Lovely Places: Die Lindenterrasse vom Hotel Jacob in Hamburg

Da, wo der Hang der Elbchaussee besonders steil ist, steht ein ganz besonderes Haus: Das Hotel Louis C. Jacob. Berühmt geworden ist es vor allem dank seiner Terrasse, auf der schon Liebermann im Schatten der Linden seinen Kaffee genoss. Er machte den Ort in zwei Gemälden unsterblich. Ich verbinde die Lindenterasse jedoch auch mit einem ganz besonderen Moment: Hier haben mein Mann und ich vor 15 Jahren geheiratet. Ein Gastbeitrag von Larissa

Zwischen Himmel und Elbe

Prächtige Gärten, Parks, Landhäuser und Villen säumen heute die Elbchaussee entlang der Elbe. Und da, wo der Hang besonders steil ist, steht ein ganz besonderes Haus. Im 18. Jahrhundert lebte hier der Bäckermeister Nikolaus Paridom Burmester mit seiner Frau und versorgte aus seiner Backstube das Dörfchen Nienstedten mit frischem Backwerk. Bis 1790 dem Bäckermeister mit Faible für Schiffe und Pyrotechnik ein Unglück widerfuhr: Der Salutschuss aus einer selbstgebauten Böller-Kanone für ein vorbeifahrendes Schiff verletzte ihn tödlich. Seine Witwe heiratete jedoch recht zügig einen anderen: Den französischen Landschaftsgärtner Daniel Louis Jacques (eingedeutscht: Jacob). Schon 1791 gründeten die beiden in der ehemaligen Bäckerei ein Weinlokal. Hoch über der Elbe legte der Landschaftsgärtner, inspiriert von französischer Gartenbaukunst, noch im selben Jahr eine Terrasse mit einem besonderen Flair an.

Hotel Louis C. Jacob

Die traumhafte Außenansicht von der Elbe aus auf das Hotel Louis C. Jacob/Bild-Credit: Louis C. Jacob

Die Lindenterrasse: Tanzende Lichtpunkte

Jacob wählte Linden, die dem rauen norddeutschen Klima gut standhalten konnten und sehr langlebig sind. In einer zweiachsigen Allee ordnete er die Bäume so an, dass die Kronen mit der Zeit ein geschlossenes Blätterdach bilden konnten. Wunderschön: Durch die Kronen wirft die Sonne tanzende Lichtpunkte auf die Terrasse. Die Lindenterrasse wurde schnell ein Besuchermagnet und ein Vorbild für weitere Gärten in Nienstedten und ist bis heute eine Institution in Hamburg. Mehr als vier Generationen blieb das Hotel in Familienbesitz. Der Enkel des Firmengründers Louis Carl baute das Gasthaus Ende des 19. Jahrhunderts in ein Hotel um, das „Louis C. Jacob“. Weltweit berühmt wurde die Lindenterrasse des Hotels durch den deutschen Impressionisten Max Liebermann, der 1902 im Hotel Jacob residierte.

Max Liebermann - Lindenterasse

Max Liebermann (1847 – 1935) Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902 Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Max Liebermann setzt ein Denkmal

Auf Einladung des damaligen Direktors der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark und seiner Aktion „Bilder aus Hamburg“ malte Liebermann zwei Gemälde. Das Bild „Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe, 1902″ ist heute ein Werk der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Das zweite Gemälde „Terrasse des Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe“ hängt im Hotel Louis C. Jacob. Ich sitze gerne auf der Lindenterrasse, trinke einen Kaffee, genieße dazu ein Stück der vorzüglichen, ganz und gar einzigartigen Jacobs-Torte und denke an die entschlussfreudige Bäckersfrau aus dem 18. Jahrhundert: Im selben Jahr den einen Mann verloren, einen neuen geheiratet und ein neues Geschäftsmodell gestartet – wie sagt man in Hamburg: Butter bei die Fische! Und während durch die Baumkronen ein sanfter Windhauch raschelt, denke ich an Max Liebermann, der die elegante Szenerie eingefangen und dann so bezaubernd auf die Leinwand gebracht hat. Und auch mich verbindet etwas mit diesem charmanten Plateau…

Max Liebermann - Lindenterasse

Die Wohnhalle des Hotels ziert ein Bild von Max Liebermann, das die Lindenterrasse zeigt/Bild-Credit: Louis C. Jacob

Mein persönlicher Bezug zur Lindenterrasse

Vor 15 Jahren haben mein Mann und ich in der Nienstedtener Kirche, gegenüber dem Hotel geheiratet. Nach alter Tradition wurde ein roter Teppich über die Elbchaussee gelegt, über den wir und unsere Gäste zum Louis C. Jacob schritten – dem Ort unserer Hochzeitsfeier. Unvergesslich! Als Geschenk überreichte  uns der damalige Hoteldirektor Jost Deitmar den Ableger einer Lindenterrassen-Linde – der sich längst zu einem stattlichen Baum entwickelt hat. Unserem Vorbild ist übrigens auch Schauspieler Robert Redford gefolgt (allerdings ohne das mit uns abzusprechen). 2009 heiratete er seine aus Hamburg stammende Lebensgefährtin im Louis C. Jacob. Den Champagner gab es bestimmt auch unter den knorrigen Linden, mit Blick auf die dicken Pötte und die beständig dahin fließende Elbe.

Hochzeit im Hotel Jacob Hamburg

Über die Autorin: Larissa lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Norden Hamburgs und betreibt den Blog Der blaue Distelfink // Hier hat sie uns bereits ihre ganz persönliche Love-List vorgestellt

Hotel Louis C. Jacob
Elbchaussee 401-403
22609 Hamburg

Habt Ihr auch einen ganz besonderen Ort, der für Euch eine große Rolle spielt? Dann schreibt mir eine E-Mail an info@lady-blog.de und erzählt mir davon!

 

MEHR BESONDERE ORTE IN HAMBURG


2 Kommentare
  • Dani sagt:

    Liebe Larissa,

    danke für diesen ganz bezaubernden Beitrag und die schöne Geschichte, die hinter diesem Ort steckt!

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Amalia sagt:

    Und dann noch diese schöne Aussicht – mein Vater war Kapitän bei der Hamburg-Süd!
    Liebe Grüße
    Amalia

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.