Nicola Upson: Krimi-Reihe über die Krimi-Autorin Josephine Tey!
Dani

Sagt Euch der Name Josephine Tey etwas? Mir zunächst ehrlich gesagt nicht, bis ich mich daran erinnerte, dass ich im Buch „Mit Miss Marple auf’s Land“ schon einmal auf die Krimi-Autorin gestoßen bin. In der Tat gehört sie neben Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Margery Allingham zu den großen Queens of Crime. Ihre Bücher wie „Alibi für einen König“ sind mehrfach ausgezeichnet worden. Die Britin Nicola Upson setzt der Autorin jetzt ein Denkmal, in dem sie Tey selbst in Krimis ermitteln lässt und dabei immer wieder Bezug auf ihre Biografie und Bücher nimmt. Grandios!

Josephine Tey: Ikone der englischen Kriminal-Literatur

Josephine Tey (1896-1952), mit bürgerlichem Namen Elizabeth Mackintosh, wurde im schottischen Inverness geboren, und verbrachte dort auch – recht zurückgezogen – die größte Zeit ihres Lebens. Ihr Werk erstreckt sich von erfolgreichen Theaterstücken für das Londoner West End bis hin zu den Kriminalromanen, die sie zu einer der ganz Großen des sogenannten „Goldenen Zeitalters der Kriminalliteratur“ machten. Ihr unverwechselbarer Stil, ihre scharfsinnigen Plots und ihre Fähigkeit, subtile psychologische Nuancen in ihren Charakteren einzufangen, verleihen ihren Werken eine Tiefe, die über das gerne als „Cozy Krimi“ bezeichnete Genre hinausreicht. Besonders bemerkenswert ist „The Daughter of Time“ (Auf deutsch Alibi für einen König) von 1951, in dem Tey Inspector Alan Grant einführt, der im Krankenbett liegend historische Kriminalfälle aufklärt. Der Roman rund um Richard III. und den Mord im Tower, wurde von der englischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association zum besten Kriminalroman aller Zeiten gewählt. Momentan legt der Oktopus-Verlag die Bücher in einer zauberhaften Edition neu auf – wir haben sie auf der Frankfurter Buchmesse entdeckt und waren ganz begeistert von den nostalgischen Buch-Covern.

Josephine Tey Krimis

Neben Der Letzte Zug nach Schottland und „Alibi für einen König“ sind zuletzt auch Wie ein Hauch im Wind und Nur der Mond war Zeuge von Josephine Tey im Verlag Oktopus erschienen

Nice to know: Was ist eigentlich der Detection Club?

Typisch für Kriminalromane des „Goldenen Zeitalters“ war ein recht stringentes Festhalten an Regeln, wie sie Ronald Knox für den 1928 gegründeten „Detection Club“ zusammengefasst hatte. Die „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“ verlangen zum Beispiel, das der Verbrecher bereits zu Beginn der Geschichte Erwähnung finden muss, aber niemand sein darf, dessen Gedanken der Leser folgen kann. Dem Club gehörten Krimi-Autorinnen wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und G. K. Chesterton an. Josephine Tey empfand die Regeln als zu starr und interpretierte sie deutlich freier. Ihre Werke sind oftmals eher spannende Gesellschaftsromane und haben das Genre grundlegend verändert – weg vom klassischen Rätselraten hin zu figurenbasierter, psychologischer Literatur.

