Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Kunterbunter Plastikplanet? Nicht mit mir!

Für unsere zukünftige Mitbewohnerin standen in letzter Zeit einige Neuanschaffungen an. Aufgefallen ist mir dabei wieder einmal, wie viele Produkte aus Plastik bestehen. Vom Windeleimer über die Badewanne, Wickelunterlage, Geschirr, Lätzchen, bis zur Windel sind gerade Babyprodukte auf größtmöglichen praktischen Nutzen ausgelegt. Was Plastikfans jedoch aus den Augen verlieren: Die praktischen Helfer zerstören nicht nur unsere Umwelt nachhaltig, sie sind auch gesundheitlich bedenklich. Nach meiner Umstellung auf Naturkosmetik besteht mein nächstes Projekt darum in einer weitgehenden Vermeidung von Plastikprodukten.

Was ist Plastik?

Jährlich werden weltweit mehr als 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. „Die Menge an Kunststoff, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht bereits aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal mit Plastikfolien einzupacken“, so der österreichische Regisseur Werner Boote in seinem Dokumentarfilm Plastik Planet aus dem Jahr 2009. Gefolgt von Italien und Frankreich besteht in Deutschland mit einem Bedarf von 11,5 Millionen Tonnen die größte Nachfrage nach Plastik in Europa. Plastik ist der umgangssprachliche Ausdruck für Kunststoffe aller Art. Sie werden in der Regel synthetisch aus Erdöl hergestellt und können durch chemische Veränderungen und Beimischungen in ihren Eigenschaften gesteuert werden.

Problem 1: Kunststoffe verrotten nur sehr langsam

Allerdings hat Plastik einen schwerwiegenden Nachteil: Es hat Zerfallszeiten von mehreren hundert Jahren. Nur etwa drei Prozent der Kunststoffe kann recycled werden und büst in diesen Fällen in der Regel einen Großteil seiner Qualität ein. Der Rest landet auf Müllkippen. 26 Millionen Tonnen Plastik gelangen zudem in die Meere, versinken auf den Meeresboden oder treiben in Müllstrudeln im Nordpazifik und Nordatlantik. Umweltgifte saugen sie wie ein Schwamm auf, die sich über die Nahrungskette in Fischen anreichern und so auf unseren Tellern landen. Auf einen Kilogramm Plankton kommen etwa sechs Kilogramm Kunststoff.

plastik-5

Jedes Jahr werden Hunderttausende Meerestiere getötet, die Plastikteile irrtümlich als Nahrung zu sich nehmen oder in alten Fischernetzen verenden/Bild-Credit: Engelberger via Wikipedia

Problem 2: Kunststoffe sind hormonell wirksam

Der wichtigste Markt der Kunststoffindustrie ist der für Verpackungen. Diese haben meistens nur einen einmaligen Verwendungszweck und müssen daher ständig nachproduziert werden. So werden jährlich etwa 600 Milliarden Plastikbeutel hergestellt und weggeworfen. Die Plastik, die unsere Nahrungsmittel umgibt, wird jedoch als hormonell wirksam eingestuft, vor allem Bisphenol A und Phtalate gelten als Übeltäter. Bisphenole werden als Härtemittel in Beschichtungen von Konservendosen, Tupperware o.ä. eingesetzt, können sich jedoch unter Einfluss von Hitze oder säurehaltigen Stoffen wie Tomaten- oder Fruchtflüssigkeiten lösen. Statistiken zufolge haben 95 bis 98 Prozent der Menschen BPA im Urin. Phtalate sind Weichmacher, die vor allem in Kosmetika aber auch in Lebensmittelfolien eingesetzt werden.

plastik-2

plastik-1

Selbst meine Bioprodukte und meine Naturkosmetik stecken häufig in einer Plastikhülle

Gibt es Lösungen?

Schon seit Anfang der 1990er wird intensiv im Bereich der abbaubaren Kunststoffe geforscht. Diese sind bislang jedoch noch sehr teuer und auch bei ihnen gibt es teilweise gesundheitliche Bedenken. Eine Verbesserung der Abbaubarkeit geht außerdem immer mit einer Verschlechterung der Materialeigenschaften einher. Was sind also wirklich praktikable Lösungen? In einigen Ländern sind Plastiktüten inzwischen verboten. Das ist sicherlich sinnvoll, aber auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Noch wichtiger ist m.E., dass wir bewusster einkaufen. Immer mehr Familien verzichten komplett auf Plastik, kaufen Holzzahnbürsten und lassen sich den Käse an der Theke in Aluboxen einpacken. Andere üben den Verzicht ein paar Wochen – erstaunlicherweise können schon dann Veränderungen im Blut festgestellt werden.

