Stilvorbild: Cäcilie Bertha Benz

Ein Lady-Vorbild? Auf den ersten Blick gehört Bertha Benz vielleicht gar nicht in diese Rubrik. Sie hatte zwar einen wohlhabenden Vater und wurde 1849 in einen Haushalt geboren, in dem es an nichts fehlte. Aber als sie mit 23 Jahren Carl Benz, einen erfolglosen und kaufmännisch völlig untalentierten Maschinenbauingenieur heiratete, musste sie kleinere Brötchen backen. Dennoch: Sie war eine unerschrockene und durchsetzungsstarke Frau, die bedingungslos zu ihrem Mann hielt und zu den gemeinsamen Träumen. Ein Gastbeitrag von Bloggerin Carola

Die Straßen gehören den Pferden

Bertha Benz (geboren als Cäcilie Bertha Ringer) wurde in eine Zeit hineingeboren, in der Frauen heirateten und Kinder bekamen. Die meisten hatten keinen Beruf und keine Stimme, verhielten sich still und unsichtbar. Bertha hingegen hatte eine Stimme, eine laute zudem, mit der sie ihren Carl immer wieder bestärkte weiterzumachen, mit der sie ihm stets versicherte, dass sie an ihn glaubte. Carl war zwar ein genialer Ingenieur, zweifelte aber ständig an sich. Er war ein Zauderer, den die nicht enden wollenden Rückschläge fertig machten. Längst hatte er seinen Dreiradwagen als Patent angemeldet, doch die Behörden wollten ihm keine Fahrerlaubnis gegeben. Die Straßen gehören den Pferden, hieß es und der knatternde Wagen mache sie nur scheu. Die Menschen hatten Angst vor dem neuartigen pferdelosen Gefährt.

Eine Wahnsinnsfahrt nach Pforzheim

Bertha war es gewohnt, ihren Willen durchzusetzen. Mit Carl hatte sie den Mann geheiratet, den sie liebte, obwohl ihr Vater nicht sehr erfreut war. Dennoch brachte sie ihren alten Herrn dazu, ihr einen Teil des Erbes auszuzahlen, um Carls automobile Vorhaben zu finanzieren. Sie war die treibende Kraft und mit ihrer Wahnsinnsfahrt im Jahr 1888 nach Pforzheim wollte sie nichts anderes, als ihren Mann davon überzeugen, dass sein Motorwagen durchaus gesellschaftsfähig werden könnte. In aller Herrgottsfrühe setzte sie sich mit Eugen und Richard, ihren beiden 15- und 13-jährigen Söhnen, auf den Kutschbock und fuhr los. Ihre Schwester in Pforzheim hatte ein Kind bekommen, Grund genug für einen Besuch. Die Polizei bemerkte nicht, dass die Drei durch die Straßen knatterten und auch Carl schlief noch als sie das Haus verließen.

Bertha Benz - Eine starke Frau am Steuer des ersten Automobils

Bertha Benz – Eine starke Frau am Steuer des ersten Automobils
aus dem Jahr 2011 ist im Verlag Casimir Katz erschienen

„Glücklich in Pforzheim angekommen“

Der Motorwagen hatte 2,5 PS, fuhr Spitze 18 Stundenkilometer und war nie und nimmer auf eine derart lange Strecke ausgelegt: 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim mit einem neu entwickelten Motorwagen, dessen Jungfernfahrt nach zwei Kilometern an einer Hauswand geendet hatte. Aber das schreckte Bertha und ihre Jungs nicht ab. Die beiden waren heiß auf’s Autofahren und manch ein Historiker vermutet, dass Bertha die Söhne dann und wann ans Steuer gelassen hat. Widrigkeiten lösten sie auf zupackende Weise. Benzin kauften sie in der Apotheke, Kühlwasser holten sie aus dem Brunnen, ein defektes Kabel wurde durch ein Strumpfband ersetzt, die verstopfte Benzinzufuhr mit der Hutnadel gesäubert. Am Berg stiegen sie ab und schoben den Wagen, knöcheltief im Matsch versinkend.

Verschwitzt und ziemlich schmutzig rollten Berta und die Kinder am Abend über den Marktplatz von Pforzheim. „Glücklich in Pforzheim angekommen“ telegrafierte sie ihrem Mann nach Hause. Die Fernfahrt seiner Frau ermutigte Carl Benz weiterzumachen. Und kurze Zeit später stellte sich endlich auch der langersehnte Erfolge ein. Auf der Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung in München wurde Benz‘ Gefährt mit der „Großen Goldenen Medaille“ ausgezeichnet. Bis zum Jahr 1894 verkaufte er 25 Motorwagenseiner, 1899 hatte er bereits 430 Angestellte. Mit ihnen stellte Carl Benz vierrädrige Autos in Serie her.

Lady-Blog-Vorbild: Bertha Benz

Mutig, willensstark und prinzipientreu

39 Jahre alt war Bertha bei ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion. Und genauso muss meiner Ansicht nach eine Lady sein: Mutig, willensstark und ihren eigenen Prinzipien treu. Ob alles genauso stattgefunden hat, wie erzählt wird, weiß niemand so genau. Es gibt keine Fotos oder Dokumente darüber, keine Zeitungsartikel, keine Briefe, keine Beschwerden wegen scheuender Pferde. Erstaunlich, wo es doch für die damalige Zeit ein recht außergewöhnliches Ereignis gewesen sein muss. Wie auch immer, ohne Berthas Mut und Entschlossenheit hätte Carl vermutlich noch lange Zeit auf den Erfolg warten müssen. Chapeau, Bertha!

Bild: Bertha Benz ca. 1871-1872/Bühler, Mannheim/Automuseum Dr. Carl Benz, Ladenburg

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3 Kommentare
  • Bianca sagt:

    Bertha Benz war wirklich eine außergewöhnliche Frau und dazu noch eine echte Lady. Wie sie ihren Mann immer wieder ermutigt hat, ist unglaublich und für alle Ehefrauen ein Vorbild.
    Viele Grüße Bianca

  • Schwedenlady sagt:

    Ja, ich gebe Bianca Recht! Es heißt ja nicht umsonst „stand by your man“, das gilt natürlich auch umgekehrt.
    Eines meiner Ladyvorbilder ist Margarete Steiff http://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_Steiff
    Sie war mutig, gegen alle Wiederstände, der Besuch der Nähschule wurde von den Eltern anfangs verweigert, die Nähmaschine war eigentlich nicht auf ihre Bedürfnisse angepasst. Sie war erfindungsreich, erfannd die beweglichen Arme und Beine für Teddys. Sie hat zum Auskommen der Frauen in der Region beigetragen. Die beiden Frauen, Steiff und Benz, waren vom selben Ladygeist inspiriert und getragen.

  • Sandra Meier sagt:

    Frau Benz war eine echte Lady mit Stil und Klasse!

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