Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler in München

Heute sind wir zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler. Im Jahr 2000 erfüllte sich die Mutter von vier Töchtern mit der Gründung von Indian Affairs einen Traum und bringt seitdem indische Schals und klassische Kinderkleidung nach Deutschland. Besonders am Herzen liegen ihr eine faire Produktion und Wertschöpfungskette. Außerdem engagiert sich Dagmar beim Barefoot College und ermöglicht vor allem Mädchen aus der Kaste der Unberührbaren eine Schulbildung. Ihre wunderschöne Altbauwohnung in München-Schwabing ist geprägt von ihrer Liebe für Indien.

Liebe Dagmar, wie würdest Du Deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Mein Stil ist klassisch mit einer großen Vorliebe für Bücher und Kunst, hauptsächlich aus Asien, die ich auf vielen Reisen gesammelt habe. Meine Altbauwohnung im Herzen von München-Schwabing verfügt über hohe Decken und viel Licht, mein Einrichtungsstil mit hochwertigen Materialien ist eher klar und minimalistisch nach dem Motto: weniger ist mehr. Viele Bücher, Bilder, Vorhänge und Kerzen lassen die Räume aber trotzdem gemütlich wirken. Grundsätzlich liebe ich klare Linien, Licht und Räume, die nicht vollgestellt sind. Das kommt auch meiner Ordnungsliebe entgegen.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Dagmar von Tschurtschenthaler

Inwieweit hat Deine Liebe für Indien Einfluss auf Deine Wohnungseinrichtung?

Bereits auf meiner ersten Indienreise vor 40 Jahren erlag ich der Kunstfertigkeit indischer Schals, der Leuchtkraft ihrer Farben und Designs. Diese Farben und Muster finden sich in jedem Raum auf unterschiedlichen Plaids auf jedem Sofa wieder. Auch die klassische indische Handwerkskunst hat mich immer fasziniert: große Vasen mit floralem Muster wurden zu Lampenfüßen, eine Sammlung kleiner Taschen für Bethel, Tabak und Gebetsutensilien ziert eine Wand des Flurs. Mein ganzer Stolz ist ein alter, großer Wandbehang in meinem Büro. Er zeigt auf Stoff gemalt den indischen Gott Krishna mit seinen Gespielinnen. Durch die Doppelflügeltüren, die alle Räume verbinden, ist er von überall zu sehen.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

In welchem Zimmer hältst Du Dich am liebsten auf?

Mein Favorit ist das Esszimmer, der mittlere von drei großen, mit Flügeltüren verbundenen, Räumen. Er ist quadratisch mit aufwendigem Stuck verziert, große Fenster sorgen für einen warmen Lichteinfall am Nachmittag. Mittelpunkt des Raums und zugleich der ganzen Wohnung ist ein 2×2 m großer Esstisch aus Holz mit Wurzelholz-Einlagen, an dem bis zu zehn Personen Platz haben. Tradition haben seit Jahren meine Einladungen zum Brunch am Wochenende, bei denen sich die Familie zu einem vergnüglichen Austausch an diesem Tisch zusammensetzt. Sehr gerne habe ich regelmäßig auch liebe Freunde als Gäste zu Abendessen, bei denen viel gelacht und viel diskutiert wird. Ein weiterer Lieblingsplatz ist mein Küchen-Balkon mit Blick in den ruhigen Garten des Hinterhofs. Mitten im Trubel der Stadt mit einem Cappuccino in der Hand bei Vogelgezwitscher die Zeitung lesen zu können, empfinde ich als ein großes Privileg.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Woher beziehst Du Deine Möbel und Einrichtungsgegenstände?

Sie sind hauptsächlich Erbstücke, die aus der Familie stammen, kombiniert mit einigen hochwertigen modernen Klassikern, wie den bequemen großen Leder-Sofas des Wohnraums. Aber auch Einrichtungsteile des bekannten schwedischen Möbelhauses finden sich in der Wohnung, viele Billy-Bücherregale und meterlange Garderoben- und Kleiderschränke. Die bodenlangen Vorhänge des Wohnraums, Esszimmers und Büros in einem Natur-Ton wurden nach eigenen Vorstellungen angefertigt. Um sie bei der Raumhöhe von 3,60 m nicht zu flächig erscheinen zu lassen, machte ich mich auf die Suche nach einer zur Wandfarbe passenden Borte, ohne zu ahnen wie schwierig das werden sollte.

Wo lässt Du Dich inspirieren?

