Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Lady-Frage

Liebes Lady-Blog-Team,
ich studiere in Nordrhein-Westfalen Volkswirtschaftslehre und würde meinen Kleidungsstil als klassisch-konservativ bezeichnen. Allerdings wurden von Kommilitonen schon abfällige Bemerkungen darüber gemacht und ich wurde als arrogant bezeichnet von Leuten, mit denen ich nie ein Wort gewechselt habe (Es kamen Kommentare wie „Wer Ralph Lauren trägt, musst doch nicht studieren“ oder „Von Beruf Tochter wäre ich auch gerne“). Ich kann damit leider nicht sehr gut umgehen. Besonders weil ich mir meine Kleidung auch selbst zusammenspare und keinesfalls von meinen Eltern etwas geschenkt bekomme. Wie würde eine Lady mit solch einer Situation umgehen und sollte ich es vielleicht in Erwägung ziehen mich in der Uni von der Kleidung her den anderen anzupassen?

Viele Grüße
Lena

punkt

Liebe Lena,

deine Frage hat mich etwas verwundert. Zu meinen Studienzeiten waren die Absolventen von BWL/VWL, neben Jura und Medizin, bekannt für ihren eher konservativ-klassischen Bekleidungsstil. Ich dagegen war mit meinen Perlenohrringen und Blüslein im Germanistik- und Politik-Studium immer ein Exot. Dass darüber schlecht geredet wurde, habe ich allerdings nie mitbekommen. Ganz im Gegenteil: Ich hatte nach der Schulzeit nun endlich das Gefühl, dass egal ist woher jemand kommt und wie er sich kleidet. Dass Du nun andere Erfahrungen machen musst, tut mir leid. Sicherlich hat es damit zu tun, dass ich noch auf Magister studiert habe, und der ganze Unibetrieb anonymer war.

Prinzipiell bin ich immer der Ansicht, dass man sich kleidungstechnisch dem Anlass entsprechend anziehen sollte, man als Hochzeitsgast also nicht in Weiß, in der Oper nicht in Jeans und – übertrieben gesagt – bei einer Tierschutzveranstaltung nicht im Pelzmantel auftreten sollte. Was ich aber niemals machen würde, ist mich „verbiegen“ zu lassen. Der Kleidungsstil ist schließlich ein Teil von Dir, in Deinen klassischen Outfits fühlst Du Dich wohl – das bist Du. Warum suchst Du Dir nicht ein paar Gleichgesinnte? Ich bin überzeugt, dass es in Deinem Studiengang noch andere Kommilitonen mit einem ähnlichen Geschmack gibt. Vor allem in meinem Politikwissenschaftsstudium haben sich ähnlich Gesinnte meistens schnell an ihrem jeweiligen Kleidungsstil erkannt und zusammengetan. Und solltest Du mit Deinem Stil wirklich allein auf weiter Flur stehen, dann mache ihn zu Deinem Markenzeichen – spiele damit, gehe humorvoll-ironisch mit den Bemerkungen um. Ganz nach dem Motto: „Wer kann, der kann!“ Zwinker, Zwinker.

Herzliche Grüße
Dani

Brennt Euch auch eine Frage auf der Brust? Dann schreibt mir doch an info@lady-blog.de!


5 Kommentare
  • Carlotta sagt:

    Liebe Lena,

    wenn es an Deiner Uni nicht gerne gesehen wird, dann würde ich allzu offensichtliche Statussymbole wie den Mountblanc-Füller, die Rolex oder die Louis-Handtasche daheim lassen. Ob man vermeintliche Statussymbole auf der Brust tragen muss, ist eine Geschmacksfrage.

