Knigge-Trainer Marco Wehmeier

 „Gutes Benehmen ist nicht alles“ – ja, so steht es tatsächlich auf der Homepage der Deutschen Knigge-Gesellschaft. Ideal sei es, so heißt es weiter, wenn gutes Benehmen, geistige Größe und Bildung zusammentreffen, dann würde gutes Benehmen nicht nur zum bloßen Formalismus verkommen. Ich habe mit Knigge-Trainer Marco Wehmeier über Benimmvorschriften gesprochen und vor allem darüber, warum man lieber authentisch und locker bleiben soll, anstatt gutes Benehmen als reinen Selbstzweck zu betrachten. von Sybille

Herr Wehmeier, was hat Freiherr von Knigge tatsächlich in seinem Buch beschrieben?

Knigges Über den Umgang mit Menschen ist keineswegs eine Anleitung, wie man sich in feiner Gesellschaft zu Tische benimmt, sondern vielmehr ein Ratgeber für Höflichkeit und Takt im Umgang mit Menschen verschiedener Temperamente und Stimmungen des Geistes und Herzens, mit Eltern, Kindern, Eheleuten, Verliebten, Nachbarn, Fürsten oder Geistlichen.

Braucht man heute überhaupt noch einen „Knigge“? Ist es vielleicht hoffnungslos altmodisch, wenn der Mann einer Dame in den Mantel hilft oder ihr die Tür aufhält?

Wer einen guten Eindruck hinterlassen möchte, sollte sich damit auskennen, auseinander setzen und sein Wissen situationsabhängig anwenden. Und um darüber hinaus nicht von dem einen ins andere Fettnäpfchen zu stolpern, sollte ein „Knigge“ zur Pflichtlektüre werden!

Wer legt heute „Regeln“ fest und inwieweit werden sie dem modernen Leben angepasst?

Für den deutschsprachigen Raum und auch darüber hinaus ist der Arbeitskreis Umgangsformen International das maßgebliche Gremium für Empfehlungen zum Thema Umgangsformen, Business Knigge und Etikette. Daneben sind noch die Deutsche Knigge Gesellschaft und der Deutsche Knigge-Rat zu nennen.

Wollen Jugendliche heute gutes Benehmen lernen?

Die Frage, wie man mit richtigem Benehmen gut ankommt, ist aus meiner Sicht heute aktueller denn je, auch und vor allem in der jüngeren Generation.

Gibt es eigentlich Dinge, die in einem Restaurant besonders peinlich sind? Und was mache ich, wenn mir etwas Peinliches passiert?

Peinlich kann es nur werden, wenn andere die Peinlichkeit zulassen. Wenn einem selbst etwas Peinliches passiert, nur nicht den Kopf verlieren.

Wie streng sind Sie persönlich bei der Einhaltung der Regeln?

Ich versuche es der Situation anzupassen und einzuschätzen, welche Erwartungen mein Gegenüber hat. Es gibt Menschen, die meinen die Regeln zu kennen, aber auch gerne übertreiben und so zu einem gewissen Formalismus neigen. Viele werden im Rahmen der aktuellen Knigge-Welle steif und förmlich, verlieren ihre Natürlichkeit, Wärme und Herzlichkeit.

Gibt es für Sie ein absolutes Benimm-No-Go?

In bestimmten Situationen gibt es eine Vielzahl von Benimm-No-Goes, aber um hier ein absolutes zu nennen, müsste immer die entsprechende Situation betrachtet werden. Wir brauchen gewisse Spielregeln, die den gesellschaftlichen Verkehr erleichtern und über manche Verlegenheit hinweghelfen. Zudem vermitteln gekonnte Umgangsformen Selbstvertrauen.

Herr Wehmeier, herzlichen Dank für das Gespräch.

Marco Wehmeier, seit 2012 zertifizierter IHK Knigge-Trainer und Vorstandsmitglied der Deutschen Knigge Gesellschaft, hat als stellvertretender Direktor des Parkhotels in Gütersloh tagtäglich mit Menschen zu tun, die sich mehr oder weniger gut benehmen.

3 Kommentare
  • Rena sagt:

    Ich kann Herrn Wehmeier nur zustimmen, Benimm-Spielregeln erleichtern in der Tat den Umgang im geschäftlichen und privaten Umfeld.

    Mir stellt sich jedoch die Frage, selbst wenn Jugendliche gutes Benehmen lernen wollen, wo sie die Möglichkeit haben, das zu lernen. Ich denke, hier ist auf jeden Fall das Elternhaus sehr stark in der Verantwortung, allerdings wird das schwierig, wenn das Elternhaus dazu nicht in der Lage ist. Daher vertrete ich schon länger die Meinung, dass die essentiellen Benimmregeln definitiv auch in der Schule vermittelt werden sollten, da ich persönlich die Meinung vertrete, dass sich insbesondere beruflich ohne das entsprechende Grundwerkzeug an gutem Benehmen mehr als fatale Fettnäpfchen auftun können.

    Liebe Grüße, Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

  • Brockdorff sagt:

    Wo wir wieder beim Klassenssystem sind..

  • robin sagt:

    Klingt alles gnaz vernünftig, einfach etwas gute Kinderstube und wissen was sich gehört. aber der Frau die Autotür aufhalten ist in Zeiten von Zentralverriegelung einfach nicht nur überflüssig sonder zeugt von einer Unterwürfigkeit die KEINEN Sinn gibt. Eine Frau die das erwartet ist nicht unbedingt in der Nähe von weiblicher Selbstständigkeit, von Emanzipation ganz zu schwiegen, angekommen.
    Alleine die Kleiderregeln der Knigge Kasperl ist in vollem Umfang als geistig gestört anzusehen. Einen KOSAKEN Schal der mal als Krawatte eingeführt wurde als das Maas der Dinge zu sehen, BITTE ???
    Wenn ich den Top Berater hier mit seinem Kommunionsanzüglein schon sehe, fehlt jegliche Selbstständigkeit. Austauschbar wie ein DOMINOSTEIN in einem sinnlosen Spiel.

    Sorry aber das fiel mir dazu einfach nur ein. Ich bin sicher Herr Wehmeier hat auch eine eigene Persönlichkeit wenn aus der Maske „Anzug“ entspringt und ein NORMALER Mensch ist, mit seiner Frau seinen Kindern und Freunden. Das erklärt dann die Perversität der Knigge

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.