Schuhputzseminar: Schuheputzen als Philosophie

Ja, es sieht eher nach einem Männerthema aus. Und beim Schuhputzseminar bei den Maßschneidern Kleegräfe & Strothmann war das männliche Geschlecht in der Tat in der Überzahl. Allerdings gilt für Männer und Frauen gleichermaßen: Wer Wert auf Kleidung und einen stilvollen Auftritt legt, zerstört den guten ersten Eindruck mit schlecht gepflegten Schuhen. Außerdem kann – wie Christoph Renner von der Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker beim Seminar zeigte – Schuheputzen eine echte Philosophie sein. Auch für Frauen. von Sybille

Einmal davon abgesehen, dass Schuheputzen zu einer Art meditativem Ritual werden kann, ersetzt die richtige Pflege so manchen teuren Schuhkauf. Ich war bei einem Schuhputzseminar bei Kleegräfe & Strothmann in Gütersloh dabei und habe die wichtigsten Erkenntnisse für Euch zusammengefasst. Für Christoph Renner fängt das Putzen übrigens mit der richtigen Bürste an: „Nur eine gute Bürste sorgt für ein gutes Putzresultat.“ Auch die Schuhcreme sollte von guter Qualität sein. Und dann kann es auch schon losgehen mit dem Putzritual.

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Vor dem Auftragen der Schuhcreme, muss der grobe Schmutz mit der Rosshaarbürste von den Schuhen entfernt werden.

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Die Schuhcreme kann mit einer kleinen Bürste, einem Baumwolltuch oder den Fingern aufgetragen werden. Danach wird mit feineren Bürsten nachpoliert, z.B. aus Ziegenhaar.

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Besonders glänzende Resultate werden mit der Wasserpolitur erzielt. Dazu müssen erst die Schnürbänder entnommen werden und der Staub mit einem Tuch entfernt werden. Für die Wasserpolitur wickelt man einen Lappen um zwei Finger, nimmt Schuhcreme auf und dippt den Lappen in Wasser. Das Leder wird dann mit kleinen kreisenden Bewegungen poliert. Der Vorgang soll 10 bis 15 Minuten wiederholt werden, wobei der Cremeanteil immer kleiner wird. Das Ergebnis überzeugte auch die Teilnehmer des Seminars, die zum Teil sogar der Meinung sind, dass die Schuhe noch nicht einmal beim Kauf so gut ausgesehen haben.

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Mit einem Shoebone können Schadstellen an Lederschuhen beseitigt werden.

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Kleine Geheimtipps von Christoph Renner: Ein sehr dreckiger Schuh kann auch gewaschen werden. Dazu sollte man lauwarmes Wasser und spezielle Lederseifen nutzen. Vor dem Waschen sollten die Schnürsenkel entfernt und beim Händewaschen ganz einfach mitgereinigt werden. Im übrigen vertragen Segelschuhe, Sportschuhe und Mokassins auch einen Waschgang in der Maschine. Und für das Polieren von Schuhen benötigt man nicht unbedingt eine spezielle Bürste, es tut auch ein ausrangierter Feinstrumpf.

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Und noch etwas Grundsätzliches zu den Pflegeutensilien. Die Schuhcreme oder Pomade wird im ersten Putzgang aufgetragen. Sie enthält spezielle weiche Wachse und Paraffine, die das Leder geschmeidig halten – sozusagen die „Tiefenpflege“ für den Schuh. Diese sogenannte „Tiegelware“ auf Wasserbasis dringt in tiefere Lederschichten ein. Die stärkere Pigmentierung sorgt für eine frische Farbe auf dem Schuh. Das Palmenwachs versiegelt anschließend im zweiten Arbeitsgang die Lederoberfläche. Diese sogenannte „Dosenware“ auf Lösemittelbasis schützt die Lederoberfläche vor Wasserflecken und gibt einen satten Glanz.

Fotos: Buse-Niemann-Fotografie

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7 Kommentare
  • Verena sagt:

    Liebe Sybille,

    vielen Dank für diesen äußerst informativen Artikel! Der Schuhputz ist ein Thema, das (leider) sehr unterschätzt wird. Gepflegte Schuhe tragen immerhin zu einem eleganten Gesamteindruck bei. Die Methode der Wasserpolitur kannte ich vorher noch nicht, werde sie aber demnächst einmal ausprobieren. Was mich noch interessieren würde: Welchen Lappen sollte man denn am besten verwenden? Im Text war von einem Baumwolltuch die Rede – spezielle (Baumwoll-)Schuhputzlappen habe ich bis jetzt leider noch nie im Handel gesichtet… Kann man dazu ein altes Geschirrtuch verwenden (so habe ich es bis jetzt immer gehandhabt), oder ist das zu grob?

    Liebe Grüße
    Verena

  • Kathrin sagt:

    Diese Schuhputzlappen bekommt man in einem Schuhputzset. Mein Mann hat eines von Ed Meier(gibt es aber nicht mehr zu kaufen) und ist schwer glücklich damit. Aus einem unerfindlichen Grund lässt er seinem Glück bei MEINEN Schuhen allerdings keinen freien Lauf.

