Lady-Frage

Liebe Lady-Bloggerinnnen,
als ich die Buchempfehlung von Dani Schluss mit luschig las, fiel mir gleich eine Lady-Frage ein: Woran erkennt die Lady einen Gentleman? Ich lasse mir gerne aus dem Mantel helfen, wobei mir bewusst ist, dass heutzutage fast niemand mehr einen Mantel trägt. Andererseits reiße ich einem Kollegen, der den Arm voll mit Büchern hat, sofort die Türe auf. Aber macht das wirklich den Gentleman aus? Ich kenne da ein paar Banausen, die gentlemanlike aussehen und geschliffene Manieren haben, sich aber wie die Alphas im Schimpansengehege verhalten …

Danke für eine angeregte Diskussion
Lina

punkt

Liebe Lina,

es kommt natürlich auf das Verhalten an! Schöne Kleidung und ein gepflegtes Äußeres verlieren ihren Charme, wenn der Herr beim Essen den Ellenbogen auf den Tisch legt. Für mich machen Kleinigkeiten den Gentleman aus – den Mantel abnehmen, die Tür aufhalten, der Dame den Vortritt lassen – einfach aufmerksam sein. Perfekt ist es natürlich, wenn der Herr auch noch den Stuhl zurechtrückt, seinen Binder auf das Outfit der Dame abstimmt, passende Blumen dabei hat, ganz selbstverständlich die Rechnung übernimmt oder ein Taxi organisiert. Diese Dinge passen aber nicht immer in den Alltag oder die Moderne. Hier gilt es Lösungen zu finden. Zum Beispiel zahlt er im Restaurant, sie übernimmt dafür den Wocheneinkauf oder er bringt ihr Blumen mit, sie überrascht ihn mit seinem Lieblingswhiskey. So wie die ideale Lady kein Püppchen ist, sollte er kein geleckter Schönling oder Alphamännchen sein. Einen Nagel in die Wand schlagen sollte ebenso beiden gelingen, wie das Backen eines Kuchens.

Besonders schlimm finde ich Herren, die sich durchaus zu benehmen wissen, dies dann aber kommentieren müssen: „Ich gehe übrigens hinter Dir die Treppe hoch, weil sich das so gehört“ oder „Ich habe Dir den Platz auf der Bank im Café überlassen, damit Du als Dame den Überblick über den Raum hast“. Der Gegensatz dazu ist ein Mann, der sich leider überhaupt nicht benehmen kann und dies dann damit begründet, dass er als Kind eben nicht ständig im Fünfsternerestaurant gegessen habe. Als mir diese Erklärung einst vorgetragen wurde, habe ich den Herren nur darauf hingewiesen, dass es bei mir daheim auch am Küchentisch Messer und Gabel gab. Den idealen Gentleman gibt es sicherlich nicht, aber wir sind schließlich auch nicht perfekt. Mir ist auf jeden Fall ein Mann lieber, der Wiesenblumen dabei hat, Jeans trägt und sich aufmerksam verhält, als ein Mann mit Smoking, Rosen und schlechten Manieren.

Alles Liebe
Constanze, die durch ihre drei Lieblingsmänner bestimmt ganz schön verwöhnt ist

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4 Kommentare
  • Samt &Seide sagt:

    Constanze’s Antwort ist wieder mal nichts hinzuzufügen ! Zudem ist ein guter Indikator das Elternhaus, denn so wie die Männer zu Ihrer Mama sind, sind sie meistens auch zur Frau und da ist „verstellen“ schwierig, da diese Beziehung schon so lange besteht. Achtung also wenn er sich respektlos gegenüber seiner Mutter verhält, oder Macho-Allüren an den Tag legt.
    Ein Gentleman wird also von klein auf zu einem erzogen und bestenfalls behält er dann diese guten Eigenschaften (trotz Umfeld Schule, Kumpels ect.) bei.
    Liebste Grüße von mir, die sich in diesem Bereich zweimal versucht und bis jetzt noch Glück hat ( 9 und 1 Jahre)

  • Liebe Lina,

    unser Autor Lindo hat sich auch mal so seine Gedanken darüber gemacht. Seine Antwort auf die Frage gibt es hier: http://www.gentleman-blog.de/2013/09/07/woran-erkennt-man-einen-gentleman/

  • Justine D sagt:

    Guten Tag zusammen!

    Bravo@Lukas! Ich hatte schon befürchtet, es ginge nur um Äußerliches!
    Eine sehr wichtige Gentleman-Eigenschaft ist übrigens Bescheidenheit.

    Mein Lieblings-Gentleman im literarischen Leben ist Lord Peter Wimsey (sein fiktives Geburtsdatum liegt im Jahr 1890) – erfunden von Dorothy Sayers. Er ist auch zu der Zeit schon so emanzipiert, daß er sich mit einer ehemals mordverdächtigen und berufstätigen Frau verheiratet, verfügt über eine umfassende Bildung (das fehlte noch im Katalog!) und betätigt sich selbst als Detektiv. Die Verfilmungen gefallen mir nicht so gut, aber das ist ja oft so.

    Mit herzlichem Gruß,
    Justine

  • Stefan sagt:

    Die interessanteste Definition des Gentleman stammt meiner Meinung nach von John Henry Kardinal Newman (1852): „Ein Mann, der niemals Schmerz zufügt“ (who never inflicts pain) …

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