Ostfriesische Teezeremonie: So gelingt Euer Ostfriesentee!

Wer glaubt, nur die Briten können einen Schwarztee zelebrieren, der irrt! Denn auch die Ostfriesen haben ihre Tee-Zeremonie perfektioniert. Nach unserer wundervollen Ostfriesland-Reise und ausgiebigem Teegenuss widme ich mich heute der ostfriesischen Tee-Zeremonie, die sogar zum immateriellen Kulturerbe zählt. Habt Ihr gewusst, was zu einer typischen ostfriesischen „Teetied“ gehört und welche Regeln bei der Zubereitung zu beachten sind? von Sabine

Ostfriesische Teezeremonie: Eine fast 400-jährige Tradition

Wie Ihr wisst, liebe ich die britische Art und Weise der geselligen Zusammenkunft bei einem „Afternoon Tea“ oder einem „High Tea“. Hier auf dem Lady-Blog habe ich Euch ja schon wunderbare Tea-Time-Locations in Hamburg, London oder Schottland vorgestellt. Diesen Artikel widme ich jedoch der typischen ostfriesischen Tee-Zeremonie, weil ich der Ansicht bin, dieser sollte – mit ihrer nun bald 400-jährigen Tradition – viel mehr Beachtung geschenkt werden! Oder wisst Ihr, welche Bedeutung der Löffel beim Schwarztee trinken in Ostfriesland hat, was eigentlich Kluntje und was Wölkchen sind oder was es mit der „3er-Regel“ auf sich hat? Diese und viele weitere Fragen wurden uns im Teemuseum in Norden beantwortet und damit Ihr für eine Reise nach Ostfriesland gewappnet seid und Euch bei der ostfriesischen „Teetied“ nicht blamieren müsst, stelle ich Euch ein paar ostfriesische Teegrundlagen hier vor.

Ostfriesische Teezeremonie: So gelingt Euer Ostfriesentee!

Echte Ostfriesentees erhaltet Ihr in den Teehäusern Thiele, Bünting und Onno Behrends

Ostfriesisches Teemuseum
Am Markt 36
26506 Norden

Die Zubereitung von Ostfriesentee

1. Als Erstes wird Eure Teekanne aus Porzellan gut vorgewärmt. Dazu nehmt Ihr am besten etwas heißes Wasser und füllt dieses in die Teekanne. Anschließend entfernt Ihr das Wasser wieder und stellt die Teekanne auf ein Stövchen.

2. Kocht Wasser und füllt die Teekanne mit Ostfriesentee, am besten 4 Löffel auf 1 Liter Tee. Obacht: Nicht alle ostfriesischen Tees stammen aus Ostfriesland. Echte Ostfriesentees erhaltet Ihr bei den drei Teehäusern Bünting, Thiele und Onno Behrends. Der Ostfriesentee ist eine kräftige Teemischung, die aus bis zu zwanzig Schwarzteesorten besteht, vor allem aus Assamtee, aber auch Tee aus Sri Lanka, Afrika sowie Java-, Sumatra- und Darjeelingsorten.

3. Nachdem Ihr die Teeblätter mit sprudelndem, heißen Wasser bedeckt habt, benötigt der Aufguss etwa drei bis fünf Minuten Ziehzeit und wird dann anschließend mit heißem Wasser nachgefüllt. Übrigens: Ostfriesische Mischungen sind vor allem für kalkarmes Wasser – so wie es auch in Ostfriesland zu finden ist – geschaffen.

Ostfriesentee richtig einschenken und genießen

1. Als Erstes kommt der Kluntje – also der Kandiszucker – in die Tasse. Sollte er nach dem Trinken noch in der Tasse sein, weil er sich noch nicht aufgelöst hat, so könnt Ihr ihn auch für die nächste Runde Tee verwenden.

2. Im nächsten Schritt wird Eure Tasse bis zur Hälfte mit Tee gefüllt. Der Kluntje fängt dabei an zu knistern und man bekommt schnell das herrliche Gefühl, man sitze an einem Kamin.

3. Nun wird die Sahne für das obligatorische „Wölkchen“ in die Tasse gegeben – aber Achtung: immer langsam und entgegen dem Uhrzeiger. Und bitte auf keinen Fall umrühren!

4. Der Tee wird in drei Schlucken getrunken (die sogenannte 3er-Regel): Mit dem ersten Schluck schmeckt man die Milde der Sahne, mit dem nächsten den herben Tee selbst. Im letzten Schluck dominiert dann die Süße des Zuckers.“ Und erst nach der zweiten Tasse Tee greift man dann zum angebotenen Gebäck.

5. Der Löffel ist nur dazu da dem Gastgeber zu signalisieren „Ich möchte keinen Tee mehr“: Stellt ihn in die Tasse.

Ostfriesische Tee-Zeremonie

Im Durchschnitt trinkt der Ostfriese rund 300 Liter Tee im Jahr – damit haben die Ostfriesen den weltweit größten Teeverbrauch pro Kopf (und nicht die Engländer wie man vermuten könnte)

So gelingt Euer Ostfriesentee!

