Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Hochzeitsspecial Teil 2: Die Garderobe des Herren

Zwei meiner besten Freunde heiraten heuer und da ich den beiden sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite stehe, stundenlang Hochzeitsblogs und Kniggeratgeber gewälzt habe, möchte ich Euch meine gesammelten Informationen nicht vorenthalten. Am Donnerstag habe ich darum eine kleine Serie mit den schönsten Hochzeitsmessen begonnen, heute geht es weiter mit der Hochzeitsbekleidung des Herren. Als Faustregel könnt Ihr Euch merken: Ab 18 Uhr wird ein Frack oder Smoking getragen, davor macht der Gentleman im Cutaway oder Stresemann die beste Figur.

1. Der König der Herrenbekleidung: Der Frack

Der Frack gilt als König der Herrenbekleidung und wird bei hochoffiziellen Anlässen getragen, wenn ein „großer Gesellschaftsanzug“ bzw. „white tie“ gewünscht ist – neben einer sehr eleganten, formellen Hochzeit kann das beispielsweise der Wiener Opernball sein. Von der Kleidung des Dienstpersonals unterscheidet sich der Frack durch seinen weißen Querbinder. Die schwarze Jacke mit dem knielangen „Schwalbenschwänzchen“ ist vorne taillenkurz geschnitten und wird grundsätzlich offen getragen. Die schwarze Frackhose ist gerade geschnitten und besitzt weder Umschläge noch Bundfalten; an den Seitennähten ist sie mit zwei Seidenbändern – den sogenannten Galons – verarbeitet. Das weiße Frackhemd ist mit Frackknöpfen aus Perlmutt oder Brillanten verziert, besitzt einen Kläppchenkragen – bekannt als „Vatermörder“ – und eine einfache Manschette mit Manschettenknöpfen. Über dem Hemd werden Hosenträger und eine ein- oder zweireihige Frackweste getragen. Die schwarzen Lackschuhe stecken in dunklen Seiden- oder Wollstrümpfen, die bis unter das Knie reichen.

Frack Wikipedia

Als Accessoires dienen dem Herren ein schwarzer Zylinder oder auch die Klappvariante „Chapeau Claque“. Optional sind ein weißer Seidenschal, weiße Glaceehandschuhe, eine Frackuhr mit Kette (eine Armbanduhr gilt als Fauxpas) und ein Frackstock/Bild-Credit: Wikipedia

2. Der Klassiker für den Abend: Der Smoking

Der Smoking gilt als „kleiner Gesellschaftsanzug“ und wird wie der Frack erst nach 18 Uhr getragen. Erwünscht ist er bei „black tie“-Veranstaltungen und wird mit einem schwarzen Querbinder getragen. In Großbritannien heißt der Smoking übrigens „Dinner Jacket“ und in den USA „Tuxedo“. Das schwarze oder mitternachtsblaue Smokingjacket ist ein- oder zweireihig, ohne Rückenschlitz, mit einem Schließknopf und einem steigenden Spitzrevers oder Schalfasson aus Seidensatin versehen. Die gleichfarbige, aufschlaglose Hose besitzt einfache Besatzstreifen und wird  – je nach Gusto – mit Hosenträgern oder einem Kummerbund gehalten. Das Smokinghemd ist weiß, mit Kläppchenkragen oder klassischem Umlegekragen sowie mit Umschlagmanschetten versehen. Die Knopfleiste ist verdeckt oder nutzt Steckknöpfe wie beim Frack. Zum einreihigen Smoking wird eine ein- oder zweireihige Weste aus dem gleichen Material wie Hose und Jacke kombiniert. Beim zweireihigen Smokingjackett kommt weder Weste noch Kummerbund zum Einsatz, da die Jacke immer geschlossen bleibt.

Zum Smoking trägt der Herr ein Einstecktuch aus Leinen oder Baumwolle und schwarze, knielange Seidenstrümpfe, die entweder in Opernpumps oder in schwarzen Schnürschuhen mit dünner Ledersohle stecken – auf Hochglanz poliert oder mit einem Schaft aus Lackleder