Wie man nahezu komplett auf Plastik verzichten kann, zeigt uns Frau Schubert in ihrem Blog

plastik-6

Wie zu Großmutters Zeiten: Meine Produkte mit Plastikverpackungen sind inzwischen alle in hübschen Weckgläsern gelandet

Ich persönlich…

Ich persönlich habe mich für eine Kompromisslösung entschieden. Ich werde an den Stellen auf Plastik verzichten, an denen es gute Alternativen aus anderen Materialien gibt. Kleidung ist bei uns – abgesehen von Sportbekleidung – sowieso aus natürlichen Materialen hergestellt. Spielzeug kaufen wir nur aus Holz, auch beim Kinderwagen haben wir uns für ein Modell ohne Plastik entschieden. Bei den Windeln werden wir zu recyclebaren Varianten greifen. In den Einkaufskorb kommen Obst und Gemüse ohne Verpackung und statt Plastik- nur Glasflaschen.

plastik-4

plastik-3

Am Wochenende gab es bei uns zum ersten Mal Frühstück auf dem Balkon – mit herrlichem Bergblick und ganz ohne Plastikverpackungen

Merken


6 Kommentare
  • Stil-Box sagt:

    Liebe Dani,

    du sprichst mir sooo aus der Seele. Ich finde es so so so erschreckend, wie viel (Plastik-)Müll eine einzelne Familie produziert oder wie oft Plastik in Spielzeug etc. zu finden ist. Ich versuche auch, so gut es geht, auf Plastik zu verzichten und besonders Müll einzuschränken.

    Beispiele:
    Wenn ich auf dem Wochenmarkt einkaufen gehe, nehme ich immer einen großen Korb mit 1-2 Schüsseln darin mit. Ich bitte dann die Marktbeschicker, mir das Obst / Gemüse ohne Verpackung zu reichen. Bis heute werde ich immer wieder mal komisch angeguckt. Einmal hat sogar ein Marktverkäufer mit mir diskutiert: „Gute Frau, die Tomaten MÜSSEN eingepackt werden, sonst verderben die ganz schnell.“ Ich nehme meine Tomaten immer so, ohne Verpackung, und bisher haben diese auch jeden Transport gut überstanden.

    Außerdem haben wir nun seit unserem Umzug einen Garten. Mein Mann hat mit bereits ein Hochbeet angelegt, in dem ich unser eigenes Gemüse anbauen werde. Früher, auf unserem Balkon, habe ich auch Tomaten und Kräuter selbst angebaut. Das werde ich auch weiterhin machen. Zudem planen wir 3 verschiedene Obstbäume, die dann hoffentlich auch in einigen Jahren tragen, sodass wir hier auch selbst ernten und auf Transport, Verpackung und entsprechend Müll eingekaufter Waren verzichten können. Ich selbst bin auf dem Land aufgewachsen und kenne das „eigene Anbauen“, das war für unsere Familie ganz „normal“. Heute weiß ich das wieder sehr zu schätzen. Urban Gardening im kleinen kann auch nicht nur Spaß machen und Kindern den Wert der Lebensmittel vermitteln, sondern einen selbst auch viel Entspannung bringen.

    Mit kleinen Schritten kann man etwas bewirken. Es gibt so viele Möglichkeiten. Nur leider, stelle ich in meinem Umfeld immer wieder fest, macht sich da ansonsten keiner groß Gedanken drum oder man wird für sein „Öko-Getue“ schräg angeguckt.

