Bücher über Japan: Spielplatz der Götter, Fuchs und Dr. Shimamura

Woher meine Begeisterung für Japan rührt – schon von klein auf – kann ich gar nicht sagen. Ich liebe Kimonos, japanisches Essen, Kalligraphie, manchen japanischen Film, die gesamte Ästhetik. Sogar einen Ikebana- und einen Origami-Kurs habe ich gemacht. Und ich möchte schon seit langem unbedingt nach Japan reisen. Bis das coronabedingt wieder möglich sein wird, tröste ich mich mit Literatur aus und über das Land meiner Sehnsucht: „Der Spielplatz der Götter“ von Natsu Miyashita und „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ von Christine Wunnicke. von Sybille

1. Natsu Miyashita: Der Spielplatz der Götter

„Der Gott der Gelegenheit ist am Hinterkopf kahl. Wenn er an dir vorbeigegangen ist, ist es zu spät, ihn am Schopf zu packen.“- Allein für diesen Satz hat sich der Kauf von „Spielplatz der Götter“ schon gelohnt. Die Bestsellerautorin Natsu Miyashita hat darin in Tagebuchnotizen ihren Alltag in einem kleinen Bergdorf in Hokkaido festgehalten. Hierhin war sie 2013 aus der Großstadt mit Mann und drei Kindern gezogen. Sie kommen aus dem perfekt organisierten japanischen Alltag in ein Bilderbuchidyll und lernen im Dorf – ganz untypisch für Japan – Freiheit kennen. In dieser Welt sorgen die Jahreszeiten, die Natur oder Schulfeste für Struktur. Vor allem die Kinder können sich in ihrer Zwergschule so entfalten, dass einem angesichts des deutschen Schulsystems die Tränen kommen. Völlig ohne Zwang, ohne den ständigen Prüfungsdruck, ohne Nachhilfestunden und Clubverpflichtungen. Und am Ende steht die Familie vor der Entscheidung zu bleiben oder ins alte Leben zurückzukehren. Was sie tun? Lest selbst nach.

Natsu Miyashita: Der Spielplatz der Götter

„Spielplatz der Götter“ von Natsu Miyashita ist im Cass Verlag erschienen – der sich im übrigen auf japanische Literatur spezialisiert hat – und kostet 20 Euro

2. Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura

Der kleine Roman „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ der deutschen Autorin Christine Wunnike ist ganz anders gelagert: Dr. Shimamura (ein japanischer Neurologe, den es wirklich gab) reist gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die japanische Provinz. Hier will er das Krankheitsbild der „vom Fuchs besessenen“ untersuchen (dabei handelt es sich um Menschen mit auffälligem Verhalten), scheitert allerdings an der Behandlung einer Patientin. Daraufhin reist er nach Europa, um in Paris bei einem anerkannten Wissenschaftler zu lernen. Letztendlich kehrt er nach Japan zurück, um zurückgezogen mit Frau, Mutter, Schwiegermutter und Haushälterin zu leben. Das Buch erzählt in wunderschöner Sprache von spannenden, exotischen Ereignissen und man lernt einiges über japanischen Volksglauben und die Scharlatanerie westlicher Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts. Ebenfalls eine klare Leseempfehlung!

Christine Wunnicke: Der Fuchs und Dr. Shimamura

„Der Fuchs und Dr. Shimamura“ von Christine Wunnicke ist im Berenberg-Verlag erschienen und kostet 16 Euro

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4 Kommentare
  • Dani sagt:

    Liebe Sybille,

    wie interessant, „Der Spielplatz der Götter“ klingt ja nach Waldkindergarten und sehr europäisch – ich wusste gar nicht, dass es so eine naturnahe Pädagogik in Japan auch/noch gibt.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Sybille sagt:

    Liebe Dani,
    ich war auch ganz perplex, dass es sowas in Japan gibt. Der kleine Ort, in dem die Familie gelebt hat, ist aber auch weit ab vom Schuss und in der Schule waren immer nur insgesamt 15 SchülerInnen.

    Lieben Gruß
    Sybille

  • Virginia Landau sagt:

    Liebe Sybille,

    ein schöner Beitrag ist das! Vor allem das Buch „Der Spielplatz der Götter“ hört sich nach einem Buch an, dass ich unbedingt lesen muss!

    Als ich vor 20 Jahren (ist das wirklich schon so lange her???) an einem Brasilienaustausch teilgenommen habe, war ich bei einer japanstämmigen Gastfamilie untergebracht. Dadurch konnte ich vieles sowohl über die brasilianische als auch die japanische Kultur lernen.
    Ein wirklich spannendes Thema!

    Ganz liebe Grüße,
    Virginia

  • Sybille sagt:

    Liebe Virginia,

    „Der Spielplatz der Götter“ ist wirklich großartig und in so hübschen kleinen Tagebuch-Happen verpackt, die man einfach mal zwischendurch für die Steigerung der Laune zu sich nehmen kann.

    Liebe Grüße
    Sybille

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