Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Hüte: Mehr Mut zum oben-mit-Look

Er macht aus jeder Frau eine Lady. Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gehörte er zum täglichen Outfit, war unentbehrlich für eine Dame, symbolisierte Wohlstand und sollte möglichst einzigartig sein: der Hut. Egal ob Regenhut, Jagdhut, Sommerhut, Reithut, Hochzeitshut oder Sonnenhut – der Mut zum oben-mit-Look wird belohnt, denn kaum ein anderes Accessoire kleidet Euch stilvoller.

Das Modisten-Handwerk

Obwohl der Beruf als Hutmacher ihr Traum war, sah sie nach der Ausbildung keine Perspektive und sattelte auf den Buchhandel um. Doch die Hüte ließen Susan Pieper nicht mehr los und so fing sie an, als freie Mitarbeiterin für einige Modistinnen in Hamburg zu arbeiten. Die richtige Entscheidung: „Ich habe anderthalb Jahre in London gearbeitet, bei dem königlichen Hutmacher Frederick Fox, und es war eine phantastische Zeit. Im Zuge dessen hatte ich die Möglichkeit zwei Hüte für die Queen zu machen“, erzählt sie begeistert. Nicht jeder hat so viel Glück. Heute gibt es bundesweit nur etwa 350 Hutläden, die meisten Modisten arbeiten beim Theater. Das war einmal anders.

Üppige Kronen um 1880

Ihren Höhepunkt erlebte die Hut-Mode Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Lady hätte sich in dieser Zeit niemals ohne Kopfbedeckung auf die Straße getraut. Hüte waren damals das, was heute Handtaschen sind. Sie mussten zu den Schuhen und den Handschuhen passen und deshalb möglichst in vielfältigen Ausführungen in Hutschachteln auf dem Kleiderschrank thronen. Und die Hut-Mode wandelte sich schnell. So trägt eine wohlbehütete Dame um 1880 noch einen Hut mit üppiger Krone. Diese besteht aus großen Schleifen, Blumen, hohen Federn, selbst ausgestopfte Vögel machen es sich in den „Nestern“ gemütlich.

Wagenrad-Hüte um die Jahrhundertwende

Um die Jahrhundertwende verschwinden die Kronen fast vollständig. Statt in die Höhe, gehen die Hüte nun in die Breite. Die Krempen werden immer größer, bis sie den Umfang eines Wagenrades erreichen. Verziert sind die Wagenrad-Hüte mit einer Pleureuse, einem Hutschmuck aus Straußenfedern. Das gibt dem Ganzen einen etwas verwegenen Ausdruck und macht aus der Trägerin eine geheimnisvolle Persönlichkeit. Auch deshalb gehören Hüte wohl untrennbar zur Filmgeschichte und Ikonen wie Zarah Leander und Marlene Dietrich.

Hochzeiten und Pferderennen

In den 20ern wird der Hut passend zu den Bubikopf-Frisuren wieder kleiner, spätestens in den 60er Jahren verliert er an Bedeutung. Für die junge Generation ist ein Hut das Symbol der konservativen Nachkriegszeit. Er behindert das auftoupierte Haar und lässt sich nicht mit den niedrigen Autodächern vereinbaren. Die Kopftücher und Strohhüte der Hippies machen der klassischen Hut-Mode entgültig ein Ende. Damit verliert auch das Hutmacherhandwerk an Bedeutung. Heute werden Hüte vor allem von großbürgerlichen und adligen Society-Ladies getragen. Doch auch bei festlichen Anlässen und Pferderennen gehört die Kopfbedeckung dazu.

London: Reservat für Hüte

Die populärste Hutparade ist das alljährliche Pferderennen in Ascot. Dort heißt es allerdings meistens: Nicht der stilvollste, sondern der auffälligste Kopfschmuck gewinnt die meiste Aufmerksamkeit. Überhaupt scheint England und insbesondere London ein Reservat zu sein, für die vom Aussterben bedrohte Kopfbedeckung. So kommt der aktuelle Trend zum Dandy-Hut von der Insel. London beherbergt die berühmte Hut-Institution Lock & Co, mit begnadeten Hutmachern wie Sylvia Fletcher. Doch auch Deutschland kann talentierte Modisten vorweisen. Eine von ihnen ist Susan Pieper. 2001 eröffnete sie ein kleines Hutgeschäft in Hamburg, dass Ihr auf jeden Fall bei Eurer nächsten Reise in die Hansestadt besuchen solltet.

 


2 Kommentare

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.