Dani
Fuck You 2020? Ähm nein, ganz im Gegenteil!

Der Verlag arsEdition hat kurz vor Jahresende ein Buch mit dem Titel „Fuck You 2020!“ herausgebracht, um sich von einem „gemeinen, fiesen, ungeselligen Un-Jahr“ zu verabschieden. Wir finden nicht nur den Titel befremdlich, sondern sind auch der Ansicht, dass das dem Jahr nicht gerecht wird. Bevor wir uns also jetzt in den Weihnachtsurlaub verabschieden, folgt hier unsere Erklärung, warum wir 2020 trotz allem mochten. Es war sicher kein leichtes Jahr, aber es wird uns immer in Erinnerung bleiben und zwar auch in positiver. von Sybille, Virginia, Alexandra, Sabine und Dani

Wer wollte, konnte aus 2020 viel Positives mitnehmen

Virginia: Dieses Buch propagiert eine Einstellung, die ich persönlich mit am schlimmsten in diesem Jahr empfand. Bislang sind wir in Deutschland verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Wir haben einen Sozialstaat, der uns auffängt – natürlich nicht allumfassend, aber unter der Brücke landet zumindest niemand. Wer wollte, konnte aus diesem Jahr unglaublich viel Positives mitnehmen. Die Einstellung macht es aus. Wer ein Jahr nur danach bemisst, wie viele Länder er bereist, wie viel Geld er verdient und wie viel Party er gemacht hat, für den war 2020 bestimmt mies.

Sybille: Absolut Virginia. Uns geht es wirklich gut, wir sitzen weder in Flüchtlingscamps noch mitten im Krieg. Und es gab auch so viele schöne Momente in diesem Jahr. Es ist natürlich schade um die ausgefallenen Theatervorstellungen, Konzerte, Chorproben und Museumsbesuche, aber wir haben alles gegeben – Eintrittsgelder gespendet, einen Probenachmittag für eine Band organisiert – und den Rest holen wir dann im nächsten Jahr einfach nach!

Virginia: Ich habe festgestellt, dass meine Familie auch in einer Ausnahmesituation funktioniert und zusammensteht. Ich habe gelernt, wie viel Kraft ich aufbringen und was ich alles leisten kann. Ausgerechnet im 1. Lockdown habe ich herausgefunden, welche Richtung ich beruflich einschlagen möchte – nach jahrelangem Hadern und Suchen. Ich habe viel über mich selbst, meine Begabungen und Wünsche herausgefunden. Wir sind in diesem Jahr nicht verreist und haben das Jahr trotzdem genossen. Wir sind noch mehr zurückgekehrt zu bodenständigen Freizeitaktivitäten und fanden es wunderbar! Unser 15-jähriger Sohn hat gelernt selbstständig zu arbeiten, wie andere oft erst im Studium. Die Entschleunigung hat uns allen gut getan. Zeit mit Freunden war seltener, dafür aber wertvoller und intensiver.

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Zeit mit Freunden war wertvoller und intensiver

Dani: Auch mir wird 2020 in mehrerlei Hinsicht in positiver Erinnerung bleiben. Mir hat das Jahr vor allem gezeigt, wie wenig ich doch brauche um zufrieden zu sein. Und wie wertvoll und befriedigend es doch sein kann, Zeit mit seiner Familie zu verbringen, zu basteln, zu kochen, zu backen und einmal die Gegend um sich herum genau zu erkunden – es muss nicht immer in die Ferne gehen! Und ja, es stimmt: Man wertschätzt seine Freundschaften noch viel mehr (wie cool waren die Skype-Vino-Abende!) und die Zeit, die man gemeinsam mit Freunden verbringen kann. Und zum Glück durfte auch ich feststellen, dass mein Mann und ich uns im Lockdown nicht auf die Nerven gegangen sind.

