übermäßige Kauf von Dingen, die man nicht benötigt. Mode- und Beauty-Blogs können solche Kaufreize auslösen, das steht fest. Sicher ist auch: Blogs ab einer gewissen Größe und Leserzahl haben Einfluss, und mit dem Einfluss steigt die Verantwortung gegenüber den Lesern. Der Lady-Blog möchte zwar nicht erziehen, aber doch Ratgeber sein, oder eine gute Freundin. Deshalb würde ich auf dem Blog nie etwas anpreisen, von dem ich selbst nicht überzeugt bin. Ich würde nicht gegen unsere Blog-Philosophie handeln, und die bedeutetet nun einmal: Wir stellen Euch schöne, wertige Dinge vor, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Im Idealfall handelt es sich dabei um kleine Manufakturen, Geheim-Tipps oder Nachwuchslabels aus Deutschland.

Kauft Euch wenige, aber gute Produkte. Dann passiert Euch nämlich nicht das Szenario, das Vicky beschreibt: Sie besitzt so viele günstige Kleidungsstücke, dass sie regelmäßig große Mengen weggeben muss. Schon nach wenigen Monaten verliert sie das Interesse an den Teilen, was – wie sie zugibt – auch daran liegt, dass die Schuhe und Kleider aus billigen Materialien schnell ihren Glanz verlieren: die Plastikballerinas entwickeln einen unangenehmen Geruch, der Henkel der Kunstledertasche blättert ab, das Polyester-Kleid fühlt sich unangenehm auf der Haut an und der H&M-Pulli bildet schon nach zweimaligen Waschen Knötchen. Darum: Investiert in perfekt sitzende Lieblingsteile aus tollen Materialien.

An ihnen werdet Ihr lange Freude haben, weil sie lange ihren Glanz behalten, Euch im besten Licht präsentieren und sich gut mit dem Rest Eurer Garderobe kombinieren lassen. Das können Maßschuhe sein, eine hochwertige Ledertasche, ein toller Füller, ein klassischer Regenschirm, eine zeitlose Uhr, perfekt sitzende weiße Blusen, kuschlige Kaschmirpullover usw. Nachdem Ihr Euch eine Basisgarderobe zusammengestellt habt, könnt Ihr ab und an auch mal der Konsumsucht verfallen, und Euch ein extravagantes Teil gönnen. Aber glaubt mir, mit einer Basicliste vor Augen, wird Euch das viel seltener passieren. Natürlich habe auch ich mir sofort die Frage gestellt: Bin ich konsumsüchtig? Ich weiß es nicht genau. Denn auch wenn ich mir statt 10 Paar Plastikschuhen, lieber ein hochwertiges Paar von Salvatore Ferragamo gönne, muss ich zugeben, dass Konsum eine nicht unwesentliche Rolle in meinem Leben spielt.

Ich umgebe mich sehr gerne mit schönen Dingen, seien es hochwertige Möbel, Schreibgeräte oder Kleidungsstücke. Aber: Ich weiß die Dinge, die ich besitze, auch zu schätzen. Niemals würde ich einen Kaschmirpullover aussortieren, nur weil er ein Loch hat, niemals einen alten Bauerntisch wegwerfen, weil er von Gebrauchsspuren gekennzeichnet ist. Am geringsten aber fällt meine Konsumsucht in Bezug auf Kosmetik aus: Ich benötige keine 5 Mascara in meinem Badezimmerschrank und kann auch der Sammelleidenschaft für Nagellack und Lidschatten nicht viel abgewinnen. Und was lösen Blogs bei mir aus? Interessanterweise verführen sie mich nicht zum Kaufen, nicht einmal Pinterest tut das – ganz im Gegenteil: Ich entdecke, lasse mich inspirieren und speichere ab. Das gibt mir das beruhigende Gefühl, dass ich jederzeit darauf zurückgreifen kann und ich entgehe so dem schnellen Kaufimpuls und Jagdtrieb.

Wie ist das bei Euch so? Lasst Ihr Euch von Blogs zum unreflektierten Kaufen verführen?


