Sloane Ranger: Der britische Prepster

„Das ist nicht mehr als ein Prepster in Tweed”, hat ein amerikanischer Modejournalist einst leicht abfällig über den Sloanie gesagt. Doch in der Tat ist der Sloane Ranger so etwas wie das europäische Pendant zum amerikanischen Prepster. Die Jugendkultur einer jungen, gebildeten und häufig auch adeligen Oberschicht entstand in den 1980er Jahren auf den Eliteinternaten Großbritanniens. Als Gallionsfigur des guten Geschmacks galt den Sloanies die Kronprinzessin Lady Diana. Wer die Sloane Ranger genau sind, woher sie kommen und was man sich noch heute von ihnen abgucken kann, habe ich mir einmal etwas genauer angeschaut. von Sophie

Ursprung

Der Begriff Sloane Ranger ist eine Wortschöpfung aus „Sloane Square” und „Lone Ranger”. Ersteres ist eine Nobelgegend inmitten von London, zweiteres eine beliebte TV-Serie aus den 50ern. Geprägt wurde der Begriff vom Sloane Ranger Handbook, das in den 80ern erschien und den jungen, britischen Upperclass-Stereotypen charakterisiert. Der Sloanie im ursprünglichen Sinne war adlig, reich und verbrachte seine Jugend abwechselnd in Oxbridge und dem Landgut seiner Eltern. Über seine Zukunft musste er sich keine Gedanken machen – seine Hauptaufgabe bestand darin, den wertvollen Nachnamen und das Familienerbe zu bewahren.

Entstehung

Der Sloane Ranger tauchte in den 80ern auf – dabei gehören Adel und Upperclass bereits seit Jahrhunderten zu Großbritannien wie der Tee um fünf. Dass die Sloanies damals zur Jugendkultur wurden, lag zum großen Teil an der neuen Mutter der Nation. Anfang der 80er Jahre heiratete die Prinzessin von Wales den britischen Kronprinzen. Lady Diana war schön, hatte Geschmack, galt als edel und zurückhaltend. Die junge Upperclass fand in Lady Di eine Gallionsfigur des guten Geschmacks und so auch neuen Gefallen an den alten Werten.

Sloane Ranger: Der britische Prepster

Sloane Ranger: Der britische Prepster

Die Renaissance der Tradition…

Die Sloanies waren stolz auf ihre Elternhäuser und auf die Verbindungen der „Old men”, die ihnen später Jobs und Einfluss verschaffen sollten. Arbeit und Schule fand in den chicken Vierteln Londons statt, an den Wochenenden ging’s auf das Landsgut zum Jagen, Reiten, Fischen und Polospielen. Die Lebensart war teuer, exklusiv und nicht dafür vorgesehen, von normal Sterblichen gestört zu werden. Die Sloane Ranger bauten dem britischen Adel ein Refugium, in dem es um Blumenschauen, Earls und Etikette ging. Man vertrieb sich die Zeit mit Sport, schnellen Autos, der Suche nach einem geeigneten Heiratspartner und genoss die Annehmlichkeiten, die das Leben in der Upperclass mit sich brachte. Obwohl die Zukunft in trockenen Tüchern wartete, legte der Sloanie größten Wert auf Bildung, Manieren und einen gepflegten Umgangston und grenzte sich somit noch deutlicher „nach unten” ab.

… und das Ende

Eine Jugendkultur braucht immer eine Jugend, die sie am Leben hält. Im Falle der Sloane Ranger war Mitte der 1990er Schluss. Der Tod von Lady Di, das verheißungsvolle, moderne Jahrtausend und die bevorstehende digitale Revolution waren dann doch zu viel für den Landadel. Wachsjacke und Poloturniere wirkten zwischen Handy und Computer nicht mehr zeitgemäß. Und so wurde es ruhig um die Sloane Ranger.

Sloane Ranger: Der britische Prepster

Was bleibt?

Wie jede andere Subkultur trugen auch die Sloanies den Beweis ihrer Gruppenzugehörigkeit am Leib. Das waren derbe Lederschuhe, maßgeschneiderte Tweed-Sakkos, Wachsjacken und teure Schweizer Uhren: Man legte Wert auf klassische Formen, unaufgeregte Farben und robuste, sportliche Kleidung. Dieselben Marken und Stücke wie die eigenen Eltern zu tragen war bei den Sloane Ranger nicht verpöhnt, sondern gewollt. Alles in allem ist der Stil ein wenig erdiger und erwachsener als der des Prepsters. Cordhose statt Faltenrock, Steppjacke statt Seidentuch. Da die Kleidungsstücke zeitlos und die Konten gut gefüllt waren, schreckte ein Sloane Ranger nicht davor zurück, für ein paar Schuhe ein kleines Vermögen auszugeben.

