Lunas Woche: Von Juristinnen und Germanistinnen

Berufsgruppen unterscheiden sich oft durch ihre Kleidung. Dass das bei Akademikern ebenfalls der Fall ist, zeigt sich bereits im Studium. Während bei Jura-Studentinnen Bluse, Blazer und Perlen zu den einschlägigen Erkennungsmerkmalen gehören, ist das Outfit der durchschnittlichen Germanistik-Studentin eher funktional: Turnschuhe und Rucksäcke dominieren das Bild in der philosophischen Fakultät. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe kürzlich den Schritt gewagt und vom Jura- zum Germanistikstudium gewechselt. Eine Kolumne von Luna

Zu einem typischen Juristenoutfit gehören neben Bluse und Blazer natürlich Perlenkette und -ohrringe, Longchamp, Timberlands, Burberryschal und Barbourjacke. Nachlässigkeiten kann sich eine Jura-Studentin nicht erlauben: Eine verschmierte Wimperntusche oder ein zu breit aufgetragener Kajal kosten in der Vorlesung wertvolle Sympathiepunkte. Denn wer nicht ins Bild der stets perfekt gestylten Studentin der Rechtswissenschaften passt, erntet die hochgezogenen Augenbrauen der Kommilitonen. Nach den ersten Semesterferien vollziehen sich deshalb häufig erstaunliche Wandlungen. Frisch eingekleidet sind es die ehemaligen Neulinge, die hilflose Erstsemestler mit ihren Blicken zur Verzweiflung bringen.

An der philosophischen Fakultät ist es jedoch nicht viel besser bestellt. An meinem ersten Uni-Tag kam ich mir mit meiner Neverfull und meinem Blazer schon sehr deplaziert vor, neben all den Converse-Chucks und Eastpack-Rucksäcken. Zur Recherche für diese Kolumne habe ich letzte Woche dann genauer hingeschaut und bin vielen modisch fragwürdigen Kleidungsstücken begegnet: Da wäre beispielsweise die Studentin mit dem rostroten Anorak, der mir schon von weitem entgegenleuchtet, oder meine Kommilitonin mit den vielen vergilbten Konzertarmbändchen, die ihre eigentlich zarten Handgelenke entstellen.

Und wie um Gottes willen passen ein fliederfarbener Mantel und ein Paar Springerstiefel zusammen und wer trägt im November noch Sandalen? Ich bin als Germanistin meinem Jura-Stil treu geblieben und führe auch noch in der fünften Semesterwoche fleißig meine Blazer aus. Allerdings bin ich etwas nachlässiger geworden, was das Schminken betrifft. Man muss eben nicht immer perfekt sein – schließlich ist die Universität kein Laufsteg, auch wenn es zumindest bei den Juristen oft den Anschein hat.

Eine schöne Woche wünschen Euch Luna und ihre vielen Blazer

Merken


7 Kommentare
  • T. sagt:

    Also das mit den top gestylten Juristinnen halte ich für ein Gerücht: Meine Cousine hat Jura studiert und ich kenne sie eher so als Jeans-und-Pulli-Typ, jedenfalls nicht der Typ der (Designer/)Markenklamotten trägt und sich täglich schminkt. Ich dagegen bin zwar keine Germanistin, aber Anglistin, -und ich besitze eine Longchamp-Tasche.
    (Allerdings habe ich den Verdacht, dass ich diese Tasche vor ein paar Jahren auch deshalb unbedingt haben wollte, weil in Münster der Jura-Look quasi durch die ganze Stadt gesickert ist. Je mehr Frauen mit Longchamp, Perlenohrringen und flachen Reiterstiefeln über der skinny Jeans -im Sommer wahlweise Ballerinas – man in der Stadt sieht, desto eher hält man diesen Look für das einzig Wahre.)

  • Coco sagt:

    Sehr gelacht. Im übrigen war es vor 20 Jahren auch nicht anders – eventuell herrschte eine größere Intoleranz. Denn mit meinen klassischen Blazern erntete ich bei meinen Germanistik-Kommilitoninnen allergrößtes Mißfallen. Da glich der Gang ins Seminar schon mal einem Spießrutenlauf. Schade, dass sich outfit-mäßig nicht viel geändert hat. Es mag zwar ein wenig oberflächlich sein, auf ein gutes Styling Wert zu legen. Aber Rahel Varnhagen oder Caroline von Humboldt wären nie auf die Idee gekommen, schlampig herumzulaufen. Und Elfriede Jelinek, die nun wirklich niemand als oberflächlich bezeichnen würde, bekennt sich in einem Aufsatz sogar zu ihrer Leidenschaft für Mode. (http://a-e-m-gmbh.com/wessely/fmode.htm)

  • N sagt:

    Ein klein wenig was wahres ist schon dran. Zwar ist es längst nicht mehr so übel, dass an allen juristischen Fakultäten die Frauen in Bluse, Blazer und Perlen rumlaufen, aber es stimmt schon, dass es eine Art unausgesprochenen Dresscode gibt. Ich studiere selbst Jura und natürlich sind viele ganz „normal“ gekleidete Leute in der Vorlesung, aber es die „typischen“ Jurastudenten gibt es eben auch. Freundinnen von mir studieren Germansitik und ich kann diesen Unterschied wirklich bestätigen. Lustig geschrieben :)
    Liebste Grüße!

  • Nicole sagt:

    Hm, ich bin Germanistin, besitze nicht einen Rucksack und trage Turnschuhe nur zum Joggen. Das muss ja ganz schön gruselig zugehen bei Dir in Würzburg ;-)

  • Dani sagt:

    Liebe Nicole, wir sind alle Germanistinnen (Luna, Sybille, ich) und entsprechen in keinster Weise dem gezeichneten Bild. Allerdings sind wir an der Fakultät wohl eher die Ausnahme – war das bei Dir wirklich anders? Darüber hinaus finde ich, dass so eine Kolumne ruhig auch mal mit Klischees spielen darf. :-)

  • Dagmar sagt:

    „schließlich ist die Universität kein Laufsteg“

    Am kleidsamsten finde ich in der Uni ja eher Hirn. Tolles Accessoire! Muss man haben!

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.