Royal Warrants: Die königlichen Modemacher

Die feine englische Art spiegelt sich in einer ganz bestimmten Mode wieder, unangestrengt und zeitlos im klassischen Country-Stil. Die Elemente sind edle Pullover und Cardigans, schlichte Blusen oder Shirts, sportliche Hosen und Röcke, klassische Schuhe und natürlich regenabweisende Jacken – dem launischen Wetter auf der Insel entsprechend. Das Alles ist aus hochwertigen Materialien hergestellt: An vorderster Stelle stehen natürlich Tweed, schottische Schurwolle, (gewachste) Baumwolle oder Leder. Viele dieser typisch britischen Kleidungsstücke werden von Traditionsunternehmen hergestellt, deren Qualität auch die königliche Familie zu schätzen weiß und sie deshalb als Hoflieferanten auszeichnet. von Sybille

Aquascutum London
Das Label Aquascutum wurde 1851 in London gegründet und hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Zunächst wurden wasserdichte Regenmäntel produziert, dazu kam im Laufe der Jahre ein sehr hochpreisiges Damen- und Herrenbekleidungssortiment sowie Kinderbekleidung. Bereits Ende des 19. Jh. orderte der damalige Prince of Wales und spätere König Eduard VII. Aquascutum-Mäntel und ernannte die Firma 1897 zum offiziellen Lieferanten der britischen Königsfamilie. Aquascutum-Kleidung wurde in der Folge zum Inbegriff eleganter Freizeit- und Sportkleidung für die britische Oberschicht. Ab 1987 machte Margaret Thatcher Aquascutum zu ihrem offiziellen Ausstatter, auch Sean Connery und Sophia Loren waren prominente Aquascutum-Fans. Im Jahr 2011 feierte Aquascutum sein 160-jähriges Bestehen, ein Jahr später meldete es Insolvenz an. Aquascutum wurde an die chinesische YGM Trading verkauft, die auch die Marken J Lindeberg und Guy Laroche besitzt. Trotz hochwertiger Qualität hat es das Unternehmen bislang nicht geschafft, sich als „coole Traditionsmarke“ zu etablieren.

Barbour
Wachsjacken von Barbour verkörpern für viele den typischen englischen Countrylook und gehören auch zu unseren liebsten Kleidungsstücken. Das Unternehmen wurde 1894 im britischen South Shields gegründet. Hier produzierte der Firmengründer John Barbour Ölzeug für Seeleute, Fischer und Hafenarbeiter. In den beiden Weltkriegen war Barbour Ausstatter von Armee- und Marinesoldaten. Heute liefert das Traditionsunternehmen nicht mehr nur funktionelle und optisch eher zurückhaltende Mode  – wie etwa den moosgrünen Wachsjacken-Klassiker „Beaufort“ – sondern auch regenfeste Modelle im Bikerlook, figurbetonte Steppjacken, Dufflecoats, Pullover, Socken und Accessoires. Die Wachsjacken werden übrigens nach wie vor in England gefertigt und Barbour bietet, wie viele britische Hersteller, einen Änderungs-, Aufarbeitungs- und Reparaturdienst. In Deutschland gibt es Barbour u.a. im The British-Shop.

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„Wax Force Utility“ und „Clara Quilt“ aus der Sommerkollektion 2014/Fotos-Credit: Barbour

Burberry
Das britische Unternehmen Burberry wurde 1856 als Textilgeschäft von Thomas Burberry in Basingstoke, New Hampshire, eröffnet. Der Kaufmann erfand Gabardine, eine robuste, wasserdichte und atmungsaktive Baumwollware, bei der das Garn vor dem Weben imprägniert wird. Zum Einsatz bracht er den Stoff u.a. beim Burberry-Trenchcoat. Dieser war im Ersten Weltkrieg besonders bei britischen Offizieren beliebt und brachte Burberry ganz groß raus. Seit 1955 ist das Unternehmen Hoflieferant von Queen Elizabeth, seit 1989 auch von Prinz Charles. Der berühmte Burberry Check (später Nova Check, Mega Check und House Check) wurde Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal als Futterstoff verwendet. In den 90ern zierte das Karomuster die Modekollektionen allerdings übermäßig und ließ den Marktwert der Marke sinken. Das änderte sich, als der britische Designer Christopher Bailey in das Unternehmen eintrat. Er machte Burberry mit modernen Interpretationen der Kassiker und dem geschickten Einsatz von Prominenten als Testimonials zur begehrenswerten Marke.

DAKS
Das traditionelle Modehaus DAKS, „DAd’s SlacKS“ (Papas Hosen), wurde 1894 vom Herrenschneider Simeon Simpson in der Londoner City gegründet. Der Durchbruch gelang 40 Jahre später seinem Sohn Alexander: Er erfand die verstellbare Bundweite, durch die Hosen erstmals ohne Hosenträger und Gürtel getragen werden konnten. Noch heute spricht man in Großbritannien vom Daks Hosenbund. Bekannt war und ist das Unternehmen jedoch auch für seine qualitativ hochwertige Kollektionsmode und Schneiderkunst. Zu den Kennzeichen von DAKS gehört das 1976 eingeführte Hauskaro in Braun und Weinrot auf hellem Grund, das z.T. noch als Futterstoff für Trenchcoats, aber auch als Stoff für Hosen oder Kragen dient. Das Unternehmen wurde dreimal mit dem Royal Warrant ausgezeichnet. Seit 2005 ist Filippo Scuffi der Creative Director bei DAKS. Er arbeitete zuvor u.a. für Donna Karan und Michael Kors und leitete die Rückkehr von DAKS auf die Catwalks ein. DAKS erhaltet Ihr u.a. im The British-Shop.