    Liebe Grüße
    Anna

    http://stil-box.net/

  • Desirée sagt:

    Hallo Dani,
    ja das Thema ist schon sehr interessant und sollte viel mehr zu Bewusstsein geführt werden.
    Allerdings ist die Problematik vor allem auch dadurch bedingt, dass vieler Müll in der Umwelt landet. Egal wo man ist, überall liegen Tüten und andere Plastikgegenstände.
    Wenn ein Kinderwagen Plastikteile hat oder die Windeln nicht recylebar sind finde ich das völlig in Ordnung. Zumal nicht jeder sich einen sehr teueren Kinderwagen ohne Plastikelemente leisten kann. Manches ist leider dann doch nicht so qualitativ wertvoll (ich denke, man macht seine eigenen Windelerfahrungen). Auch Spielzeug: ich wette, dass man irgendwann auch auf Plastik zurückgreift. So schön Ostheimertiere auch sein können, Kinder wollen eben nicht nur mit ständigem biologischen oder stets pädagogisch wertvollen Spielzeug spielen. Zumal es einfach Spielzeug wie Lego, Playmobil, Puppen etc. gibt, die nun mal einfach aus Plastik sind und auch ihre Berechtigung haben.
    Ich persönlich, aus einer ökologisch-bewussten aufgewachsenen Familie, finde, dass es selbstverständlich sein muss, etwas mehr auf seine Umwelt zu achten. Allerdings finde ich es schwachsinnig, den bereits verwendeten Plastikmüll im Geschäft zu hinterlassen: Den Müll gibts dennoch und man selbst muss evtl mehr spülen, doch nocheinmal Papier nehmen etc.- Aber man kann z.B. einfach auf Plastiktüten verzichten bzw. einfach Mehrwegtüten zu nehmen.
    Auch bei Kleidung: Selbst wenn man ökologische Kleidung nutzt, sind die Farben oftmals problematisch.
    Der Mensch schreitet in seinem Konsum-Verhalten halt immer weiter fort. Das ist wohl Teil dieser globalen Welt- Mal schauen, wie lange die Erde die Menschen noch verträgt.

  • knittiongwoman sagt:

    Deine Ansätze sind sehr gut, aber verabschiede dich von dem Gedanken, ein Kind spielt nur mit Holz.
    lg
    knitingwoman

  • Franziska sagt:

    Liebe Autorin,

    als Wissenschaftlerin, die sich täglich mit Kunststoffen beschäftigt, finde ich solch polemischen Verallgemeinerungen zum Thema Kunststoff sehr fragwürdig. Ich weiß zwar, welche Intention dahintersteht, ich kann sie teilweise nachvollziehen und auch ich versuche Verpackungskunststoffe im täglichen Gebrauch zu minimieren etc..

    Aber: Kunststoffe sind nicht gleich Kunststoffe. Die Bandbreite ist so vielfältig wie die Menschheit selbst und es wird sehr viel Geld und Energie in die entwicklung neuer Kunststoffe gesteckt, um bessere Werkstoffe zu erhalten. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass es bereits sehr gut abbaubare Kunststoffe gibt, die zum Teil auch auch natürlichen Rohstoffen polymerisiert werden. Wie so oft gilt: Es ist bereits viel möglich, aber nicht im Sinne der Hersteller von „herkömmlichen“ Kunststoffen bzw. auch politischen und/oder finanziellen Hürden.

    Ich bin kein Freund einer pauschalen Verurteilung: Das ist gut, das ist schlecht. Bitte mehr Differenzierung!

  • Claudia sagt:

    ohja der ganze plastikmüll… mehr als nur eine schande. ich finde bloß, dass es in dieser welt so viele baustellen gibt: nicht nur müll, umweltbelastung durch übermäßiges CO2, armut, hunger, tiersterben… wo soll man da anfangen zu helfen und als otto-normalverbraucher endet es dann meist damit, dass man sich doch nur um seine eugenen kleinen problemchen kümmert. schade und traurig aber wahr. umso besser ud wichtiger, dass menschen wie ihr, die ihr mit einer erhöhten internetpräsenz menschen erreicht auch auf soetwas aufmersam macht und informiert..
    schöner artikel! danke dafür. grüße vom dolomiten wandern
    Claudia

  • Elena sagt:

    Hallo,
    ich finde es vorbildlich, dass Ihr soweit wie möglich auf Plastik verzichten wollt. ich nutze beispielsweise sehr gern Stoffbeutel, das ist nicht nur auf Dauer billiger und umweltschonender, sie sind auch viel stabiler ;) Darf ich fragen, für welchen Kinderwagen Ihr Euch entschieden habt? Ich kenne gar kein Modell ohne Plastik.

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.