Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Kleine Design-Kunde: Der Biedermeierstil

In unserer kleinen Umfrage vor Weihnachten haben sich viele von Euch mehr Informationen über Wohnklassiker auf dem Lady-Blog gewünscht. Deshalb werden wir uns hier in Zukunft auch verstärkt mit Möbeln und Innenarchitektur auseinandersetzen. Als Grundlage für jede Beschäftigung mit Design dient jedoch ein fundiertes geschichtliches Wissen. Wir starten heute darum mit einer kleinen Abhandlung über den „typisch deutschen“ Biedermeierstil und seine wichtigsten Erkennungsmerkmale. Biedermeiermöbel zeichnen sich durch ihre schlichte Eleganz aus. Sie dienten weniger der Repräsentation sondern waren Ausdruck des Bestrebens nach Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit.

Die Such nach der heilen Welt

Als „Biedermeier“ wird die Zeit zwischen 1815 (Wiener Kongress) und 1848 (Beginn der bürgerlichen Revolution) in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet. Im Mittelpunkt der Bewegung stand die bürgerliche Mittelschicht, die für ihre Rechte kämpfte und eine eigene Kunst und Kultur entwickelte, beispielsweise in der Hausmusik, der Mode und vor allem der Innenarchitektur. Die Vertreter des Biedermeiers suchten eine heile Welt und fanden sie vor allem im Privaten und Häuslichen. Da es in den eigenen vier Wänden gemütlich zugehen sollte, dienten die Möbel vor allem funktionellen und nicht in erster Linie repräsentativen Zwecken. Das wichtigstes Möbelstück war ein meist runder oder ovaler Tisch mit schwerem Mittelfuß, an dem sich die Familie „im häuslichen Glück“ versammelte.

Neben zierlichen Stühlen und kleinen Sofas spielten Kleinmöbel wie Nähtischchen, Kommoden und Sekretäre eine große Rolle. Die sparsam verzierten Möbel waren umrahmt von Stoffen und Tapeten in freundlichen Farben, häufig mit geblümtem Streifenmuster. Als Wanddekor dienten kleine Scherenschnitt-Bilder.

An folgenden Merkmalen könnt Ihr Biedermeiermöbel erkennen:

  • klare Formen mit wenigen, schlichten Zierelementen
  • wie zurückgenommene, vereinfachte Formen des Empire
  • große, polierte Möbelflächen
  • intensive Wirkung der Holzmaserung
  • Holzmaserung oft spiegelbildlich anordnete
  • Holzkontraste in hell und dunkel
  • Beliebte Hölzer waren in Süddeutschland beispielsweise Kirschbaum und Nussbaum
  • in Norddeutschland Birke und Mahagoni
  • Möbelstoffe sind häufig geblümt und gestreift, bevorzugt in grün und blau

biedermeier

Die Firma Antik Held hat sich auf Biedermeier-Möbel spezialisiert und restauriert nicht nur antike Möbel sondern fertigt auch Biedermeier-Möbel nach Maß an. Die abgebildeten Biedermeier-Stühle bekommt Ihr ab 299 Euro

Foto oben: Museum Langes Tannen Uetersen – Biedermeier-Wohnzimmer um 1830/Foto-Credit: Wikipedia

4 Kommentare
  • Hanna sagt:

    Ein toller Artikel! Zwar freue ich mich auch schon über Einrichtungsinspirationen von eurer Seite, ich finde es aber eine mindestens ebenso gute Idee, ganz allgemein verschiedene Design-Epochen und -Stile mit ihren Charakteristika vorzustellen. Diese Reihe bitte unbedingt weiterführen ;-)

    Liebe Grüße
    Hanna

  • Sonja sagt:

    Der Artikel gefällt mir auch sehr. Mal was anderes hier im Lady-Blog. Sowohl die Fotos als auch die Beschreibung der Stilmerkmale erinnern mich stark an die – auch heute als Reproduktion noch sehr gefragten – englischen Regency-Möbel, wenn diese auch eher aus Eibe und Mahagoni gefertigt werden. Was ist nun genau der Unterschied zum deutschen Biedermeier?

  • Dani sagt:

    Liebe Sonja,

    naja, der Biedermeier ist, wie Du schon sagst, ein Stil der sich ausschließlich auf das deutschsprachige Gebiet beschränkt. Er war aber eindeutig beeinflusst vom französischen Empire und vom englischen Regency Stil (beides ca. 1800 bis 1830), die stark auf klassische griechische und ägyptische Formgebungen zurückgriffen. Von beidem hat der Biedermeier Formen übernommen, sie dann aber auf das Wesentliche reduziert.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • antikheymann sagt:

    Die Reduktion des Biedermeiers ist der Formsprache der Gegenwart sehr nahe und wohl deshalb auch so beliebt.

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