Bei der Ostfriesischen Teezeremonie gilt es einige Regeln zu beachten, die 2016 sogar in das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden

Ostfriesen-Cafétipp 1: Teestube Kluntje

Wer die Teestube Kluntje in Aurich betritt, der fühlt sich wie zuhause bei den Großeltern. Wir haben es uns auf einem der Sofas gemütlich gemacht. Das Café befindet sich direkt an der Auricher Stiftsmühle und lädt auf jeden Fall nach einer Besichtigung dieser zu einem richtigen Ostfriesentee ein. Schaut aber unbedingt vorab auf die Öffnungszeiten, damit Ihr nicht vor verschlossenen Türen steht. Die Wirtin hat uns verraten, dass sie die Teemischung für ihren angebotenen Ostfriesentee immer selber nach einem geheimen Rezept anmischen lässt. Wir fanden ihn wirklich spitze.

Ostfriesland Cafétipp: Teestube Kluntje

Teestube Kluntje
Oldersumer Str. 28
26603 Aurich

Ostfriesen-Cafétipp 2: Teestübchen Dat Huuske

Beim Bummeln durch Greetsiel sind wir am Hafen auf die kleine Teestube Dat Huuske gestoßen. Zwar ist sie nicht besonders groß und auch mehr ein Teeladen als ein Café, aber wir haben uns dennoch sehr wohlgefühlt. Die Portion unserer Trümmertorte war riesig, auch wenn manche Stimmen etwas anderes behaupten mögen. Wir haben zudem einen ganz wundervollen Ostfriesentee bekommen und ihn sehr genossen – wir kommen wieder!

Ostfriesland Cafétipp: Teestübchen Dat Huuske

Teestübchen Dat Huuske
Sielstraße 7
26736 Krummhörn

Ostfriesen-Cafétipp 3: Schoffs Mühlencafé

Das traditionelle Schoffs Mühlencafé wird von der Familie Kruse in einer der Greetsieler Zwillingsmühle geführt, die man schon von weitem sieht, wenn man sich Greetsiel nähert.  Sie werden „Zwillingsmühlen“ genannt, da beide im gleichen Typ erbaut wurden (zweistöckige Galerieholländer). Im Mühlencafé wird die typische ostfriesische Teekultur groß geschrieben. Außerdem gibt es hier die berühmten ostfriesischen Pfannkuchen aus selbstgemahlenem Vollkornmehl. An warmen Tagen könnt Ihr die Teezeit auf einer Terrasse mit Blick auf’s Greetsieler Sieltief einnehmen.

Ostfriesland Cafétipp: Schoffs Mühlencafé

Schoof’s Mühlencafe
Mühlenstraße 2
26736 Krummhörn

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8 Kommentare
  • Dani sagt:

    Liebe Sabine,

    herzlichen Dank für diesen spannenden Beitrag – ich trinke auch gerade einen Friesentee. Ein paar Fragen hätte ich noch:

    – Mögen die Ostfriesen auch Milch oder Zitrone im Tee? Oder nur Sahne? Und wie viel davon?

    – Was essen die Ostfriesen denn am liebsten zum Tee? Gibt es für den Tee eine bestimmte Uhrzeit oder wird einfach über den ganzen Tag verteilt getrunken?

    – Was bedeutet das genau: „Nachdem Ihr die Teeblätter mit sprudelndem, heißen Wasser bedeckt habt, benötigt der Aufguss etwa drei bis fünf Minuten Ziehzeit und wird dann anschließend mit heißem Wasser nachgefüllt.“ Also wird am Anfang nur der Boden der Kanne mit Wasser bedeckt? Verwenden die Friesen kein Teesieb?

    – Was bedeutet das genau: „Der Tee wird in drei Schlucken getrunken.“ Man trinkt also immer drei Schlucke und setzt dann die Tasse ab?

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Sabine sagt:

    Liebe Dani,

    vielen lieben Dank. Für uns war unsere Ostfrieslandreise sehr aufregend und kulinarisch durch die ganzen Ostfriesentees, die wir probieren durften.
    Der Ostfriesentee wird in drei Schlucken getrunken, damit das Geschmackserlebnis noch besser durch kommt. Der Ostfriese sagt auch: „ Mit dem ersten Schluck schmeckt man die Milde der Sahne, mit dem nächsten den herben Tee selbst. Im letzten Schluck dominiert dann die Süße des Zuckers.“
    Der Ostfriesentee wird mit Sahne getrunken und nicht mit Milch oder Zitrone.
    Liebe Grüße Sabine

  • Ani sagt:

    Hallo Dani,

    die noch fehlenden Antworten kann ich dir geben, das ist sozusagen mein Fachgebiet.
    Teetied ist nachmittags, so gegen vier oder fünf.
    Die Teeblätter werden lose in die Kanne gegeben. Man macht die Kanne zunächst nicht ganz voll, um nach 3 Minuten den Aufguss zu machen. Häufig gibt es dieses kleine Einstecksieb (das siehst du auch auf dem einen Foto), das beim Einschenken verhindert, dass Teeblätter in die Tasse gelangen.
    Zitrone kommt niemals in einen echten ostfriesischen Tee.
    Als Gebäck passen zum Beispiel Leidenschaften (Art Schweinsohren) oder Butterkuchen.
    Und nicht zu viel Tee trinken, das macht nämlich eine „Schlappe Nase“.