Die Hoch-Zeit des Sloane Ranger ist vorbei – auch wenn die Jugend eine neue Lust auf Elite entwickelt – nicht nur in Großbritannien. Ob ein Lebensstil, der vor allem auf dem Vermögen der Vorfahren aufgebaut ist, heute noch zeitgemäß ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Was sich aber auf alle Fälle lohnt, ist ein Blick in die Kleiderschränke der Sloanies: Handgefertigte, zeitlose Kleidungsstücke aus Cord, Leder oder Tweed sind modische Instanzen.

Sloane Ranger: Der britische Prepster

Sloane Ranger: Der britische Prepster

Sloane Ranger lieben wie Prepster die Natur, Tiere und die sportliche Betätigung – die Kleidung muss deshalb auch immer praktisch sein//Beliebte Marken sind natürlich die britischen Traditionsunternehmen und Hofaustatter wie Burberry und Barbour/Bild-Credits: The British Shop

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9 Kommentare
  • Nadja sagt:

    Liebe Sophie!
    Ein wundervoller Artikel über ein Thema mit dem ich mich auch seit kurzem auseinander setzte. Ich persönlich mag den Stil sehr und gerade in einer Zeit in der Alles schneller und technikbasierter ist, finde ich es schön sich auf Traditionen und Werte zu besinnen und dies mit dem Sloane Ranger-Look auszudrücken. Vor allem mit Herzogin Kate ist der Look wieder aktueller denn je.

    Alles Liebe
    Nadja

  • Mariam sagt:

    Danke für diesen wunderschönen, inspirierenden Post!

  • Hanseatin sagt:

    Toller Artikel. Danke – auch für die schönen Fotos. Kleine Anmerkung noch: ich habe das „neue“ Sloane Ranger Handbook und es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Herzogin Kate gerade kein „Sloane Ranger“ ist und es auch niemals sein wird… ;-)

  • Liebe Damen,

    Schöner Artikel!

    Mit dem Thema „Sloane Ranger“ habe ich mich auch vor einiger Zeit beschäftigt.
    Hier könnt ihr nachlesen: http://www.countessclaire.com/sloane-ranger/.

    Ihr findet auch die Stylingregeln für den Sloane Ranger und eine Rezension des Buchs „Cooler Faster More Expensive: The Return of the Sloane Ranger“.

    Liebe Grüße,
    Claire

  • Dani sagt:

    Liebe Hanseatin,

    das finde ich interessant – wird auch erklärt warum?

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Hanseatin sagt:

    kurz & sinngemäß:

    Kate entstammt einer „neureichen“ Familie – also kein sog. „altes Geld“ (rich, aristocratic, old money family ). Nur die „richtigen“ Klamotten tragen und auf dem Marlborough College gewesen zu sein (usw.) – reicht dann eben doch nicht aus, um being a Sloaney … ;-)

    Herzliche Grüße aus dem Norden

    P.S. … wobei dieses „Sloaney-Handbook“ einen genauso satirischen Unterton pflegt wie das „The Official Preppy Handbook“

  • Stil-Box sagt:

    Die Kleidung sagt uns, wer wir sind oder gerne sein wollen…

    Nun denn – Tweet und Wachsjacken trage ich auch gerne, weil praktisch zum Gassigehen mit dem Hund…

    Liebe Grüße
    Anna

    http://stil-box.net/

  • Mercedes sagt:

    Ein wirklich toller Artikel! Ich finde es toll, das man in letzter Zeit mehr zum Thema Sloane Ranger hört :-) das etwas ländlichere und traditionellere spricht zwar nicht jeden an, aber ich finde es urgemütlich. Vielleicht kann man ja in Zukunft etwas mehr zu dem Thema hören- mit Kleidungstipps oder -marken, Büchern…, ich würde mich freuen!

    Ganz liebe Grüße
    Mercedes

  • Antonia sagt:

    Ich mag die Elemente dieses Stil sehr gerne, ohne ihn wirklich gekannt zu haben. Besonders schön finde ich es, dass du ausgerechnet ein Foto eines Airedales für den Artikel gewählt hast. Da fühle ich mich mit meinem gelockten Begleiter an meiner Seite gleich wie ein richtiger Sloane Ranger ;).

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