Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Teil 1: Interview mit „Die Lady“-Autor Bernhard Roetzel

Das Modebuch „Die Lady“ ist ein Standardwerk für zeitlose Kleidung und hat mich nicht unwesentlich zur Gründung dieses Blogs inspiriert. Seit Jahren steht es mir als treuer Ratgeber stets zu Diensten. Um so mehr freue ich mich, dass ich nun einmal mit dem Autor des Buches sprechen konnte. Bernhard Roetzel schrieb neben dem Klassiker für die Lady auch das Pendant für den Herren: „Der Gentleman“. Im ersten Teil des Interviews mit dem Lady-Blog spricht er über seine Leidenschaft für stilvolle Kleidung, den Bademantel seines Vaters und den Erfolg der Bücher.

Sehr geehrter Herr Roetzel, in Ihrer Arbeit als Buchautor, Journalist und Stilberater befassen Sie sich hauptsächlich mit klassischer Mode und einem stilvollen Auftreten. Woher stammt diese Leidenschaft?

Ich kann nicht erklären, woher meine Leidenschaft für den klassischen Stil stammt. Meine Vorliebe für den englischen Look kann mit den Jahren zu tun haben, die ich als in Kind in Südafrika verbracht habe. Ich war immer beeindruckt von den Schülern der englischen Schule, die neben unserer deutschen Schule lag. Die Jungs trugen gestreifte Blazer, das gefiel mir. Auch die alten Leute in der makellos weißen Kleidung beim Rasenbowling gefielen mir. Familiär bin ich modisch nicht vorbelastet, Kleidung wurde bei uns eher nach Bedarf gekauft und nicht aus Freude am Konsum. Mein Vater hatte jedoch einige alte Anzüge, Hemden und Krawatten im Schrank, die mir besser gefielen als die moderne Kleidung. Seinen breit gestreiften, knöchellangen Bademantel aus den Fünfzigern hat er mir neulich geschenkt, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Der Gentleman ist das weltweit erfolgreichste Modebuch. Nachdem es 1999 in Deutschland erschienen ist, wurde es in 18 weitere Sprachen übersetzt. Und auch „Die Lady“ hat sich mittlerweile zu einem Standardwerk für klassische Kleidung entwickelt. Hatten Sie mit so viel Erfolg gerechnet?

Der Erfolg des Gentleman hat alle überrascht. So etwas lässt sich nicht vorhersehen und leider auch nicht programmieren. Unser Verleger Ludwig Könemann hatte jedoch einen hervorragenden Riecher für erfolgreiche Bücher, er war in der Hinsicht nahezu genial. Er ist der Typ des Verlegers, der selbst die besten Ideen hat, dieser Typ ist äußerst selten. Obendrein ist er ein großartiger Verkäufer. Es ist schade, dass der Könemann Verlag nicht in der alten Form gerettet werden konnte. Das Buch über die Damenmode haben wir dann ja auch mit einem anderen Verlag machen müssen. Das Buch startete sehr erfolgreich, dann ließ der Verkauf aber nach. Da hat uns vielleicht auch der 11. September den Erfolg verregnet, die Menschen hatten in den Monaten danach einfach wenig Lust auf Mode und Stil. Dennoch ist auch dieses Buch bis heute erhältlich. Ich halte es nach wie vor für sehr gut.

Bevor „Die Lady“ 2002 erschien, gab es Diskussionen, ob das Thema auf die Frau anwendbar sei. Wieso hielten einige die Umsetzung des Gentleman-Konzepts auf die Lady für unmöglich?

Der Haupteinwand war, dass die Frauenmode zu wandelbar ist. Das ist einerseits richtig, andererseits dreht es sich bei den Damen auch immer um die gleichen Basics. Für mich ist das Hauptproblem mit Büchern über Damenmode, dass Frauen zwar gern Kleidung kaufen, sich jedoch nicht in dem Maße wie Männer theoretisch damit befassen wollen. Männer sind auch bei der Kleidung Spielkinder, Frauen jedoch nicht.

Was macht denn eine Lady aus?

Selbstbeherrschung und Disziplin.

„Die Lady“ von Bernard Roetzel und Claudia Piras ist im Verlag Dörfler erschienen und kann für 9,95 Euro hier erworben werden

Im Teil 2 des Interviews erfahrt Ihr mehr über den Kleiderschrank der Lady, den Stil der Briten und den Modegeschmack der Deutschen.

Bild-Credit: Jan Hemmerich

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1 Kommentar
  • Silke sagt:

    Ich liebe dieses Buch! Ich habe es damals in der Oberstufe von meinem Vater geschenkt bekommen. Dabei hat er mit einem Augenzwinkern gesagt, ich bräuchte es ja eigentlich nicht, denn ich hätte ja schon fast exakt den Stil.

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