Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Teil 2: Interview mit „Die Lady“-Autor Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel ist Journalist, Stilberater und Autor der Bücher „Die Lady“ und „Der Gentleman“. Im zweiten Teil des Interviews mit dem Lady-Blog erfahren wir, welche Kleidungsstücke und Farbkombinationen in den Kleiderschrank der Lady gehören. Bernhard Roetzel erzählt über seine Leidenschaft für den britischen Wohnstil und verteidigt den Modegeschmack der Deutschen.

Sehr geehrter Herr Roetzel, welche Kleidungsstücke und Accessoires gehören denn unbedingt in den Kleiderschrank der Lady?

Man sollte vermeiden, wie eine Karikatur einer Salem-Schülerin auszusehen, wenn man ehrlich ist, geht es beim Stil der Lady jedoch genau um diesen Look des Adels. Also Streifenbluse, Seidentuch, Perlenkette, Barbourjacke, Timberlandschuhe, Pennyloafer, Ferragamopumps, Tweedblazer, helle Hosen und Birkinbag. Dazu Kostüm, Kleid und Abendrobe. Das Ganze wird natürlich immer modisch aktualisiert, im Prinzip ist es aber seit Jahrzehnten der immer gleich Look. Jeder kennt ihn. Die einen hassen ihn, die anderen leben ihn trotzdem. Entscheidend ist übrigens das Haar. Gleichlängig, ungefärbt und schlicht.


Haben Sie ein paar Tipps für die Lady, die morgens vor einem vollen Kleiderschrank steht und das Gefühl hat nichts zum Anziehen zu haben?

Es ist ratsam, sich über die Jahre Standardkombinationen zurechtzulegen, die man dann zum Anlass abrufen kann. Also zu einem bestimmten Twinset immer ein Tuch und ein bestimmtes Paar Schuhe.


Momentan ist ja „Color Blocking“ sehr angesagt, gibt es Ihrer Ansicht nach eine Farbkombination die man auf keinen Fall tragen sollte?

Der klassische Lady-Stil bevorzugt am Tage grundsätzlich klare Farben, Schwarz ist eher selten. Die Lady verwendet keine Farben, die nicht tragbar sind. Es sind ja immer klare, klassische Töne wie Marine, Flaschengrün, Rot oder Orange. Dazu Naturtöne, Weiß und Kamel.


Welches ist Ihr Lieblings-Modeaccessoires und worauf könnten Sie getrost verzichten?

Ich versuche mich auf das Wesentliche zu reduzieren. Accessoires im Sinne von dekorativem Zubehör, das keine Funktion erfüllt verwende ich mit Ausnahme des Einstecktuchs kaum. Ich trage in der kälteren Jahreszeit Hut, der ist für mich jedoch ein Kleidungsstück. Vermutlich ist insofern das Einstecktuch tatsächlich mein Lieblingsaccessoire, vielleicht auch die Krawatte und die Schleife. Ich verzichte auf dekorative Schals und Umhängetaschen.


Sie haben auch ein Buch über den britischen Wohnstil geschrieben. Der Durchschnittsbrite lässt ja leider häufig an Stil zu wünschen übrig – so lautet jedenfalls ein gängiges Vorurteil. Warum schätzen Sie den britischen Stil dennoch und was macht er für Sie aus?

Die Durchschnittsmenschen – sofern es sie gibt – haben inzwischen überall in der westlichen Welt einen fast identischen Geschmack. Es gibt ja auch überall die gleichen Sachen zu kaufen. Ich mag am britischen Stil den Sinn für alte Dinge und die Kombination aus ansprechendem Aussehen und Bequemlichkeit. Ein klassisches englisches Wohnzimmer lädt zum Verweilen ein, es ist keine sterile Wohnausstellung.


Und wie sieht es mit den Deutschen aus? Auch ihr Geschmack wird immer mal wieder heftig kritisiert, zuletzt vom Stilblogger Facehunter. Haben die Deutschen Ihrer Meinung nach Stil? Kann man überhaupt von einem deutschen Stil sprechen?

Natürlich gibt es einen spezifisch deutschen Stil, er existiert jedoch außerhalb des Wahrnehmungsfeldes von Modekritikern jeder Art. Das ist so wie bei der Musik. Deutschsprachige Schlager und Volksmusik ist gemessen an den Verkäufen der CDs äußerst erfolgreich, wird jedoch von den Medien oftmals komplett ignoriert oder die Konsumenten dieser Musik werden als dümmlich und geschmacklos hingestellt. Wir haben in Deutschland eine äußerst lebendige Bekleidungskultur im Bereich Tracht, Wanderkleidung und Jagdbekleidung. Außerdem ist unsere Konfektion weltweit sehr erfolgreich. Denken Sie nur an Hugo Boss. Auch die Sportkleidung aus Deutschland prägt weltweit den Geschmack der Menschen. Die Deutschen modisch über einen Kamm zu scheren, ist nicht möglich. Die jungen Leute kleiden sich überwiegend im modischen Sinne sehr gut. Aber das ist überall so.


Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben!

 

Im ersten Teil des Interviews erzählt Bernhard Roetzel über seine Leidenschaft für klassische Kleidung und die Entstehung der Mode-Bücher „Die Lady“ und „Der Gentleman“.

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