Modedesignerin Lena Hoschek im Interview mit dem Lady-Blog

Liebe Lady-Blog-Leser, wir hoffen, Ihr seid alle gut in das neue Jahr gestartet! Wir haben für 2012 einige spannende Projekte geplant und los geht’s mit einem ersten Highlight, einem Interview mit einer unserer liebsten Modedesignerinnen: Lena Hoschek. Die Österreicherin ist seit ihrer Unternehmensgründung im Jahr 2006 auf Erfolgskurs. Ihr Stil ist unverkennbar weiblich, meist von der Mode der 40er und 50er Jahren inspiriert. Wir sprachen mit der sympathischen Designerin über Figurschmeichler, Haltung und Einrichtungsvorlieben. von Sybille

Frau Hoschek, als Lady-Blog interessiert es uns natürlich sehr, was für Sie der Begriff der Lady bedeutet.

Eine Lady – gerne benutze ich auch den Begriff Dame – ist für mich der Inbegriff von Eleganz, vornehmer Zurückhaltung und Weiblichkeit.

Würden Sie Ihre Kollektion als ladylike bezeichnen?

Ein großer Teil der Kollektion ist auf jeden Fall ladylike. Dazu kommt ein Schuss Buntheit und Wildheit. Ich finde, dass Frauen ihre Weiblichkeit betonen sollten. Und das sieht man meiner Mode an. Die Linie ist tailliert und figurschmeichelnd. Kleider, Röcke, körperbetonte Blusen sind feminin, zeitlos und sie stehen jedem Figurtyp. Ich möchte einfach schöne Kleidung machen, die Frauen schmeichelt und ihr Geld wert ist.

Muss man denn für ein „Lady-Outfit“ viel Geld ausgeben?

Ein weibliches Outfit gibt es für 150 Euro bei H&M oder für 1.500 Euro in einer teuren Boutique. Geld spielt eher keine Rolle, denn die Trägerin bestimmt, wie es aussieht. Es gibt Frauen, an denen ein Outfit immer damenhaft aussieht und es gibt Frauen, die im gleichen Outfit keinesfalls ladylike aussehen. Das hat auch viel mit Aufgeräumtheit zu tun. Es macht schon einen großen Unterschied, ob die Bluse im Rock- oder Hosenbund steckt oder darüber hängt. Befindet sich das Oberteil im Bund, ist der Look sofort ladylike.

Ihre Mode ist von den 40er und 50er Jahren inspiriert. Warum gerade diese Zeit?

Ich bin ein großer Fan der weiblichen Silhouette, egal ob im Rubens- oder schmalen Format. Und von der Kleidung dieser Epoche wurde sie wunderbar betont. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den Frauen damals und heute – und der liegt in der Haltung. Audrey Hepburn oder Grace Kelly, die man selbst nach heutigen Maßstäben als extrem schlank bezeichnen würde, hatten eine aufrechte Haltung, die sie fast automatisch elegant wirken ließ. Heute fehlt diese Haltung. Die Looks, die heute propagiert werden, verlangen häufig eine gekrümmte, nachlässige Körperhaltung, damit die Models möglichst androgyn aussehen.

Ein Blick in die aktuelle Lena-Hoschek-Kollektion/Fotos: Lena Hoschek


Ich habe häufig gelesen, dass Ihre Mode als Rockabilly bezeichnet wird. Erklären Sie sich damit einverstanden?

Erst einmal mag ich es nicht, in Schubladen gesteckt zu werden. Aber ich kann mich in soweit damit einverstanden erklären, dass Rockabilly unter den Jugendkulturen diejenige mit einer besonders weiblichen Note ist. Die Frauen legen großen Wert auf ihr Styling, speziell bei den Haaren – das ist an sich schon ladylike. Im übrigen ist Rockabilly im Ursprung eine ganz wunderbare Jugendbewegung mit toller Musik.

Haben Sie ein Stilvorbild?

Ich lasse mich von vielem inspirieren. Bei meinen letzten Recherchen bin ich zum Beispiel auf Gloria Vanderbildt gestoßen. Sie hat ihr Haus zu einem wunderbaren Patchwork- und Collagenkunstwerk gestaltet. Hier wird der schmale Grad zwischen guter Gestaltung, Übertreibung und Kitsch bravourös gemeistert. So etwas finde ich grandios.

Kleiden Sie sich privat auch im femininen 50er-Jahre-Stil?

Ja. Ich trage jeden Tag Strümpfe, weite Röcke oder elegante Kleider, lege Wert auf Make-up und gut gestylte Haare. Bad Hair Days überstehe ich meist mit einer Tuchfrisur. Auf jeden Fall trage ich in den seltensten Fällen Hosen.

Ist denn so ein durchgestylter Look heute überhaupt noch praktikabel?

Ich finde schon. Das Anziehen ist doch auch ein wunderschönes Ritual. Man zelebriert es sich zurecht zu machen, wählt Wäsche, Kleider, Make-up mit Bedacht und in Ruhe aus. Ich finde es übrigens auch unmöglich, dass die meisten Leute sich für einen Theaterbesuch nicht mehr schön kleiden. Für mich grenzt das an Sittenverfall. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich das wieder ändern wird. Es wird immer mehr Menschen geben, die sich Mühe bei ihrem Styling geben und die werden in Zukunft Trends setzen.

Bezieht sich Ihre Vorliebe für die 50ies denn auch auf Ihre Einrichtung?

Also bei der Kleidung bin ich ein Riesenfan der 50ies, allerdings nicht bei Möbeln. Da stehe ich eher auf den Stil, der Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts modern war. Ich bin z.B. ein Riesenfan von Büchern und Filmen wie „Der kleine Lord“ oder „Das Nesthäkchen“. Einrichtungen, wie sie dort gezeigt werden, finde ich wunderbar. Shabby Chic liegt mir auch sehr. Daher bin ich auch oft auf Trödelmärkten unterwegs. Ich finde übrigens auch, dass es die schönste Bekleidung um 1870 gab. Der Film „Zeit der Unschuld“ zeigt die ganze Pracht dieser Kleider mit ihren Tournüren, Rüschen und Verzierungen. Auch die Mode der 20er und 30er ist schön, aber sie steht nur großen, schlanken Frauen.

Modedesignerin Lena Hoschek

Modedesignerin Lena Hoschek/Foto: Lena Hoschek

Im zweiten Teil des Interviews erfahrt Ihr mehr über die aktuelle Kollektion von Lena Hoschek.


2 Kommentare
  • nina sagt:

    großartiges interview – tolle designerin

  • Petra sagt:

    Frohes Neues auch von mir!
    Das sind ja mal gute Nachrichten, ich freu mich schon auf jede Menge Stoff und Anregungen.
    Danke für dieses Interview. Ich finde, Lena hat vollkommen recht. Es sind nur noch ganz wenige, die sich zu bestimmten Events richtig Gedanken um ihr Outfit machen. Im Alltag muss man es ja nicht übertreiben, aber für ein Theaterbesuch gehört es doch dazu, sich ein wenig abzuheben.

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