Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Dani
Lady-Frage

Liebe Dani,
nach Eurer Zero-Waste-Woche und dem Tipp zu „Perlen statt Plunder“ traue ich mich endlich, eine Frage zu stellen, über die ich schon lange nachdenke: Kann die Lady Vegetarierin oder sogar Veganerin sein? In den letzten Jahren habe ich mich, ausgelöst durch eine Laktose-Unverträglichkeit, mehr damit beschäftigt, woher die Produkte, die ich kaufe, kommen und was ich im Allgemeinem konsumiere – und mir umweltbezogene aber auch ethische Fragen gestellt. Inzwischen verzichte ich soweit es geht auf Fleisch, Milch und auch andere Tierprodukte, weil ich die Ausmaße, die die Massentierhaltung in den letzten Jahrzehnten angenommen hat, nicht mehr unterstützen möchte.

Mir ist jedoch aufgefallen, dass in „klassischen/konservativen“ Kreisen kaum jemand Vegetarier oder gar Veganer ist. Einige denken sicherlich gleich an Jesuslatschen, Ungepflegtheit und mahnende Zeigefinger. Meiner Erfahrung nach spielt aber z.B. auch die Jagd eine Rolle, ein Jäger wird wohl kaum Vegetarier sein. Der klassische und preppy Look bedient sich hauptsächlich Materialien wie Leder, Wolle, Kaschmir, Seide – hochwertige und teure Stoffe, in die ich auch investiert habe und die ich gern trage, die aber auch von Tieren gewonnen werden. Mir scheint, als könne man den klassischen Stil kaum mit einem tierfreundlichen Lebensstil vereinbaren. Mich würde Eure Meinung interessieren!

Herzliche Grüße
Kati

PS: Du hast gefragt, ob Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit überhaupt auf einen solchen Blog, der natürlich auch zum Konsum anregt, passen. Und ich finde, dass jeder dafür mit verantwortlich ist, das Richtige zu konsumieren! Viele „Ladies“ (und deren Partner, Freunde und Familien) haben gute Bildung genossen und arbeiten in einflussreichen Positionen, kennen viele Leute und kommen viel rum; hinzu kommt, dass wir durch unseren oft guten Verdienst die Möglichkeit haben, tatsächlich Bio- und Fairtrade-Produkte zu kaufen. Daher sollten wir auf jeden Fall ein Vorbild sein.

punkt

Liebe Kati,

vielen Dank für Deine lange Nachricht, über die ich mich sehr gefreut habe. Es tut immer wieder gut, wenn ich sehe, dass ich nicht alleine bin, mit meinen Grübeleien über mehr Nachhaltigkeit und ein bewussteres Leben – und dazu gehört unbedingt auch die Ernährung. Wie ich ja hier schon an einigen Stellen geschrieben habe, bin ich selbst seit etlichen Jahren Vegetarier und habe in diesem Jahr, während der Fastenzeit, auch ein paar Wochen vegan gelebt. Auch das hat erstaunlich gut geklappt – doch wie vielen anderen hat mir der Käse am Ende sehr gefehlt – es geht doch nichts über einen guten Bergkas! Ich persönlich verurteile auch niemanden, der gelegentlich Fleisch isst, mir ist es allerdings ein starkes Anliegen, dass Fleisch wieder der Luxus wird, der es früher einmal war. Es sollte teuer sein, etwas besonderes sein und dann genossen werden. Weniger toll finde ich den täglichen Genuss günstiger Discounterware.

Und hier komme ich zu einem von Dir angesprochenen Punkt: Die Jäger, die ich kenne, sehen das genauso. Die meisten sind in der Tat Natur- und Tierschützer, sie sichern durch nachhaltiges Jagen und waidgerechtes Erlegen also den Erhalt des Wildbestandes und bewahren die biologische Vielfalt. Dazu gehört auch die Hege und Pflege der heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Bevor ich mich dazu entschlossen habe, ganz auf Fleisch zu verzichten, habe ich sehr gerne Wild gegessen. Diese Tiere lebten in freier Natur und hatten in den meisten Fällen auch ein angenehmes Leben – was man von der armen Sau nicht sagen kann, die in einem Hochhaus ohne Licht eingepfercht und über Fahrstühle transportiert wird (ja, so einen Stall gibt es in Deutschland, einfach mal „Schweinehochhaus“ googeln).

