Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.

Maskulin wirkt die Hose, die ihren Namen trägt. Ihre Namensgeberin war jedoch alles andere als das. In den Goldenen Zwanzigern stach Marlene Dietrich unter all den Stars und Sternchen hervor. Jedoch nicht mit kurzem Kleidchen, nicht mit tiefen Ausschnitt, Glitzer und Boa, sondern mit einer schlichten weißen Bluse und einer dunklen Anzughose. Ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“ wirkte sie durch diese Kombination elegant, diskret und trotzdem aufregend.

Der Inbegriff deutscher Mode: Marlene Dietrich

Jüngst konnte man bei der Berliner Fashion-Week beobachten: Die Mode wird wieder maskuliner, schlichter, schnörkelloser. Sie bleibt dabei aber feminin, elegant und setzt den Fokus verstärkt auf Qualität und Passform. Diese Merkmale durchziehen die Geschichte der Deutschen Mode wie ein roter Faden. Und eine berühmte Deutsche, eine Schauspielerin und Sängerin verkörpert diese Eigenschaften und diesen Stil wie kaum jemand sonst: Marlene Dietrich, gebürtige Marie Magdalene Dietrich.

1901 in Schöneberg bei Berlin geboren, gelang ihr in den 1930er Jahren der Aufstieg zur international anerkannten Künstlerin. Als erste Deutsche überhaupt wurde sie ein Filmstar in Hollywood. Dabei wollte sie zunächst Musikerin werden. 1918 begann sie an der Musikhochschule Weimar eine Ausbildung zur Konzertgeigern. Doch schon drei Jahre später hatte sie von der Musik zunächst genug und beschloss Schauspielerin zu werden. Ihr Talent wurde schnell erkannt und nach einem kurzen Zwischenstopp am Theater erhielt sie zahlreiche Rollen in deutschen Filmen.

Ich bin von Kopf bis Fuß…

Zum internationalen Durchbruch verhalf ihr die Rolle „Der blaue Engel“. Dieser erste deutsche Tonfilm des österreichisch-amerikanischen Regisseurs Josef von Sternberg war der Beginn einer gemeinsamen, produktive Zusammenarbeit, mit Filmen wie Marokko, Shanghai-Express oder Blonde Venus. In diesem Film konnte Marlene Dietrich jedoch auch einer großen Öffentlichkeit ihr Gesangstalent präsentieren. Das von ihr vorgetragene Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Welthit.

Doch nicht nur ihre schauspielerischen Leistungen und ihre Gesangskünste, mit denen sie vor allem in ihren späteren Lebensjahren brillierte, sorgten für Aufsehen. Ihre einzigartige und skandalträchtige Film- und Bühnenbekleidung wurde von der Londoner Presse gefeiert, als „die höchste Errungenschaft der Theaterwelt seit der Erfindung der Falltür“. Marlene Dietrich trug „Nacktkleider“, hautfarbene, kunstvoll bestickte Netze. Sie liebte ihre Mäntel aus Schwanenfedern. Und im Berliner Filmmuseum kann man einen Bühnenmantel aus Federn mexikanischer Kampfhähne bestaunen.

Herrenanzug, Frack, Zylinder und Marlenehose

Was heute vor allem die Tierschützer auf den Plan rufen würde, beunruhigte damals eher die Sittenwächter: Seit „Die blonde Venus“ (1932) wurde Marlene Dietrichs Markenzeichen nämlich Männerbekleidung. Sie provozierte liebend gerne mit Frack und Zylinder, Herrenanzügen oder der berühmten Marlenehose. Diese weite taillenbetonte Bundfaltenhosen mit Aufschlag ist dem klassischen Herrenschnitt nachempfunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Hose nicht perfekt saß.

Marlene Dietrich galt als Fanatikerin in Sachen Passform und Qualität. Sie ließ sich ihre Kleidung von den besten Herrenschneidern nähen. Zusammen mit ihrem Ehemann Rudolf Siebert besuchte sie am liebsten die Wiener Maßschneiderei Knize. Dort verbrachten sie häufig Tage mit der Auswahl der Modelle und Stoffe, mit Maßnehmen und der Anprobe. Bestellt wurden dann Fräcke, Smokings, Chesterfield-Mäntel, Morgenröcke und Hemden. Obwohl Marlene Dietrich in ihren Männersachen umwerfend aussah, verging jedoch einige Zeit bis es gesellschaftlich akzeptiert war, dass Frauen Hosen tragen.

Weniger ist oft mehr

Marlenes Dietrichs Smoking war noch eine exakte Nachbildung des Männersmoking. Erst Yves Saint Laurent machte 1967 ein Kleidungsstück für die Lady daraus. Heute ist die Damenmode reich an Adaptionen aus dem Kleiderschrank der Herren. Klassiker wie der Hosenanzug, das Kostüm oder eine weiße Bluse mit Bleistiftrock gehören in jeden Kleiderschrank. Sie brauchen keinen großen Applaus. Aber sie schaffen den perfekten Rahmen für die Persönlichkeit ihrer Trägerin.

Die Marlene-Hose


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