12 Kommentare
  • Anita sagt:

    Liebe Dani,

    sehr schön geschrieben bzw. gesagt! Ich habe in letzter Zeit auch viel über mein Kaufverhalten nachgedacht und mir fest vorgenommen, eben nur noch bessere und qualitativ hochwertigere Dinge zu kaufen. An einer Lederhandtasche hat man einfach länger Freude als an einer Kunstledertasche (die außerdem schnell unschön aussieht). Aber ich bin auch kein Freund von großen (Designer-) Logos auf Taschen und anderen Sachen, bei mir zählt die Schönheit und ob es gut verarbeitet ist. Zumal meine beiden liebsten Geschäfte mich gerade enttäuschen: Zara weil sie meiner Meinung nach die Preise erhöht haben (die Qualität aber immer noch schlecht ist) und auch bei Massimo Dutti wird es immer teurer, aber wenigstens stimmt die Qualität, trotzdem finde ich die Preise der neuen Limited Collection einen Witz… Und ich habe mir fest vorgenommen, mehr im Sale oder in Outlets zu kaufen, ob ich eine bestimmte Bluse von Massimo Dutti jetzt oder nach Weihnachten habe ist eigentlich egal und wenn es sie dann nicht mehr gibt, naja, dann gibt es sicherlich was anderes ;-) Ich komme mir aber sehr oft „konsumsüchtig“ vor, denn in meinem Freundeskreis gibt es sehr viele, die sich aus Kleidung und „Konsum“ gar nichts machen. Da falle ich natürlich auf. Bei Kosmetik geht es mir wie dir, da kann ich sehr gut widerstehen bzw. habe nie diese „Sucht“ entwickelt, ich glaube ich habe mir schon seit 2 Jahren keinen Lidschatten mehr gekauft, besitze eine Wimperntusche, zwei Parfüms etc. – und ich brauche etwas auf bevor ich was neues kaufe.
    Mein Konsumverhalten hat eher problematische Ausmaße bei Büchern: ich habe so viele Bücher und Partituren, und außerdem im Kopf eine ellenlange Liste mit Büchern, die ich noch möchte, sprich ich kann so gut wie an keinem Antiquariat (ich mag lieber gebrauchte Bücher als neue) vorbeigehen und da gibt es leider so einige in meiner Nähe…
    Im Moment ist mein „Konsum“ sowieso auf Eis gelegt, da mein Freund und ich unsere bisherige WG-Wohnung übernehmen und wir einige Möbel und Geräte kaufen müssen, und dann ist da ja noch die „Deko“ (mein Part!).
    Und bei mir ist es bei dir, Blogs, Pinterest und Fotos inspirieren mich, aber sie regen mich eigentlich nicht zum Kauf an, sondern sie geben mir Ideen wie ich meine Kleidung anders stylen könnte.

    xxx Anita

  • Stephanie sagt:

    Hallo,
    erstmal: Ihr habt einen sehr schönen, interessanten Blog, den ich vor ein paar Tagen zufällig entdeckt habe. Mir geht es bei dem Thema wie Euch. Auch ich kaufe lieber weniger, dafür aber gute Teile. Ich mag den Stil von Tommy Hilfiger total gerne und finde die Qualität eigentlich auch gut. Bin dafür aber auch schon „schief“ angeguckt worden. Nur wenn ich den Leuten dann vorrechne, dass die Sachen, da sie länger halten und mir länger und mehr Freude machen letztendlich gar nicht teurer sind als andere, habe ich schon öfters Zustimmung erhalten. Aber ich finde das Wichtigste ist, dass man sich selber wohl fühlt. Mich inspirieren Blogs auch eher (auch zum Selbermachen) als dass sie mich direkt zum kaufen anregen. Wo ich allerdings auch rund um mich zu kaufen könnte sind Buchhandlungen, allerdings mag ich besonders neue Bücher und würde auch nie ein Eselsohr reinmachen um mir die Seite zu merken. Mein Traum ist immer noch eine riesige Bücherwand in meinem Wohnzimmer oder Flur. Daran arbeite ich;-)

    Liebe Grüße,
    Stephanie

  • Silke sagt:

    Ich habe in letzter Zeit auch die Erfahrung gemacht, dass es häufig besser ist, sich auf wenige, gute Dinge zu beschränken, statt sich immer wieder zum Kauf von vielen preiswerten Dingen verführen zu lassen. Klasse statt Masse. Überquellende Kleiderschränke und vollgestopfte Badezimmer passen nicht zu einer Lady. Zudem hat man nur einen Körper, den man bekleiden und pflegen kann, bei vielen würde die Menge wohl auch für eine ganze Schulklasse reichen.

