Halston: Der Stardesigner der 60er und 70er

Er erfand den Pillbox-Hut für Jackie Kennedy und mondäne Kleider für die Stars der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Tom Ford und Calvin Klein interpretierten seinen Jet-Set-Stil und für sein Gesamtwerk wurde er als Premier Fashion Designer of America ausgezeichnet. Jetzt lässt ein reich bebildertes Buch den Stardesigner Roy Halston Frowick, kurz Halston, wieder aufleben. von Sybille Hilgert

Glamour für den All-American-Look

Roy Halston Frowick, 1932 in Iowa geboren, begann seine modische Laufbahn als Hutmacher in Chicago. 1957 zog es ihn nach New York, wo er zunächst im Edelkaufhaus Bergdorf Goodman an der Fifth Avenue als Hutdesigner anheuerte. Nationale Bekanntheit erlangte Frowick durch den sogenannte Pillbox Hut, den Jacqueline Kennedy 1961 bei der Amtseinführung ihres Ehemannes trug. Da Hüte als modisches Accessoires ab Mitte der 60er Jahre jedoch zunehmend an Relevanz verloren, beschloss Halston auf Kleidung umzusatteln.

1966 stellte er seine erste Kollektion bei Bergdorf Goodman vor. Er kreierte einen völlig neuen minimalistischen Look, den er in luxuriösen Stoffen wie Seide, Kaschmir oder auch Alcantara umsetzte. Es entstanden Halterneckkleider und Jumpsuits mit edel fließenden Silhouetten, Rollkragenpullover, sportliche Hemdblusenkleider, Blazer und Trenchcoats. Dem All-American-Look verlieht er damit eine gehörige Prise Glamour, was seine Kollektionen auch für Stars und Prominente interessant machte.

High Fashion & Easy Chic

In den Hochzeiten des Labels Mitte der 70er-Jahre verkörperten die Entwürfe von Roy Halston den Glamour des legendären Nachtclubs Studio 54. Hier residierte der Designer, selbst Mitglied des Jet Sets, Nacht für Nacht und stellte sich mit Kundinnen wie Liza Minelli, Liz Taylor, Angelica Houston oder Bianca Jagger den Fotografen. Er war mehr als ein Modeschöpfer, denn er vereinte Mode, Kunst und Prominenz lange vor Karl Lagerfeld, John Galliano oder Tom Ford.

Halston entwarf im übrigen auch Uniformen für die New Yorker Polizei, die Pfadfinder oder Flugzeug-Besatzungen. Mit dem Verkauf seiner Namensrechte an Norton Simon Industries und der Kooperation mit einem amerikanischen Discounter verlor die Marke jedoch nach und nach an Attraktivität. Halstons Versuche, die Namensrechte zurückzukaufen, scheiterten. 1984 wurde er entlassen, 1990 starb die Designikone im Alter von 57 Jahren an den Folgen von Aids.

Nachhaltiger Einfluss

Der Einfluss von Halston war allerdings nachhaltig. Tom Ford interpretierte dessen Look bei seinen Gucci-Kollektionen in den 90er Jahren, auch bei Calvin Klein finden sich immer wieder Anklänge an Halston. Die Ernennung Halstons zum „Premier Fashion Designer of America“ im Jahr 1972 durch das Magazin Newsweek, war also durchaus berechtigt. Und auch die Marke lebt weiter, momentan – wie ich finde – attraktiver als je zuvor. 2007 erwarb der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein gemeinsam mit einer privaten Kapitalgesellschaft die Namensrechte an Halston. Der heutige Stil ist eine Kombination aus New York High Fashion, Easy Chic und einem Hauch von Extravaganz. Relativ günstig bekommt man Halston-Modelle bei Yoox.

Buchtipp: Halston-Bildband

Das Buch „Halston“, herausgegeben von Stephen Bluttal, illustriert den Weg des Designers vom Hutmacher zum glamourösen Modemacher und Jet-Setter fast ausschließlich mit Fotos. Das Spektrum reicht von Modenschauen über Prominentenfotos bis hin zu privaten Aufnahmen. Der knapp 600 Seiten starke Bildband vermittelt das Lebensgefühl der 60er und 70er Jahre damit sehr gut. Ergänzt wird die Fotoauswahl durch lesenswerte Essays über Halston, seine Philosophie und seine Kundinnen. Das Buch ist bei Phaidon erschienen. Hier geht’s zur Amazon-Bestellung.

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2 Kommentare
  • Anita sagt:

    Liebe Sybille,

    dein Artikel hat mich heute wirklich sehr gefreut, erst neulich bin ich über den Bildband gestolpert, ich glaube ich brauche ihn unbedingt. Den Halston Stil finde ich sehr inspirierend, v.a. die Kleider gefallen mir sehr gut!

    xxx Anita

  • sybille sagt:

    Liebe Anita,

    ja, das Buch ist wirklich wunderbar und vermittelt das glamouröse Lebens- und Stilgefühl der 70er Jahre sehr gut. Für Fans dieses Stils ist das Buch ein Muss!

    Liebe Grüße
    Sybille

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