Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
modedesign

Modedesign-Student Wiktor mit einer seiner Kreationen/Foto: Chantal Weber

Für den Lady-Blog haben wir mit Lena Hoschek und Tian van Tastique gesprochen – Designer, die sich bereits einen festen Platz in der Modewelt gesichert haben. Diesmal aber wenden wir uns der Nachwuchsriege zu und möchten Euch Wiktor vorstellen, der im zweiten Semester Modedesign am Design Department Düsseldorf studiert. Er erzählt Euch von seinem harten, aber schönen Studentenalltag und seinem beruflichen Traum. von Tonia Trappe

 

Wiktor, warum studierst Du Modedesign, wie bist Du dazu gekommen?

Ich wollte schon immer etwas Kreatives machen! Damals als kleiner Junge habe ich mit meiner Großmutter schon auf Zeitungen genäht, die war auch in der Branche tätig. Und ich sehe die Möglichkeit, der Welt etwas durch meine Mode zu sagen. Ich will die Leute auf Dinge aufmerksam machen, die sie normalerweise verdrängen.

 

Künstlerberufe werden ja oft mit Sorge betrachtet. Wie bist Du mit Deiner Entscheidung bei Familie und Freunden angekommen, welche Reaktionen gab es?

Die haben mich allesamt bestätigt: „Wenn nicht Du, wer dann?“ Für mein Umfeld war mein Berufswunsch klar, ich habe mich schon vorher mit Mode beschäftigt, gern Sachen kombiniert. Und meine Freunde fanden es einfach toll, einen Kumpel zu haben, der Modedesign studiert!

 

Hast Du Dich speziell auf das Studium vorbereitet?

Zunächst habe ich mich in Berlin an der UDK beworben, da gab es eine Hausaufgabe als Aufnahmekriterium. Dort hat es aber leider nicht geklappt. Für das Design Department habe ich eine Eignungsmappe erstellt und einfach probiert, ob die mich nehmen. Ich habe mich nur um die Aufnahmeprüfungen gekümmert, eine spezielle Vorbereitung gab es nicht.

 

Und wie sieht Dein Studienalltag aus? Wie ist die Relation von Theorie und Praxis und was genau kann man sich darunter vorstellen?

Das Besondere am Design Department ist, dass wir unheimlich viel praktisch arbeiten. Daneben haben wir Fächer wie Kunst- und Kostümgeschichte, Textiltechnologie, Kommunikations- und Multimediadesign. Der Unterricht beginnt meistens sehr früh und endet spät. Zu Hause geht es dann weiter: Ideen entwickeln, recherchieren und vor allem im Auge behalten, was die Konkurrenz macht.

 

Das Modegeschäft ist ein umkämpftes Feld. Vermittelt das Studium auch gezielte Vermarktungskenntnisse für den eigenen Imageaufbau und Werbemaßnahmen?

Ich bin ja erst im 2. Semester, da konzentrieren wir uns mehr auf Ideenentwicklung. Aber später, so ab dem 3. Semester, beschäftigen wir uns dann damit, wie man Businesspläne erstellt und sich selbst präsentiert, um bei potenziellen Arbeitgebern gut anzukommen. Schritt für Schritt werden wir für die Zeit nach dem Studium und das Arbeitsleben in der harten Branche vorbereitet. Dazu gehört beispielsweise auch die Kalkulation für den Kostenaufwand einer Kollektion oder wie man geeignete Locations wählt, um sie zu präsentieren.

 

design department düsseldorf

Wiktors Stil ist eher düster und orientiert sich beispielsweise an Alexander McQueen/Foto: Chantal Weber

 

Hand auf’s Herz: Stehst Du im Studium unter einem großen Erfolgsdruck?

Das ist periodenabhängig. Im normalen Alltag hat man Spaß und lässt sich auch mal fallen, aber kurz vor den Präsentationen auf den Shows ist der Druck enorm. In unserem Geschäft ist es wichtig aufzufallen, jeder will natürlich das Beste von sich zeigen. Am Ende sind alle auf sich selbst fokussiert und wollen einfach ihr Ding durchziehen.

 

Hast Du ein paar Strategien um den Stress zu kompensieren?

Naja, in der Prüfungszeit hat die Show die höchste Priorität, dafür vernachlässige ich schon mal mein Umfeld. Man befindet sich wie im Tunnel, nur noch das Projekt zählt und man versucht, das Ende so strikt und reibungslos zu erreichen wie möglich. Schlaf wird in dieser Phase überbewertet. Meine Strategie ist es, mein inneres Ziel klar im Auge zu behalten und dauernd zu fokussieren, wofür ich das alles auf mich nehme. Man will am Ende nach der Arbeit des ganzen Semesters nicht einfach aufgeben und so gut wie möglich abschließen.

 

Wow, das klingt nach einer Menge Durchhaltevermögen. Was ist denn eigentlich Deine Lieblingsmoderichtung, welchen Designer hast Du als Vorbild?

Wir sind gerade noch dabei, unsere Stilrichtung zu finden und unsere eigene Handschrift zu entwickeln. Man saugt alles in sich auf wie ein Schwamm. Aber ich favorisiere dramatische, düster angehauchte Kollektionen mit Symbolkraft und Tiefe. Beispiele sind Alexander McQueen oder Rick Owens. Ich mag den Mix aus Eleganz und natürlicher Authentizität.

 

Und was ist karrieretechnisch Dein Ziel, wo siehst Du Dich in der Zukunft?

Das kann ich noch gar nicht so genau sagen. Mein Ziel ist die Selbstständigkeit, aber dazu muss ich nach dem Studium erst einmal Erfahrungen sammeln. Mein großer Traum ist es natürlich, eine Kollektion in meiner Lieblingsstadt Paris zu präsentieren!

Wiktor, vielen Dank für das Interview!


3 Kommentare
  • Lisa sagt:

    Danke für den schönen Einblick in das Studium! Ich überlege nach dem Abi auch Modedesign zu studieren…

  • Sybille sagt:

    Liebe Tonia,

    ein tolles Interview, das auch zeigt, wieviel Arbeit man in ein Modedesign-Studium stecken muss.

  • Dani sagt:

    Tolle Fotos und ein interessantes Interview – ich wünsche Dir alles Gute Wiktor und hoffe, wir werden bald noch mehr von Dir hören! :-)

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