Was ich damit sagen will: Die Masse macht’s! Gegen eine gute Lederhandtasche, ein paar wenige hochwertige Lederschuhe, die jahrzehntelang halten oder einen Merinowollpulli von glücklichen schottischen Schafen spricht kaum etwas. Genauso wenig wie gegen den gelegentlichen Konsum von Bio-Fleisch oder -Milch. Ich bin schwer davon überzeugt, das wenige gute Produkte das Leben verschönern, wohingegen „Masse statt Klasse“ sogar krank machen kann. Um zu Deiner Frage zurückzukommen: Selbstverständlich ist ein bewusster Lebensstil mit einem klassischen Lifestyle vereinbar – wenn er auch noch nicht so verbreitet sein mag. Doch wie Du schon sagst: Wir müssen Vorbilder sein, damit das Jesuslatschen-Image endlich verschwindet. Und glaube mir, viele ticken im Herzen wie wir.

Alles Gute für Dich, mach weiter so!
Deine Dani

PS: In unserer Rubrik „Essen und Trinken“ findest Du viele tolle vegetarische und saisonale Rezepte

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8 Kommentare
  • Gaby sagt:

    Liebe Dani,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort, der ich voll und ganz zustimme.

    Und liebe Kati,

    bei diesem Thema (und sicher auch anderen) solltest du auf dein Bauchgefühl hören und nicht auf das ,was andere denken oder sagen’…

    Liebe Grüße

    Gaby

  • Amalia sagt:

    Ihr Lieben,
    diesen Überlegungen kann ich mich gut anschließen. Besonders schwierig erscheint es mir in Bezug auf die Essgewohnheiten, ‚Lady‘ und ‚Vegetarierin‘ zu verbinden, und zwar dann, wenn es um Einladungen geht, habe ich mich doch als Gastgeberin in der Tat schon etwas verblüfft gefühlt durch: „Ich schätze Deine Kochkünste sehr, aber Du denkst bei Deinen Menüplänen schon daran, dass ich Vegetarierin bin, nicht wahr.“ Oder: „Ich möchte lieber nicht kommen, wenn es für mich als Vegetarierin dann nur die Beilagen gibt.“ Oder: „Hast Du mal eben einen Topf, eine Pfanne und eine mikrowellenfeste Schale? Ich habe mir für heute Abend eigenes Essen mitgebracht.“
    Liebe Grüße
    Amalia

  • Christina sagt:

    Liebe Dani,
    liebe Lady-Blog-Leserinnen,
    ein sehr interessantes Thema, das mich auch selbst betrifft, da ich seit Jahren vegetarisch lebe.
    Meiner Meinung nach definiert sich eine Lady jedoch nicht durch ihre Ernährung, sondern z.B. durch ihre Umgangsformen. Ich finde es auch nicht höflich, bei Einladungen zu verlangen, dass sich der Gastgeber nach den eigenen Ernährungsvorlieben richtet. Daraus jedoch zu schließen, dass sich vegetarisch/vegan leben und eine Lady sein ausschließt, geht mir jedoch zu weit.
    Liebe Grüße
    Christina

  • Sonnenstrahl sagt:

    Ihr Lieben,

    ich bin ganz bei Christina. Für mich zeichnet sich die Lady aus, wie sie mit der Situation als Gast umgeht.

    Liebe Amalia, wie Deine Gäste sich verhalten, finde ich nun gar nicht ladylike. Grundsätzlich finde ich den Hinweis, zumindest wenn man das erste Mal eingeladen ist, nicht unbedingt verwerflich, wenn man es freundlich formuliert. Denn ggf. ist es dem Gastgeber auch unangenehm, wenn er dem Gast dann gar nichts präsentieren kann, weil selbst Gemüse und Soße mit Fleischbrühe abgeschmeckt ist. Eine gute Gastgeberin weiß damit umzugehen und macht sich die Mühe etwas zu servieren, was der Gast essen kann.

    Anderen wird es immer egal sein. Daraus mag auch das Verhalten Deiner Gäste resultieren, auch wenn es das nicht besser macht.