Alexandra: Wir haben unsere Familienzeit auch sehr genossen. Es gab für uns eigentlich keine Einschränkungen. Klar haben wir eine Zeit lang unsere Freunde nicht gesehen, aber wir haben viel telefoniert und geschrieben. Mein Mann musste seine Firma auflösen, doofe Situation, aber er hat alle Mitarbeiter gut untergebracht in der neuen Firma, keiner wurde arbeitslos und es geht weiter. Ich habe mich mit dem Kutscherhaus selbstständig gemacht, mit zwei kleinen Kindern zuhause nicht einfach, aber es hat am Ende funktioniert. Wir haben mit Vorsicht unsere Familien das Jahr über immer mal wieder gesehen und gerade kommen wir vom Coronatest zurück, damit wir mit gutem Gewissen in die Heimat fahren können. Mich nervt diese Jammerei – können die Menschen denn nicht mehr mit sich alleine sein?

Dani: Ich kann das Gejammere auch schwer nachvollziehen. Es ist wohl eine Frage der Perspektive und Einstellung.

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Das Negative wird nicht besser wenn man es beschreit

Alexandra: In anderen Ländern gibt es kein Kurzarbeitergeld, keine Staatshilfen. In den USA bilden sich kilometerlange Schlangen vor Essensausgaben, weil dort inzwischen so viele Menschen auf der Straße leben. Weil es kein Sicherungsnetz gibt und keine gesetzliche Krankenversicherung, die alles zahlt, ob man Corona leugnet oder nicht.

Sabine: Wir haben in dem Altenheim, in dem ich arbeite, aktuell einen Coronaausbruch. Mein Bereich ist zwar clean, aber der andere Bereich ist betroffen, dort können nur 2 Mitarbeiter aus dem gesamten Team arbeiten. Zusätzliches Personal gleich null. Wenn ich dann höre, dass es immer noch Menschen gibt, die Corona leugnen, werde ich wirklich wütend. Aber es ist sehr wichtig, sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren und es sich z.B. daheim mit gebrannten Mandeln und Apfelpunsch gemütlich zu machen. Das Negative wird nicht besser, nur weil man es ständig beschreit.

Sybille: Absolut Sabine und ich habe die Ruhe daheim ehrlich gesagt richtig genossen, endlich wollte mal niemand was von mir. Ich hatte lustige Zoom-Sitzungen und Online-Trainings und habe seit langer Zeit mal wieder ausgiebig mit Freundinnen telefoniert. Emil und Kalle hat’s auch gefallen. Wir waren fast ausschließlich zu Hause – da wurde sogar ein Ausflug nach Düsseldorf mal wieder richtig aufregend. Wenn etwas nicht selbstverständlich zur Verfügung steht, weiß man es eben erst richtig zu schätzen. Und ich habe – wie Du Dani – gemerkt, dass es auch in der Nähe schöne Dinge zu entdecken gibt und der alte Spruch „Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute ist so nah“ stimmt!

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In diesem Sinne wünschen wir Euch ein fröhliches und besonderes Weihnachtsfest! Wir hören uns 2021 wieder!
Eure Sybille, Sabine, Alexandra, Virgina & Dani

