Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Green Showroom Fashion Week Berlin

Schande über mich: Vor lauter Doktorarbeitsstress bin ich noch gar nicht dazu gekommen, Euch vom Green Showroom zu berichten. Die grüne Messe fand drei Tage lang während der Fashion Week im Hotel Adlon statt. Ihr erklärte Ziel: Modernes, nachhaltiges und umweltbewusstes Design ausstellen und beweisen, dass Öko durchaus chic sein kann.

Kaum noch ein Modehaus kann sich dem Thema Nachhaltigkeit entziehen

In der eleganten Umgebung des 5-Sterne-Luxus-Hotels Adlon wurden im Green Showroom exklusive Bekleidung, Accessoires, Kosmetik und Lifestyle-Artikel vorgestellt – alles 100 Prozent Öko. Doch schon die Location macht klar, dass Grüne Mode nichts mit sackartiger Kleidung und Jesuslatschen zu tun hat. So durften auf der Messe nur Designer ausstellen, die neben der Nachhaltigkeit und dem Einsatz umweltfreundlicher Verfahren auch einen Schwerpunkt auf ein attraktives Design setzen. „Die Kunden sind nur bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn Design und Qualität stimmen, Nachhaltigkeitsaspekte reichen allein nicht aus“, weiß Jana Keller, Initiatorin des Green Showrooms.

Auf der anderen Seite kann sich heute kaum noch ein großes Modehaus dem Thema Nachhaltigkeit entziehen. „Ein visionäres Unternehmen in der heutigen Welt zu führen bedeutet, die Erde und unsere Ressourcen zu schützen und andere Menschen fair zu behandeln“, sagt Magdalena Schaffrin, Kollegin von Jana Keller. Vor allem viele kleine deutsche Labels zeichnen sich durch hervorragende Arbeitsbedingungen und Bio-Materialien aus. Ein Musterbeispiel ist MURIÉE. In einer über 100 Jahre alten deutschen Strickerei stellt das Unternehmen Pullover, Schals und Jäckchen aus luxuriösen, GOTS zertifizierten Materialien her. Der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, ist ein Textilsiegel, das seit 2008 ein einheitliches Zertifizierungsverfahren in der Herstellung von Ökomode liefert.

MURIÉE green showroom

Bedingung für die Auszeichnung mit dem GOTS-Siegel sind gerechte Löhne, Arbeitsschutz, Vereinigungsfreiheit und Materialien, die mindestens zu 90 Prozent aus Naturfasern hergestellt werden. MURIÉE verkauft beispielsweise diese Jäckchen aus feinster italienischer Kaschmirwolle, gefärbt mit Mohn, Tee oder Holz-Infusionen.

luiza perea green showroomluiza perea

Auch die Designerin Luiza Perea begeisterte mich mit ihren tollen Materialien. Die Brasilianerin verwendet für ihre handgefertigten Taschen, den Schmuck und Schuhe gerne Stoffe, die sonst kaum beachtet werden und die eher als Abfallprodukte gelten. So könnt Ihr bei Luiza Perea beispielsweise Accessoires aus Zuckerrohrfasern oder Schuhe aus Fischleder erwerben. Interessant: Sie erklärte mir, dass sich jede Fischhaut zur Verarbeitung eignet.

studio ecocentric green showroom

studio ecocentric

studio ecocentric green showroom

Das Berliner Label Studio Ecocentric überzeugte mich vor allem durch die schönen Schnitte. Unter dem Titel „Für Immer“ versucht das Unternehmen zeitlose Klassiker zu entwerfen – Originale der 30er bis 70er Jahre werden dafür neu interpretiert. Ihr könnt beispielsweise ein Business-Kostüm aus Schweizer Bio-Baumwolle, einen Morgenmantel aus pflanzengefärbter Seide, aber auch zauberhafte Accessoires, wie das Halstuch Gustave, erwerben.

cocccon

Am meisten angetan hat es mir allerdings die indische Firma Cocccon. Das Unternehmen wurde im vergangenen Jahr vom Designer-Duo Prakash und Anupam gegründet. Die beiden haben in Neu Delhi am National Institute of Fashion Technology studiert, einige Jahre im Ausland gearbeitet und sich dann auf ihre indischen Wurzeln besonnen. Denn die zwei kommen – so erzählte mir Chandra Prakash – aus einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens: Jharkhand. Die meisten Menschen leben dort in extremer Armut. Cocccon alledings stellt dort nun unter menschenfreundlichen Bedingungen unglaublich schöne Seidenschals aus in Handarbeit hergestellter örtlicher Bioseide her.


5 Kommentare
  • Sybille sagt:

    Liebe Dani,

    vielen Dank für den interessanten Bericht. Das Thema Nachhaltigkeit wird sicherlich auch in der Mode weiter an Bedeutung gewinnen. Und wenn Bio so schick daherkommt wie auf den gezeigten Bildern, dann hat das wirklich gar nichts mehr mit dem früheren Müsli-Image gemeinsam. Ich würde mir sofort ein Teil von Studio Eccocentric zulegen. Und die indischen Schals sind sehr schön. Ich bin gespannt, wie Deiner aussieht.

    Liebe Grüße
    Sybille

  • Dani sagt:

    Studio Eccocentric hat auch einen Online-Shop und sogar einige tolle Teile im Sale, wie ich gestern mit Freude festgestellt habe. Z.B. dieses wunderbare Cape. Und ist die Schürze nicht zauberhaft?

  • Sonja sagt:

    Liebe Dani,

    die Tücher von cocccon sind ja wirklich toll. Wo kann man sie denn bestellen/kaufen?

    LG, Sonja

  • Dani sagt:

    Liebe Sonja,

    der Herr Prakash hat mir soeben mitgeteilt, dass die Produktion der Kollektion in 10 Tagen beginnt. Ich halte Euch auf dem Laufenden. :-)

    Viele Grüße
    Dani

  • Julia sagt:

    Liebe Dani,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.
    Die Kollektion von Studio Eccocentric ist toll.
    Habe sofort nach deren Webseite und einem Onlineshop gesucht und gefunden :)
    Zum Thema Nachhaltigkeit: Kein Modehaus wird sich diesem ‚Trend‘ auf Dauer entziehen können.
    Bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und hochwertigere, natürliche Materialien wirken sich ja letztendlich auch auf die Qualität des Endprodukt aus und sind daher unumgänglich.

    Viele Grüße
    Julia von Maxwell Scott Lederwaren

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