  • Sonnenstrahl sagt:

    Ein informativer Artikel – auch für uns Ladys. Leider erlebe ich in meinem Umfeld immer wieder auch in Bezug Schuhe die Generation Wegwerf-Gesellschaft. Ich habe schon das Gefühl, meine Schuhe zu wenig zu pflegen. Aber als ein Kollege mich irritiert und begeistert anguckte, als ich erzählte, dass ich nach jeder Saison die entsprechenden Schuhe gründlich reinige, einfetten und dann gut wegpacke bzw. vor Beginn der Saison alle neu imprägniere, war ich doch ob seiner Erkenntnis „das wäre echt toll, so würden Schuhe wohl auch viel länger halten, aber ihm wäre das zu aufwendig“ sehr erstaunt.
    Mir ist es die Zeit wert, hat man doch viel mehr und vor allem länger Freude an seinen Schuhe. Hochwertige Schuhe trage ich so oft über Jahre und auch viel. Ein Hoch an dieser Stelle aber auch an meinen Schuster, der sie immer wieder mit Liebe wieder in Form bringt.

  • Sybille sagt:

    Danke für Eure Kommentare. Sonnenstrahl – diese Einstellung habe ich auch schon häufig erlebt. Toll, dass Du Deine Schuhe so gut pflegst. A propos Pflege: Für das Auftragen ist es wichtig, dass der Lappen eine einigermaßen weiche Oberfläche hat, dass können auch alte T-Shirts oder andere Baumwollstoffreste sein. Ein Poliertuch oder eine Polierbürste von guter Qualität sind allerdings wichtiger.

    Lieben Gruß
    Sybille

  • Karina L. sagt:

    Liebe Sonnenschein

    Schuhe >>einfetten<< ist wirklich ganz grober Unfug. Gegerbtes Leder, insb. hochwertige Leder brauchen kein Fett. Lederfett macht hochwertige Schuhe einfach kaputt. Einen Ludwig Reiter einfetten – niemals.
    Eingefettete Schuhe ziehen Staub und Dreck förmlich an, man bekommt nie wieder Glanz auf die Oberfläche und irgendwann drückt es das Fett bis in den Innenschuh und anschliessend lösen sich die Klebestellen samt Schuh einfach auf. Lederfett ist für alte harte Bergschuhe und sonst für nichts. Imprägnieren ist eine ähnlich unsinnige Angelegenheit, insb. bei Glattleder. Leder muss atmen, deine Füsse sondern pro Tag ordentliche Mengen Flüssigkeit in den Schuh ab. Warum muss das dann abgedichtet werden? Der Schweiss muss wieder raus, sonst nützt alles Pflegen nichts, denn das Innenleder wird sauer, härtet aus und löst sich auf. Der ph-Wert sollte schon stimmen.

    Schuhe werden mit Schuhcreme oder Schuhwachs in der entsprechenden Farbe gepflegt. Ein gewöhnlicher Baumwolllappen oder alte Socken, Creme oder Wachs und am Schluss mit einer Rosshaarbürste polieren. Mehr braucht es nicht. Ich pflege so meine bis zu 20 Jahre alten Rahmengenähten Schuhe, welche teils mit zweiter oder gar dritter Sohle aussehen als wären sie neu vom Schuhmacher, nicht vom Schuster. In Form bleiben Schuhe mit einem Holzschuhspanner, der Schuhmacher macht entsprechende Reparaturarbeiten. Die Definition bei hochwertigen Damenschuhen ist sehr relativ. Es gibt ausser Heschung und Reiter nahezu keine hochwertigen Konfektionsschuhe mehr aus Mitteleuropa. Neben denen und ein paar spanischen Rahmennähern und den derben Budapestern aus Ungarn sieht es für Damen doch recht dunkel aus bei handwerklich hochwertig gefertigten Schuhen.

  • Dani sagt:

    Liebe Karina,

    kennst Du Shoepassion? Die stellen inzwischen auch Damenschuhe her.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Karina L. sagt:

    Lassen herstellen trifft es eher, nehme an Italien. Nein, Shoepassion habe ich noch nicht, es käme auf einen Versuch an. Zumindest die Sohle stimmt schon mal und der erste optische Eindruck ist vielversprechend. Irgendwann ist ein Sättigungsgrad erreicht bei dem man nicht mehr viel probiert, da man weiß was passt.

    War zufällig in Würzburg und wie es der Zufall will finde ich das Geschäft von Thorsten Schmitt. Erstklassige Beratung und passende Winterschuhe gab es auch noch. Auch er lässt seine Eigenmarke fertigen, hochwertige Verarbeitung und klassisches Design, fachlich hochstehende Beratung. Schön das es solche Menschen wie ihn noch gibt, die sich mit Herzblut ihrem Beruf widmen und erstklassige Ware an den Kunden bringen.

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