    Ich selbst bin mit einer Laktoseintoleranz geboren worden, das freundliche „nein danke, dass darf ich nicht essen/ trinken“ gehört zu meinen ersten Worte. Und es waren zu meiner Kindheit vor 30 Jahren noch andere Zeiten. Beim Schulausflug auf dem Bauernhof wurde ich sonderbar angeschaut, wenn ich auf Klassenfahrten nach etwas anderem als Kakao zum Frühstück fragte, böse angemault, ob der vermeintlichen Sonderwünsche. Selbst bei einzelnen Freunden ist es bis heute so, dass für mich nicht wirklich mehr als trocken Brot überbleibt.

    Ich habe aber gelernt, da drüber zu stehen. Diese Menschen wissen nicht, wie es ist mit einem solchen Handicap zu leben. Ich habe mir inzwischen Großmut angewohnt und gönne ihnen ihre Unwissenheit hinsichtlich solcher fehlender Erfahrungen. Ich knabbere seitdem mit Würde an meinem Brot, genieße trotz allem oder gerade erst dann den Abend und tue so, als hätte auch ich das beste Mahl auf dem Teller. Die anderen Gäste lächeln dann eher über die Gastgeber und haken es ansonsten ab. Ich falle trotz allem nicht mehr sonderbar auf. Einige Gastgeber lernen daraus, entschuldigen sich oder geben beim nächsten Mal den Hinweis, dass ich dieses Mal etwas mehr essen können. Andere lernen es nie – da bleibt dann mehr die Frage, was einem der Kontakt wert ist.

    Restaurants reagieren übrigens großartig, wenn man zuvor Bescheid gibt. Oft unterscheiden sich meine Teller kaum von den anderen…

    Sicherlich geht es hier um eine wirkliche Unverträglichkeit, die leider aber auch inzwischen mehr zu einer belächelten Volkskrankheit herabdegradiert wurde und dadurch auch nicht wirklich leichter zu Händeln ist. Ich denk, dass für Vegetarier das gleich gilt, zumal es auch Menschen gibt, die tatsächlich aus gesundheitlichen Gründen kein Fleisch essen dürfen. Die Lady zeigt sich in ihrem Verhalten…

    Liebe Grüße
    Charlotte

  • Amalia sagt:

    Liebe Charlotte,

    genau das meine ich – ladylike finde ich es, solche Dinge diskret vorab zu klären, denn es lässt sich ja für alles eine Lösung finden, insbesondere, wenn der Verzicht auf irgendein Lebensmittel gesundheitliche Gründe hat. Früher war das anders – ich bin noch so erzogen worden, dass man prinzipiell ohne auch nur eine Mine zu verziehen das isst, was der Gastgeber oder die Gastgeberin serviert…

    Liebe Grüße
    Amalia

  • Gaby sagt:

    Liebe Charlotte,

    auch ich habe eine Lactoseintoleranz, die meine Kinder leider geerbt haben. Zuhause ist eine lactosefreie, vollwertige Ernährung einfach und für unterwegs nehmen wir einfach Kautabletten mit und Einladungen oder Pizzaessengehen sind kein Problem :-) mehr.

    Liebe Grüße

    Gaby

  • Anna sagt:

    Liebe Kati,

    ich teile Deine Meinung sehr!

    Ich setze mich aktiv seit 10 Jahren für den Tierschutz ein und merke immer wieder, dass die meisten Tierschützer und Umweltschützer aus der einfachen Mittelschicht kommen. In der Oberschicht treffe ich kaum Menschen, die sich für solche Themen interessieren.

    Für mich ist Tier- und Umweltschutz ein Privileg !

    Ich finde, dass vor allem die Oberschicht sich für solche Themen einsetzen muss, da sie die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten dafür hat.

    LG,
    Anna

  • Gaby sagt:

    Liebe Anna,

    so eine Aussage ist zwar schwierig, aber ich gehöre nicht der ,einfachen Mittelschicht‘ an.

    Trotzdem bin ich Vegetarierin, kaufe Bio, regional, saisonal und habe meine Netze für loses Obst und Gemüse immer dabei, bin im Tierschutzverein, beim Münchner Tierheim, bei Greenpeace, Peta, Alpenverein, Landesbund für Vogelschutz und und und ….und außerdem bin ich vor 14 Jahren das letzte Mal geflogen.
    Ich habe aber das Gefühl, dass gerade die ,einfache Mittelschicht‘ Flugreisen ,braucht‘.

    Liebe Grüße

    Gaby

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