Nicola Upson: Krimibuch-Reihe über Josephine Tey

Josephine Teys literarisches Erbe inspirierte Generationen von Leserinnen und Autorinnen gleichermaßen – so auch die Britin Nicola Upson, die eine spannende Form der literarischen Intertextualität wählte. In Upsons fiktiven Büchern klären Josephine Tey und (vor allem) ihr Freund Detective Archie Penrose Morde auf, die Tey wiederum angeblich zu ihren Kriminalromanen inspirierten. Kommt Ihr noch mit? So geht es im ersten Teil der Reihe Experte in Sachen Mord um einen Todesfall am Theater: Tey fährt 1934 mit dem Zug nach London, um den Triumph ihres Theaterstücks „Richard of Bordeaux“ zu feiern – doch ihre Ankunft wird vom Mord an einer Mitreisenden überschattet. Nicola Upson kombiniert geschickt tatsächliche biografische Ereignisse aus dem Leben von Tey mit fiktiven Handlungssträngen. So schrieb Josephine Tey 1932 tatsächlich ein Theaterstück mit dem Namen Richard of Bordeaux, das ein großer Erfolg am Londoner West End wurde. Auch einige der Schauspielerinnen erinnern an reale Personen, so dürfte das Vorbild von Hauptdarsteller Johnny in der Tat Sir Arthur John Gielgud gewesen sein, der als einer der herausragendsten englischen Theaterdarsteller des 20. Jahrhunderts gilt und durch seine Verkörperung des Richard II. berühmt wurde.

Nicola Upson: Experte in Sachen Mord

Übrigens arbeitete die 1970 in Suffolk geborene Nicola Upson auch schon als Theaterkritikerin und Journalistin – Ihre Erfahrung im Theaterbereich spiegelt sich in einigen Romanen wider, die in der Welt des Theaters angesiedelt sind

Welche Bände gibt es von Nicola Upson?

„Experte in Sachen Mord“ erschien unter dem Titel „An Expert in Murder“ bereits 2008 in Großbritannien und ist – wie auch die folgenden Bände – überaus erfolgreich in UK. In England wird Nicola Upson gar mit Agatha Christie verglichen und für ihre Cozy Crimes gefeiert. Aktuell sind 11 Bände von ihr erschienen. In Deutschland werden sie seit Oktober vom Kein-&-Aber-Verlag herausgebracht. Allerdings leider nicht in der richtigen Reihenfolge. Neben Band 1 Experte in Sachen Mord könnt Ihr bereits Mit dem Schnee kommt der Tod (Band 9) und Dorf unter Verdacht (Band 10) erwerben. Im Mai 2024 kommen Wenn die Masken fallen (Band 2) und „Drehbuch des Todes“ (Band 11) auf den Markt.

Band 1: „An Expert in Murder“ (2008) – Experte in Sachen Mord (2023)
Band 2: „Angel with Two Faces“ (2009) – Wenn die Masken fallen (2024)
Band 3: „Two for Sorrow“ (2010)
Band 4: „Fear in the Sunlight“ (2012)
Band 5: „The Death of Lucy Kyte“ (2013)
Band 6: „London Rain“ (2015)
Band 7: „Nine Lessons“ (2017)
Band 8: „Sorry for the Dead“ (2018)
Band 9: „The Secrets of Winter/The Dead of Winter“ (2020) – Mit dem Schnee kommt der Tod (2023)
Band 10: Dear Little Corpses (2022) –  Dorf unter Verdacht (2023)
Band 11: Shot With Crimson (2023) – Drehbuch des Todes (2024)

Nicola Upson: Mit dem Schnee kommt der Tod

In dem Weihnachtskrimi „Mit dem Schnee kommt der Tod“ verbringen Josephine Tey und Detective Chief Inspector Archie Penrose das Weihnachtsfest in illustrer Runde auf der kleinen Insel St Michael’s Mount – Als diese jedoch durch einen Schneesturm vom Festland abgeschnitten wird und zwei Morde geschehen, scheint plötzlich jeder verdächtig…

Nicola Upson: Josephine Tey Krimi-Reihe

Sämtliche Romane von Nicola Upson beginnen mit etwas Realem aus dem Leben oder Werk Josephine Teys – „Insgesamt glaube ich (…), dass ihre Ausdrucksweise, Ansichten und Persönlichkeit, wie sie in den Büchern dargestellt sind, der Realität recht nahekommen.“ sagt Nicola Upson in einem Interview mit der Plattform Krimi-Couch; Und: „Ich denke, ich bin mehr am Rätsel interessiert als Tey es war – ich liebe diesen geistigen Wettstreit zwischen Lesenden und Schreibenden“

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