DAKS

Das typisch britische Sakko in sommerlicher Seiden-Leinenmischung und der Rock sind im markanten DAKS House-Check gehalten/Bild-Credit: The British Shop

Hunter
Was wäre das englische Landleben ohne Barbour-Jacke, schottische Lambswoolpullover und natürlich – Hunter-Boots! Mittlerweile sind die Gummistiefel Kultobjekte, die auf Festivals und sogar in der Stadt getragen werden. Die Erfolgsgeschichte begann mit der schottischen Hunter Boot Ltd., die neben anderen Dingen auch Gummistiefel fertigte. Das bekannteste Produkt des Unternehmens, der Green Wellington „Welly“ Boot, entwickelte sich unter schottischen und englischen Jägern zu einem modischen Must-have. Daneben versorgt Hunter als britischer Hoflieferant die gesamte königliche Familie mit wetterfesten Stiefeln. Traditionell werden die Gummistiefel aus Naturkautschuk von Hand gefertigt. Aus verschiedenen einzelnen Teilen, die aus einer Gummiplatte ausgestanzt werden, werden sie um eine Form herum gefertigt. Nach dem Zusammenkleben wird der rohe Stiefel in einen Vakuum-Ofen gegeben. Dort fließen die Klebeflächen ineinander und werden unzertrennlich miteinander verbunden.

MUSTO
Zu den jüngeren Unternehmen, die als Hoflieferanten ausgezeichnet wurden, gehört der britische Bekleidungshersteller MUSTO. Unternehmensgründer ist der 1936 geborene Keith Musto, der bei den Olympischen Spielen 1964 selbst die Silbermedaille in der Disziplin Segeln gewann. Er produzierte zusammen mit seinem Partner Hyde zunächst Segel, bevor er seine Produktlinie ab 1971 auf Seglerbekleidung umstellte. Das weltweit tätige Unternehmen unterstützt viele Segelteams, dementsprechend sind modernste High-Tech-Materialien das Markenzeichen von Musto. Neben der Profibekleidung bietet Musto jedoch auch eine Vielzahl an Jacken, Hosen, Shirts und Accessoires an, die nicht nur als Sportbekleidung taugen.

Pringle of Scotland
Pringle ist vor allem durch seine Twinsets populär geworden. Bekannteste Kundin ist Queen Elizabeth, die das Unternehmen 1956 zum Hoflieferanten ernannte und bis heute jährlich zahlreiche Pringle-Twinsets bestellt. Nach der Gründung 1815 wurden zunächst Strümpfe und Wollunterkleidung produziert, später kamen komplette Kollektionen für Damen-, Herren- und auch Golfbekleidung, sowie Accessoires und Lederwaren im oberen Preissegment dazu. Markenzeichen des Unternehmens sind ein geschütztes Argyle-Muster und ein stilisierter Löwe, der eine Zeit lang auch häufig die Pullover des Labels schmückte. Allerdings schützte auch die Auszeichnung als Hoflieferant Pringle nicht vor finanziellen Verlusten und dem Kauf durch eine chinesische Unternehmensgruppe im Jahr 2000. Die britische Geschäftsfrau Kim Winser verwandelte Pringle von einer hochpreisigen, aber etwas angestaubten und altmodischen Golfmarke in einen internationalen Luxuswaren-Konzern; das klassische Argyle-Muster wurde vom Design-Team allerdings inzwischen weitestgehend aus den Kollektionen eliminiert.

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Das typisch englische Argyle-Strickmuster – modern interpretiert vom englischen Hoflieferanten Pringle/Foto-Credit: Pringle of Scotland

Hier geht’s zum ersten Teil der Serie: Die königlichen Maßschneider

Foto-Credits oben: Aquascutum London/Burberry/Hunter

4 Kommentare
  • Stil-Box sagt:

    Liebe Sybille,

    eine sehr schöne Zusammenfassung! Mir persönlich gefällt die britische Mode fast noch besser als die französische. Sie ist oftmals einfach alltagstauglicher und wird daher auch öfters benötigt (Barbourjacke, Boots etc.).

    Herzliche Grüße
    Anna

    http://stil-box.net/

  • Brockdorff sagt:

    In der westfälischen Hauptstadt Münster müsste es sogar einen Barbour -,, Store“ geben..

  • Brockdorff sagt:

    Die Musto-Segelklamotten sind erstklassig. Das die Hoflieferant sind, hätte ich nicht gedacht…Wobei die Segelei natürlich auch ein royaler Sport ist..

  • Hanseatin sagt:

    Den Barbour Flagship-Store in Münster kennt sogar Helen Barbour… ;-)

    (vgl. dazu Süddeutsche.de v. 1. Juni 2013: Helen Barbour: „Ich habe mir sagen lassen, dass die Jacke besonders beliebt bei BWL- und Jura-Studenten ist, die älter wirken wollen, als sie sind. Nicht umsonst haben wir außer in Berlin auch einen Flagship-Store in Münster. Dort gibt es viele Studenten und noch mehr Radfahrer.“)

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