    Da ist es sehr hilfreich, sich auf den vorhandenen Platz im Kleiderschrank zu beschränken: wenn er voll ist, dann ist eben kein Platz für ein neues Teil und alles, was 2 Jahre nicht getragen wurde, muss auch gehen.

    Unsere Kirchengemeinde veranstaltet zweimal jährlich eine Sammlung von Gebrauchtkleidern für Bethel und es ist wirklich erschreckend, wieviel dort jedes mal (!) zusammenkommt: BERGE von Säcken, vollgestopft mit Altkleidern, die sicherlich nicht ansatzweise abgetragen sind. Was für ein beschämendes Zeugnis der Wegwerfgesellschaft.

    Ich kaufe inzwischen nichts mehr bei H&M, Zara und Co. Zum einen ist die Qualität dort so schlecht, dass die Stücke eine Saison nicht überstehen und zum anderen finde ich die Produktionsbedingungen beschämend. Der billige, schöne Schein wird durch die Zerstörung der Gesundheit und der Umwelt der Arbeiter vor Ort bezahlt: da verlieren für mich die ganzen Strasskettchen bei H&M ihren Glanz.

    Ich kaufe sehr gerne im Elegance Outlet in Leverkusen ein oder auch in anderen Outlets, aber immer nur Dinge, die ich wirklich brauche und die von Qualitätsfirmen stammen. Selbst mit kleinem Geldbeutel muss man nicht zu den Billig-Ketten gehen: es gibt Outlets, ebay, Kleiderkreisel und den guten alten Schlussverkauf – oder man macht es mit etwas Geschick und Kreativität einfach selber.

  • Constanze sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    auch ich mag lieber hochwertige Dinge, wobei ich zugeben muss, dass sich auch das ein oder andere H&M-Teil in meinem Schrank findet. Bei den Basics passt die Qualität zumindest bei L.O.G.G. und den Organic Cotton Sachen.

    Beim Thema Herstellung darf man sich nichts vormachen. Tommy, Gant und Co produzieren kaum oder gar nicht besser, als die günstigeren „Labels“. Achtet lieber auf Ware aus Europa (z.B. Angels).

    In Outletshops kann man wirklich wahnsinnige Schnäppchen machen. Letztes Jahr habe ich einen wundervollen klatschgrünen Kaschmirpullover für sage und schreibe 10 (in Worten ZEHN) Euro erstanden. Er hatte beim ersten Waschen kleine Knötchen gebildet, woraufhin er umgetauscht wurde. Für den Preis konnte ich das gut verschmerzen.

    Ich denke, ein bisschen konsumsüchtig sind wir doch alle. Probiert mal ein paar Monate aus, mit wenig Geld zurecht zu kommen. Mein Freund und ich haben im Selbstversuch drei Monate vom Hartz4-Satz gelebt. Es ist machbar, aber Luxus gibt es gar nicht. Wie schön war es, das gesparte Geld danach auf den Kopf zu hauen. Und das erste, was wir gekauft haben, waren zwei völlig überteuerte, sinnlose, ungesunde und furchtbar leckere Dosen Cola von der Tankstelle. :)

    Alles Liebe
    Constanze

  • Andrea sagt:

    Liebe Dani,

    Dein Blog verführt doch nun wirklich nicht zu unreflektiertem Kaufen. Du rätst immer zu guter Qualität und da muss man schon mindestens zweimal überlegen, ob man sich das eine oder andere Teil leistet und wie man es in die eigene Garderobe integrieren kann.

    Auf Modeblogs gekommen bin ich übrigens über einen Artikel in der SZ, der sich mit dem Gegenteil von Konsumsucht befasst hat. Meike Winnemuth hat ein Jahr lang dasselbe blaue Kleid getragen und geblogt (hier der Link zu allen ihren Outfits aus dem Jahr http://www.daskleineblaue.de/?page_id=124). Wie das beim Surfen so ist, bin ich irgendwann auf den Lady-Blog gestoßen und bin seither ein treuer und begeisterter Leser.