3. Der festlichste Tagesanzug: Der Cutaway

Der Cutaway ist – als Gegenstück zum Frack – der festlichste Tagesanzug. Er wird heute sehr gern bei Adelshochzeiten und in Ascot getragen – allerdings nur bis 18 Uhr. Der Begriff „Cutaway“ leitet sich von den abgeschnittenen Ecken des Gehrocks ab, im Englischen wird allerdings der Name „Morning Coat“ verwendet. Der festliche Tagesanzug besteht aus einem anthrazitfarbenen Gehrock mit rundem Abstich – der Bräutigam darf auch zu einer hellgrauen Variante greifen – einer schwarz-grau gestreifen (Stresemann-)Hose und einer hellgrauen oder farbigen Weste. Dazu trägt der Herr ein weißes Hemd, knöchellange weiße Wollstoff-Gamaschen mit Steg zu schwarzen Schuhen und eine silbergraue Krawatte bzw. einen Plastron. Als Accessoires dienen dem Gentleman ein schwarzer oder silbergrauer Zylinder sowie ein weißes Einstecktuch oder – noch schöner – eine weiße Chrysantheme im Knopfloch.

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Zwei schottische Gentlemen im Morning Coat/Bild-Credit: Fredrik Tersmeden – Wikipedia

4. Der Klassiker für den Tag: Der Stresemann

Der nach Gustav Stresemann benannte Anzug hat weniger offiziellen Charakter als der Cutaway. Im Parlament herrschte zu seiner Amtszeit Anfang der 20er Jahre noch die Pflicht, einen Cutaway zu tragen. Stresemann war der formelle Anzug im Regierungsalltag allerdings zu unpraktisch und so tauschte er, wenn er die Reichskanzlei betrat, den Cut gegen eine dem Gehrock ähnliche Jacke mittlerer Länge. Die gestreifte Hose trug er weiterhin, sparte sich so das Aus- und Anziehen einer anderen Hose und Weste und war auf diese Weise gleichzeitig elegant und bequem gekleidet. Heute trägt man zum etwas kürzeren, einreihigen schwarzen oder antrazitfarbenen Sakko mit steigendem Revers eine schwarz-grau-gestreifte Hose, eine hellgraue Weste und schwarze Schuhe. Das weiße Hemd besitzt Umschlagmanschetten. Die silbergraue Krawatte kann mit oder ohne Krawattennadel getragen werden.

5. Eine Alternative für den ganzen Tag: Der Gehrock

Ein Gehrock vermeidet organisatorische Kleidungswechsel-Probleme, denn er kann sowohl am Tag als auch am Abend von Euch getragen werden. Er ist etwa zehn Zentimeter länger als ein normales Sakko – maximal knielang – besitzt einen geraden Saumabschluss und einen Rückenschlitz. Außerdem werden speziell für Hochzeiten auch Hochzeitsanzüge angeboten. Inzwischen sind auch viele Herren dazu übergegangen, den Smoking bei einer Hochzeit auch am Tage zu tragen. Das Protokoll lässt dies eigentlich nicht zu, allerdings kann man bei einer Hochzeit wohl eine Ausnahme machen. Zum Schluss noch ein Tipp am Rande: Auch wenn Ihr keine Lust habt, Euch zwischendrin umzuziehen, solltet Ihr ein zweites, frisches weißes Hemd dabei haben, im Laufe des Tages werdet Ihr sicherlich noch dankbar dafür sein.

Bild-Credit Hochzeitspaar: Shutterstock.com

16 Kommentare
  • Charlotte sagt:

    Eine tolle Übersicht, vielen Dank dafür! Ich bin ja ein Fan vom Cutaway ♥

    Viele liebe Grüße, Charlotte

  • Brockdorff sagt:

    Wenn heiraten, dann richtig: hinein in den Cut!

  • Dani sagt:

    Liebe Charlotte, lieber Brockdorff – ich kann Euch nur zustimmen! ;-)

  • Constanze sagt:

    Ein sehr schöner Artikel!

    Nicht zu vergessen, der Gast trägt traditionell immer eine Kategorie unter dem Bräutigam… kompliziert, wenn der im Anzug heiratet. ;)

  • Brockdorff sagt:

    Man kann aber auch in Uniform heiraten.. Um in den Genuss der Heirat im kleidsamen Rocks zu kommen,muss man aber nicht zwingend aktiver Soldat sein. Ein Reservedienstgrad tut es auch ( also auch der ,,klassische“ Wehrdienstler Obergefreiter der Reserve ).

  • Caroline sagt:

    Sehr schön, Constanze :)

  • Jonathan sagt:

    Guter Artikel. Diesen werd ich meinen WG-Mitbewohner gleich mal weiterempfehlen, denn er heiratet im Sommer. Was trägt man eigentlich als Gast auf einer Hochzeit? Macht es einen großen Unterschied, ob man dem Paar sehr nahe steht (Verwandtschaft oder beste Freunde) oder einfach nur als ein Bekannter (oder Wild-Card-Gewinner) eingeladen wurde?