    Liebe Grüße
    Carlotta

  • Ronja sagt:

    Liebe Lena,

    bisher nahm ich an, solche Machtkämpfe/ Statuskämpfe hätten sich spätestens mit dem Abitur erledigt. Es macht mich traurig, dass dem offenbar nicht so ist.
    Ich sehe allerdings für dich keine Veranlassung deinen Stil zu ändern – denn, so ist es leider meistens, haben solche Menschen einmal „schwäche“ gerochen, werden sie danach ihre Sprüche/ Attacken noch verschärfen. Ich kann dir daher, ähnlich wie Dani nur raten, deinen Stil mit mit Stolz zu deinem Markenzeichen zu machen und etwaige Kommentare entweder vollkommen zu ignorieren oder sie mit ordentlich Humor/ und einem Lächeln zu beantworten :) Glaub mir, diesen „netten“ Kommilitonen wird es schnell langweilig werden, wenn ihre Sprüche auf keinen Nährboden treffen.

    Lieben Gruß
    Ronja

  • Anna – Salon-Stories.de sagt:

    Liebe Carlotta,
    warum sollte man / Lena sich Menschen anpassen (wollen), die andere Menschen vorverurteilen wegen „Dingen“, die sie tragen? Sollte man Wert auf solche Bekanntschaften legen, die so denken (Judging a book by ist cover?)?

    Herzliche Grüße, Anna

  • Charlotte Wolf sagt:

    Liebe Lena,

    ich kann sehr gut nachfühlen, wie es dir geht! Ich studiere Maschinenbau und durfte mir da mit Bluse, Blazer und Perlenkette auch schon den ein oder anderen Spruch anhören.

    Was meiner Erfahrung nach hilft, ist einfach nett auf die Leute zuzugehen, die die von dir beschriebenen Vorurteile hegen. Um Hilfe auf der Suche nach einem Hörsaal bitten oder einfach mit einem Lächeln grüßen wird sie schnell dazu bringen, ihre Einstellung zu überdenken.

    Ich bin vollkommen der Meinung, dass man sich und seinem Stil treu bleiben sollte, allerdings wird es auch im Berufsleben immer wieder Punkte geben, wo Statussymbole nicht angemessen sind und weniger mehr ist. Ich persönlich habe mir angewöhnt, in der Uni einen Gang zurückzuschalten, was Schmuck, Seidentücher etc. angeht. Manchmal ist es ok, sich ein wenig anzupassen und sich seine Mühe für die Menschen aufzubewahren, die sie zu schätzen wissen!

    Ich hoffe ich konnte vielleicht auch ein wenig weiterhelfen und wünsche dir für dein Studium alles Gute und viel Erfolg!

    Charlotte

  • Helena sagt:

    Liebe Lena,

    den Kommentar „Von Beruf Tochter wäre ich auch gerne.“ finde ich absolut frech. Ich habe auch einmal erlebt, dass das Auto einer Freundin mit „verwöhntes Kind“ kommentiert wurde. Der Frau kam offenbar überhaupt nicht in den Sinn, dass man mit 23 („Kind“!) nach Studium in Regelstudienzeit selbst Geld verdienen und sich davon ein Auto kaufen kann. Außerdem sagt die Person ja selbst, dass sie Dich im Grunde beneidet und gerne an Deiner Stelle wäre. Such den Grund für den Neid anderer bitte nicht bei Dir. Sicher gibt es auch nette Leute in Deinem Studiengang und unterschiedliche Kleidungsstile stehen einer Freundschaft ja nicht im Wege. Mit Kommilitonen, die so über Dich reden, ohne Dich näher zu kennen, würde ich nichts zu tun haben wollen.

    Ich habe selbst Mathematik studiert und Mathematiker gelten (zum Großteil eigentlich zu unrecht) als „nerdig“. Nach dem Abschluss arbeitet man aber immer in interdisziplinären Teams zusammen und die meisten Arbeitgeber sind begeistert, wenn ein Bewerber die fachliche Eignung mitbringt, die sie brauchen, aber gerade kein „Nerd“ ist. Das ist in anderen Studiengängen sicherlich ähnlich: Wenn Du Deinen Lebensstil dem Klischee Deines Studiengangs anpasst, dann verspielst Du Deinen Vorteil bei Arbeitgebern, die gerade eine Volkswirtin mit Deiner Ausstrahlung und Deinen Umgangsformen suchen.

    Viele Grüße
    Helena

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