    Liebe Grüße
    Andrea

  • Dani sagt:

    Liebe Andrea,

    ach ja, an das spannende Projekt erinnere ich mich! Ich habe gerade gesehen, dass sie im Jahr darauf jeden Tag ein Stück aus ihrem Haushalt weggeworfen oder verschenkt hat – das nenne ich auch eine Herausforderung! :-)

    Liebe Grüße und danke für Eure positiven Rückmeldungen
    Dani

  • Silke sagt:

    Liebe Andrea,

    was für ein faszinierendes Experiment! Der Artikel steht übrigens hier: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34934
    Am besten hat mir der Abschnitt gefallen:
    „Es gab Kollegen, die erst nach Wochen mitbekommen haben, was ich da mache. Denen ist überhaupt nichts aufgefallen. Eine schöne Lektion: Niemand interessiert sich so sehr dafür, was du anhast, wie du selbst.“

  • Alexandra sagt:

    Liebe Dani,

    ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an, Ladyblog ist ehr ein guter Berater als ein Anstifter zum Raufrausch! Ich sehe das Problem auch ehr bei anderen, aber der Gedanke ist grundsätzlich nicht unberechtigt. Für Menschen, die eh schon schlecht mit ihrem Geld umgehen können oder eben einfach auch noch nicht so viel verdienen ( Schülerinnen zB) mag das Folgen eines Blogs über Mode, Schmuck und Kosmetik leicht das Gefühl vermitteln, „Das muss ich auch haben“.
    Keine Ahnung wie man dem entgegen treten kann, ich stimme euch auf jeden Fall zu, weniger und dafür besser ist eindeutig mehr!

    Liebe Grüße
    Alexandra

  • Natalie sagt:

    Liebe Dani,

    nachdem ich Deinen Blog zufällig beim Surfen gefunden habe, verfolge ich ihn mit Interesse. Meiner Meinung nach verführt er nicht zum ungebremsten konsumieren. Der Fokus hier liegt glücklicherweise auf qualitativ hochwertigen, klassischen Produkten.
    Vielleicht wäre es eine Idee, wenn Du eine Reihe von Beiträgen zu dem Thema: „anlassgerecht mit der Basisgarderobe“ starten würdest. Dort könntest Du zeigen, wie man diese Kleidungsstücke mit Accessoires und Kombinationen immer wieder neu stylen kann. So als kleiner Beitrag zum Thema.

    Liebe Grüße
    Natalie

  • Dani sagt:

    Liebe Natalie,

    Du meinst so etwas wie: 5 verschiedene Arten eine weiße Bluse oder ein Ringelshirt zu kombinieren? Die Idee ist nicht schlecht!

    Herzliche Grüße
    Dani

  • T. sagt:

    Du sagst, dass du dich gerne mit schönen Dingen umgibst, und das geht wohl vielen von uns „Modeinteressierten“ so -aber das heisst ja nicht, dass wir ohne nachzudenken alle Dinge kaufen müssen, die wir auf einem Blog gesehen haben und schön finden. Was haben wir denn gemacht, bevor es Blogs gab? Da haben wir uns doch auch in den ein-oder anderen Trend verliebt, den wir in einer Zeischrift gesehen hatten, und wollten dann auch so etwas haben. Die Frage, was ich mir leisten kann und will, muss ich immer noch selbst beantworten.
    Ich würde nicht sagen, dass Blogs bei mir zu mehr Konsumsucht geführt haben.Vielleicht ist mein Stil durch Bloglesen etwas modischer und ein kleines bischen gewagter geworden, aber dass ich wirklich mehr kaufe würde ich nicht sagen, denn schöne Dinge haben mich immer schon interessiert.

  • Liebe Dani!

    Dass mich Modeblogs zum Kaufen verführen, kann ich ganz einfach verneinen. Sicherlich bekomme ich manchmal Inspirationen, besonders von eurem Blog oder von den Medien, aber ich versuche dann oft, aus meiner aktuellen Garderobe neue Kombinationen zu kreieren.
    Ab und zu kaufe ich natürlich schon etwas Neues, aber ich bemühe mich, möglichst wenig bei Mango und Zara zu kaufen. Die Teile von diesen Ketten schauen schon oft sehr schick aus, aber die Qualität stimmt leider überhaupt nicht, von Kinderarbeit etc. gar nicht zu reden.
    Ich versuche, viele Basics, de auch gut zusammenpassen, zu haben, und die dann mit ein paar Trendstücken zu ergänzen.
    Accessoires und Schuhe sollten meiner Meinung nach immer hochwertig sein.
    Leider gibt es wenige Blogs wie euren, auf den ich ja nur durch Zufall gestoßen bin. Die meisten Modeblogs sind eher für superstylishe XXXS Girlies, denke ich, daher könnten sie mich nie „zum Kaufen verführen“. Solche Mode würde ich nie tragen!
    Schönen Tag wünscht dir
    Claire von http://www.countessclaire.com

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