    Liebe Grüße

  • Julia sagt:

    … und für alle, die kein kalkarmes Wasser haben (so wie wir, Friesen im „Exil“ im Alten Land): das Leitungswasser unbedingt filtern! Stark kalkhaltiges Wasser verändert den Geschmack entscheidend.

    Danke für diesen herrlichen Beitrag!

  • Dani sagt:

    Liebe Sabine, liebe Ani und Julia,

    herzlichen Dank für die Aufklärung – jetzt würde ich am liebsten sofort nach Ostfriesland düsen und Tee trinken!

    Herzliche Grüße
    Dani

    PS: Gerade gefunden:

    Das Teegedicht

    För Ostfreesen:

    Bevör man sick de Tee gütt in,
    deit man de Kluntje ünnen drin,
    so dat dat knackert un knistert
    giv got acht!

    Un denn mit de Rohmläppel ganz sacht,
    lett man de Rohm
    in de Tee verschwinnen,
    so dat dat givt
    een Wulkenbildung dor ünnen
    un up de Tee förwor,
    drift een Blöm ganz wunnerbor.

    De erste Schlucken wor’t nu drunken
    ahnt to röhren,
    dormit man sien Tee
    kann richtig probeer’n.
    So drink’ man Tee na Freesenort,
    dann häst ok Lebensgeist un Mot.

    Is nu de Tee utgaten,
    un Teepoot de is leeg,
    denn pust dat Füer in Stöfke ut,
    anners knalt de Pott in Deele.

    Für Binnenländer:

    Bevor man sich den Tee einschenkt,
    kommt der Kandis in die Tasse,
    so dass es knackt und knistert,
    wenn der heiße Tee daraufgegossen wird.

    Mit dem Sahnelöffel lässt man
    ganz vorsichtig die Sahne
    im Tee verschwinden,
    so dass es dort unten
    eine Wolkenbildung gibt auf dem
    eine wunderbare Blume treibt.

    Der erste Schluck wird ohne umzurühren getrunken,
    damit das Aroma des Tees probiert werden kann.
    So trinkt man Tee nach Friesenart,
    das gibt Lebensgeist und Mut.

    Ist der Tee jetzt ausgeschenkt
    und die Kanne leer.
    Dann puste das Feuer im Stövchen aus,
    denn sonst zerspringt der Topf in Scherben.

    (Claudius Wachtendorf)

  • Tomma sagt:

    Haha, ich bin Ostfriesin und rühre den Tee immer um, weil ich die Haut nicht mag, die die Sahne bildet.

  • Amalia sagt:

    Was für ein schöner Beitrag! Dazu gibt es tatsächlich recht viel zu sagen. Zum Beispiel, dass man wirklich unter keinen Umständen eine leere Teekanne aufs Stövchen stellen darf, weil sonst der Boden einen kreisförmigen Sprung bekommt und nicht mehr dicht ist (im Unterschied zu manchen anderen Teekannen ist die originale Teekanne mit Ostfriesenrosenmuster ganz plan, liegt also ohne Abstand auf dem Stövchen auf – wenn es dann noch original aus Messing ist, dann knallt de Pott wegen der guten Wärmeleitung ganz schnell in Deele).
    Die Dreierregel bezieht sich vor allem darauf, dass es als unhöflich gilt, weniger als drei Tassen zu trinken. Erst nach der zweiten darf man übrigens das angebotene Gebäck nehmen. Wenn man Ostfriesentee nicht im Café, sondern auf dem alten Bauernhof trinkt, dann wird dazu auch manchmal einfach ein kräftiges Schwarzbrot mit Butter gereicht. Oder Bookwetenschubbers. Oder Krüllkoken!
    Ein Thema für sich sind auch die dunklen Geheimnisse im Inneren der Ostfriesenteekanne, die bei Uneingeweihten nicht selten für Irritationen sorgen – die (Exil-)FriesInnen hier wissen, was ich meine! ;-)
    Völlig begeisterte Grüße
    Amalia

  • Martje sagt:

    Liebe Sabine,
    das ist ein wunderbarer Beitrag über die ostfriesische „Teetied“. Neben dem Teegenuss ist sie vor allem eins, eine gemütliche Stunde mit der Familie, Freunden oder den Nachbarn. Alle kommen zu einer kleinen „Auszeit“ zusammen. Es wird vom Tag berichtet, gelacht und entspannt. Ein schönes Ritual! Für mich als Ostfriesin ist es sozusagen „Hygge“ in seiner reinsten Form.
    Dann sage ich „Prost Tee“ und viel Spass bei der nächsten Teetied.
    Beste Grüße
    Martje

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