  • MissAnn sagt:

    Da möchte ich doch glatt heiraten.. :)

  • Dani sagt:

    Lieber Jonathan,

    ob Du dem Paar nahe stehst oder nicht macht m.E. keinen Unterschied, gut gekleidet darfst Du immer sein! Und wie Constanze schon oben schrieb: Als Gast kleidest Du Dich immer eine Kategorie unter der des Bräutigams. Du solltest also in Erfahrung bringen, welcher Dresscode herrscht. Mit einem eleganten, perfekt sitzenden Anzug kannst Du aber nie etwas falsch machen – vielleicht mal was schneidern lassen? :-)

    http://www.dolzer.com/

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Maja sagt:

    Liebe Dani, lieber Jonathan,

    genau die Frage habe ich mir auch gestellt und ich hoffe es gibt noch ein Spezial für die Gäste. Wir sind im Sommer/August zu einer Hochzeit eingeladen mit dem Stichwort „Sommerlich Chic“. Ich will aber auch nicht im Baumwollkleid kommen und habe noch keine rechte Idee zum Kleid :)

    Grüße
    Maja

  • Sandra T. sagt:

    Ich finde Brokatstoffe in hellen Tönen, pastell- oder bonbonfarben, gemixt mit dem typischen Brokat-Glanz in die Silber- oder Goldrichtung, ganz wundervoll für die weiblichen Gäste, auch und gerade im Sommer.
    Und ich kann mich erinnern, dass Dani hier mal eine Auswahl wunderbarer Kleider vorgestellt hat, bei denen ich spontan dachte: Wow, das ist was wenn man mal auf eine chice Hochzeit eingeladen ist:
    Der Titel lautete
    „Der Freitagsfund: Abendkleider: Abendkleider von CRUSZ Berlin“.
    Vielleicht eine Inspirationsquelle für alle Lady-Hochzeitsgäste?
    Viel Spaß auf den Hochzeiten wünscht
    Sandra T.

  • Dani sagt:

    Liebe Maja, liebe Sandra,

    ich stelle gerade mein Outfit für die Hochzeit am Samstag zusammen und NATÜRLICH wird es dazu dann auch einen Beitrag geben! :-) So viel sei schon verraten: Das Kleid ist grün. :-)

    Herzliche Grüße
    Dani

    PS: Hier geht’s zum erwähnten Beitrag: http://www.lady-blog.de/der-freitagsfund-abendkleider-von-crusz-berlin/

  • Bei einer Hochzeit ist der festlichste Dresscode „Cut“: die Herren eben im Cut, die Damen im knielangen Kleid mit Kurzmantel oder Blazer drüber, Hut. Passt übrigens auch bei einer Taufe ;-) Brokatstoffe sind wirklich immer schön!
    Uniform für die Herren geht natürlich ebenfalls.
    Alternativ dazu der dunkle Anzug. Aber gibt es nicht ohnehin 1000 Gelegenheiten für einen dunklen Anzug?
    Liebe Grüße,
    Claire

  • Constanze sagt:

    Ihr Lieben, beim Dresscode sommerlich chic würde ich zu einen farbigen Sommerkleid greifen. Mein Rosagraues durfte schon auf diversen Hochzeiten am Nachmittag tanzen. Man muss aber darauf achten, dass es trotzdem noch chic ist und nicht nur sommerlich. Oft machen die Accessoires schon eine Menge aus. Stola, Pumps und Täschchen sind schon etwas anderes, als Jacke, Sandale und Beachbag ;-)

  • Constanze sagt:

    Kleiner Nachtrag, der Herr sollte nachmittags nicht unbedingt zum dunklen Anzug greifen. Grau, taupe, beige, ach auch für euch gibt es so viel neben blau und schwarz :-)

  • Sandra F. sagt:

    Gerade wenn die Männer sich besonders schick kleiden sollen/ möchten findet man relativ schwer Accessoires wie Kummerbunde, Ascot-Krawatten, Hosenträger. Wir waren mal auf eine eher ausgefallene Hochzeit eingeladen, wo es richtig schick zuging (britisch, 40er Jahre). Mein Frund und seine Kumpels haben relativ viel von Andrew’s Ties gekauft. Ist auch von der Qualität und vom Preis her ok.

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