Auf Reisen, vor allem in Asien, Indien und Bali, aber auch in Marrakesch lassen sich immer neue Farben und Muster entdecken, Stoffe mit anderen Webarten und Strukturen fühlen. Besonders kleinere Familienunternehmer mit einer Tradition in der Produktion eines lokalen Handwerks ziehen mich magisch an. Bei meinen Reisen nach Indien verbringe ich regelmäßig einen ganzen Tag bei einem Schal-Produzenten, der mir geduldig alle Fragen beantwortet: warum Schals auf beiden Seiten komplett andere Farben aufweisen können ohne Double-Face gewebt zu sein, welche Wichtigkeit der Schussfaden hat, woher das unterschiedliche Kaschmirgarn kommt usw. In kleineren Städten existieren glücklicherweise immer noch Basare nach einzelnen Handwerken: der Holzverarbeiter, Blechschmiede, Schmuckhersteller, Stofffärber. Es lohnt sich, ihnen, wenn möglich, bei der Herstellung zuzuschauen. Denn: Irgendwann werden diese Handwerker ausgestorben und durch eine industrielle Produktion ersetzt worden sein.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Was ist Dir bei Deiner Einrichtung wichtig?

Meine Wohnung ist für mich keine „Wohnung“, sondern mein Zuhause. Sie ist mein Rückzugsort und gibt mir Geborgenheit. Ich bin oft unterwegs und habe auch gerne viele Menschen um mich, freue mich aber immer auch auf die Ruhe und Gemütlichkeit in meinen vier Wänden. Oft sagen Besucher zu mir: die Wohnung passt genau zu dir. So empfinde ich es auch, sie spiegelt meine Person wider: Die meisten indischen Mitbringsel habe ich über Jahrzehnte gesammelt, sie repräsentieren Stationen meines Lebens, sie erzählen Geschichten. Ich erinnere mich an den Herkunftsort, das Stöbern in kleinen Geschäften und Basaren und das Feilschen, bis sie endlich mir gehörten.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Ist Deine Wohnung gleichzeitig auch Dein Onlineshop?

Ja, ich wohne und arbeite in denselben Räumen. Sie bieten unglaublich viel Platz nur für mich und meine Ideen. In meinem Büro werden alle Bestellungen meines Online-Shops „Indian Affairs“ mit großer Sorgfalt abgearbeitet und hier wird auch die Logistik professionell abgewickelt. Der Shop hat eine Größenordnung, bei der die Kunden das Vertrauen haben, dass sie persönlich betreut werden und ihre Wünsche berücksichtigt werden können. Der persönliche Touch zieht sich als roter Faden durch den ganzen Shop: besondere Produkte, garantiert faire Produktion und Überwachung der Wertschöpfungskette, sorgfältige Verpackung und Versendung der Bestellungen und ein persönlicher Kontakt zu sehr vielen Kunden. Oft benutze ich meinen großen Esstisch auch als „verlängerten Arbeitsplatz“ des Büro-Schreibtisches. Hier werden verschiedene Stoffmuster immer wieder verglichen, Proben aus Lieferungen nachgemessen um die Qualität sicherzustellen, neue Trends und neue Kollektionen weiterentwickelt.

Indian Affairs: Zu Besuch bei Dagmar von Tschurtschenthaler

Hast Du noch einen Einrichtungstipp für unsere Leser?

Eine Wohnung will „erwohnt“ werden. Sie muss nicht sofort komplett und perfekt eingerichtet sein, sondern man sollte sich immer die Fragen stellen: Wie möchte ich leben? In welchem Raum halte ich mich am liebsten auf? Meiner eigenen Erfahrung nach lohnt es sich auch, hin und wieder auszumisten, zu überlegen, ob man alle Gegenstände wirklich braucht, die sich über eine Zeit angesammelt haben und die herumstehen. Dazu gehört zwar ein bisschen Mut, aber es lohnt sich! Eine schöne Einrichtung muss auch nicht unbedingt teuer sein: Bunte Kissen oder ein Überwurf geben einem Sofa gleich ein neues Aussehen, eine farbig gestrichene Wand verändert ein ganzes Zimmer.

Danke, dass wir bei Dir hereinspazieren durften, liebe Dagmar!

MEHR ÜBER DAGMAR V. TSCHURTSCHENTHALER:


2 Kommentare
  • Marie W. sagt:

    Wie schön, dass wieder einmal eine Wohnung vorgestellt wird. Die Einblicke in diese schöne Zimmer gefallen mir sehr.

    Marie W.

  • Nicole von Stackelberg sagt:

    Immer wieder interessant einen Einblick in andere Wohnwelten zu bekommen, und so tolle Damen kennenzulernen.

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