Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Lady-Frage

Liebe Ladies,
immer wieder lese ich von der sogenannten „British Season“. Gibt es ein Äquivalent dazu bei uns in Deutschland? Herzlichen Dank für Eure Nachricht!

Viele Grüße Kathleen

punkt

Liebe Kathleen,

die British Sesaon entwickelte sich im 17. Jahrhundert und erreichte im 19. Jahrhundert ihre Blütezeit. Während der Saison oder „Social Season“ von Ende Dezember bis Ende Juni war es für die Mitglieder der britischen Elite (und vor allem den Landadel) üblich, Debütantenbälle, Dinnerpartys und große Wohltätigkeitsveranstaltungen abzuhalten. Für diese Veranstaltungen wurden die Herrenhäuser auf dem Lande aufgegeben und die Familien zogen in ihre Londoner Stadthäuser. Man nutzte die Zeit um Kontakte zu knüpfen, seine Töchter in die Gesellschaft einzuführen oder sich politisch zu engagieren. Exklusive öffentliche Spielstätten wie der Club „Almack’s Assembly Rooms“ spielten dabei natürlich eine Rolle, viel wichtiger war jedoch eine private Einladung in das Haus einer führenden Adelsfamilie.

In dieser Art und Weise gibt es die British Season seit Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr, denn viele aristokratische Familien gaben ihre Londoner Villen auf, 1958 wurde die Einführung der Debütanten in die Gesellschaft abgeschafft. Wir sprechen zwar in Großbritannien immer noch von einer Social Sesaon (heute von April-August), doch Veranstaltungen wie Royal Ascot, The Proms, Wimbledon, die Henley Royal Regatta oder die Chelsea Flower Show finden öffentlich und häufig außerhalb Londons statt, zudem werden sie zunehmend von großen Unternehmen veranstaltet oder gesponsert. Doch obwohl der exklusive Rahmen etwas verloren ging, hat die gesellschaftliche Saison bei den Briten immer noch eine große Bedeutung, schon alleine aufgrund der Ereignisse, bei denen die Queen mitwirkt.

Hierzulande verhält es sich anders: Der Adel bzw. die „Royals“ spielen in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie keine Rolle. Eine Social Season existiert meines Erachtens darum nicht. Einzig die Konzertsaison rund um die Bayreuther Festspiele kann vielleicht annähernd damit verglichen werden. Allerdings gibt es in den letzten Jahren ein Pendant (von der Stadt auf’s Land, statt anders herum): Ein paar wunderbare öffentliche „Landpartien“ haben sich in den Höfen und Gärten von einigen wunderschönen Schlössern und Gutshöfen in Deutschland etabliert. Sie dienten ursprünglich dazu, den Erhalt der Gebäude zu sichern, führen aber immer mehr dazu, dass sich kleine Designerlabels, hübsche Konzertreihen und eine regelrechte Community rund um die Events herausbilden. Hilft Dir das weiter?

Herzliche Grüße
Dani

PS: Eine schöne Übersicht der gesellschaftlichen Großereignisse in Großbritannien findest Du bei Debrett’s

 Bestimmt heute die British Season mit: Die 1769 gegründete Coaching-Firma Debrett’s bietet weltweit Coaching in sozialen Fähigkeiten an und verfasste einige Etikette-Guides wie das Debrett’s Handbook, den Guide für den modernen Gentleman, das A-Z of Modern Manier sowie ein Wedding Handbook/Bild-Credit: Debrett’s

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7 Kommentare
  • Kathleen sagt:

    Liebe Dani,

    herzlichen Dank für deine umfangreiche Antwort. Das hilft mir auf jeden Fall weiter.

    Viele Grüße

    Kathleen

  • Gretchen sagt:

    Die Wiener Ballsaison könnte ich empfehlen, insbesondere die Traditionsbälle in der Hofburg.

  • Kiki sagt:

    Die Jagden…..

  • Dani sagt:

    Gretchen, trifft auf Österreich absolut zu, ja!

    Kiki, Jagdsaison ok, kannst Du das noch präzisieren?

  • Kathleen sagt:

    Würdet ihr auch sportliche Ereignisse darunter fassen, z. B. das Tennisturnier in HH Rotherbaum?

  • Miss Kate sagt:

    In deutschen Adelskreisen gibt es auch eine Ballsaison, vor allem in den Wintermonaten, ebenso wie Jagden. Man bleibt vorzugsweise unter sich… Es wird außerhalb dieser Kreise auch nicht publik gemacht. Es hat allerdings nicht die Ausmaße wie in England. Selbstredend gibt es bei uns auch Pferderennen, aber längst nicht in der jahrhundertelangen Tradition und dem Stil, wie wir es von der Insel kennen; vielmehr sucht man den britischen Charme eines solchen auch hierzulande zu etablieren! Aber die Saison, wie wir sie aus Grossbritannien kennen, in der monatelang die Gesellschaft zu verschiedenen Anlässen am Liebsten sich selber feiert, gibt es in Deutschland leider nicht.
    Was soll ich sagen -für den Saisonspaß ist England sowieso unschlagbar!

    Herzlichst,
    Kate.

  • Dani sagt:

    Liebe Kate,

    vielen Dank für Deine Ergänzungen!

    Herzliche Grüße
    Dani

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