Unser Kulturtipp: Lesestadt Gütersloh

Seit dem 28. Oktober ist ganz Gütersloh „Lesestadt“ und das 10 Tage lang. 30 Lesungen an 20 ungewöhnlichen Orten (Frisiersalon, Kirche, Rathaus) und zahlreiche Aktionen stellen die Stadt ganz unter das Motto „Lesen“. Sybille, Emil und Kalle waren bei einigen Lesungen dabei und nutzten die Chance, mit den Autoren zu sprechen. von Sybille

1. John von Düffel: Der Wasseraktivist

Zum Auftakt der Lesestadt las der Berliner Dramaturg und Autor John von Düffel aus seinen „Wassererzählungen“. Der Ort: Das Kundenzentrum der Stadtwerke. Er begann seine Lesung mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für sein Lieblingselement. Angesichts der Tatsache, dass nur zwei Prozent unseres Planeten aus Süßwasser bestünden, sei Wasser viel zu billig. Wir müssten wieder lernen, über Wasser zu staunen und es zu respektieren. Für seine Liebe zum Wasser hat er eine Theorie. Seine Eltern seien viel umgezogen und eine wichtige Konstante bei diesen Umzügen sei immer das Wasser, das Meer, ein Fluß oder ein See gewesen. Hier fand und findet er bis heute Geborgenheit.

„Überall wo ich hinkomme, suche ich das Wasser.“ Manche seiner Geschichten haben ihren Anfang tatsächlich im Wasser genommen. Zum Beispiel „Die Vorschwimmerin“. Von Düffel war auf einem Kreuzfahrtschiff Richtung Arktis als Bordautor unterwegs. Da es immer weiter Richtung Norden ging, war er am Ende der einzige, der den Pool nutzte. Um den Pool herum standen die Kreuzfahrtgäste in formeller Kleidung und beobachteten ihn beim Schwimmen. Daraus entstand die Idee zur Erzählung, in der eine Schwimmerin den Pool eines Stararchitekten dekoriert wie ein stummer Fisch. Schwimmen ist für von Düffel übrigens auch ein probates Mittel gegen schlechte Kritiken. „Schwimmen in sehr kaltem Wasser! Da ist man am Ende einfach froh überlebt zu haben.

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John von Düffel: Autor und leidenschaftlicher Schwimmer/Foto: Kai-Uwe Oesterhelweg


2. Knigge  – Vom Umgang mit Menschen

Das richtige Benehmen kann einem beruflich wie privat viele Chancen eröffnen. Sönke Tuchel, Geschäftsführer des Parkhotels, gab bei seinem unterhaltsamen Vortrag Einblicke in die Welt des Protokolls und der internationalen Hotellerie. Die Aufzählung der einzelnen Regeln würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Diese könnt Ihr in meinen Buchtipps nachlesen. Mein Fazit aus der Veranstaltung: Regeln sind gut, aber sie sind auch dazu da gebrochen zu werden – z.B. wenn man damit das Gesicht und die Würde des Gegenübers wahrt. Das meinte im übrigen auch schon der Freiherr von Knigge, dessen Schrift „Vom Umgang mit Menschen“ ein soziologisch ausgerichtetes Werk ist, das als Benimmratgeber missverstanden wurde.

Bücher zum richtigen Benimm:

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Literaturempfehlungen rund um’s gute Benehmen/Foto: Kai-Uwe Oesterhelweg


3. Mit dem Fernbus unterwegs

Erst am 17. Oktober ist das Buch „Keine Ahnung, wo wir hier sind“ auf den Markt gekommen. Die 26-jährige Sina Pousset las also quasi aus ihrem druckfrischen Erstlingswerk. Und das tat sie sehr sympathisch, offen und völlig ungekünstelt. Die Kunst- und Literaturwissenschaftlerin fährt gerne Fernbus, was man ihrem Buch mit Anekdoten über skurrile Sitznachbarn, unbequeme Sitze, Schlafprobleme oder fehlendes Wlan anmerkt. Mir hat das Buch allerdings keine Lust auf Reisen mit dem Bus gemacht, obwohl die Autorin Tipps und Tricks verrät, wie man beispielsweise einen der begehrten Doppelsitze ergattert.

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Sina Poussets Keine Ahnung, wo wir hier sind ist bei Goldmann erschienen und kostet 12,99 Euro

4. O Romeo, Romeo…

O Wau – wir haben das berühmteste Liebespaar der Welt getroffen – und das mitten in Gütersloh. Natürlich haben wir uns sofort unsere Streicheleinheiten bei Romeo und Julia abgeholt, bevor sich die beiden in ihr Unglück stürzen. Aber Psst. Wir verraten Euch ein Geheimnis: Das sind gar nicht wirklich Romeo und Julia, das sind nur Schauspieler, die während der Gütersloher Lesestadt tagsüber in aufwändigen Kostümen durch die Innenstadt flanieren und aus Werken berühmter Dichter zitieren. von Emil und Kalle

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Emil und Kalle treffen Romeo und Julia/Foto: Lena Descher

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