Bilder: Virginia

6 Kommentare
  • Kathrin sagt:

    Hmm… liebes Team,

    Ich bin eigentlich Fan von euren Artikeln – aber aus diesem gehe ich mit einem Geschmäckle raus… Der Vergleich von „immerhin sitzen wir nicht im Krieg/Flüchtlingscamp“ und „in den USA ist es noch viel schlimmer“ dürfte die Leute, die wirklich in finanzielle Nöte geraten sind, recht wenig trösten, ebensowenig Alleinerziehende bei geschlossenen Kitas und Schulen.
    Ja, auch ich habe es mir zu Hause gemütlich gemacht, selber lecker gekocht, den Garten genossen und mit Freunden viel geskypt und telefoniert. Und ich bin da auch noch in der privilegierten Situation eines Eigenheims mit Garten und wäre vermutlich die Wände hoch gegangen, wenn ich in der Stadt in einer Wohnung ohne Balkon gesessen hätte.
    Die Leute sind kreativ geworden, sowohl in der Kunst als auch in der Gastro – aber ich kann wirklich die Leute verstehen, die drei Kreuze machen, wenn das Jahr 2020 vorbei ist und in 2021 mit den nun zugelassenen Impfstoffen wieder Licht am Ende des Tunnels ist.
    Ich möchte gern meine Großeltern wieder regelmäßig besuchen ohne mir Sorgen machen zu müssen ein tödliches Virus reinzutragen, möchte mein Patenkind zu mir einladen ohne vorher und nachher „Quarantäne“-Tage einzuplanen, würde gerne meine Freunde wieder zur Begrüßung in den Arm nehmen, statt durch die Kamera zu winken.
    Natürlich hatte das Jahr auch schöne Momente und die sollen auch wertgeschätzt werden. Aber ich glaube auch, dass Verständnis denen gegenüber angebracht ist, die 2020 sehr gerne verabschieden.
    (Und nein, ich bin auch nicht für Dauergejammer, statt es sich in der Situation einfach so nett wie möglich zu machen. Vielleicht habe ich euren Artikel auch gerade mit dem falschen Ohr aufgenommen .. aber für mich wirkte das kein Stück weniger einseitig als der Buchtitel, der euch scheinbar so aufgestoßen ist.)
    Herzliche Grüße
    Kathrin

  • Dani sagt:

    Liebe Kathrin,

    ja – ich glaube, Du hast uns wirklich falsch verstanden. Das hier sollte – um Gottes Willen – keine Kritik an der alleinerziehenden Großstadtmama, der bis zur Erschöpfung arbeitenden Krankenschwester, dem Einzelhandelsunternehmer, der sein Unternehmen aufgeben muss, oder jemandem sein, der einen lieben Angehörigen verloren hat. Wir wissen, dass die Coronapandemie viele Menschen vor große Herausforderungen stellt. Ich habe allerdings oft das Gefühl gewonnen, dass gerade die, die der Lockdown hart trifft, gar nicht so sehr jammern, sondern eher die, denen es an nichts fehlt. (Aber vielleicht täuscht dieser Eindruck ja auch). Wenn überhaupt, dann richtet sich also leise Kritik an die gut situierten, gesunden Nachbarn, die sich ständig darüber beschweren, dass sie im Supermarkt eine Maske tragen müssen, und fragen, warum eine Impfung denn überhaupt nötig sei, wenn doch „angeblich“ Masken helfen.

    Aber unser Ansinnen war eigentlich ein ganz anders: Wir wollten zeigen, dass dieses Jahr nicht nur schlecht war, dass wir Redakteurinnen – und ich denke viele Menschen hier in Deutschland – sogar sehr viel daraus mitnehmen konnten. Dass man mit der richtigen Einstellung vielleicht sogar mit einem gewissen Wohlwollen auf das Jahr zurückblicken kann.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Eva P. sagt:

    Liebe Lady-Bloggerinnen,
    zunächst einmal vielen Dank für Eure vielen schönen Tips und Inspirationen. Ich mag den Lady-Blog sehr!
    Und nun zum Buch: Zu dem Buchtitel kann ich nur sagen, dass ich da vom Verlag enttäuscht bin, da wird man sich wohl an irgendeine Zielgruppe anbiedern wollen…
    Eure Einstellung zum Jahr 2020 teile ich voll und ganz, da habe ich nichts hinzuzufügen. Ich denke, es kommt schon klar herüber, was Ihr meint und ich teile Eure Meinung.
    Nun wünsche ich Euch schöne und erholsame Weihnachts- und Ferientage und für das kommende Jahr Gesundheit und neue Inspirationen für den Lady-Blog ;).
    Eure Leserin Eva

  • Ani sagt:

    Liebes Lady-Blog-Team,
    ich bin da vollkommen bei euch und habe es auch genau so verstanden, wie Dani es im Nachtrag erläutert hat, nämlich als Jammern auf teilweise hohem Niveau, wie ich es in meinem Umfeld auch immer wieder mal erlebt habe.
    Wir haben hier auch – glücklicherweise ohne existenzielle Sorgen – die Entschleunigung genießen können, wenn auch beispielsweise das Distance-Learning im Frühjahr uns vor, sagen wir mal, vor Herausforderungen gestellt hat. Aber so ist das Leben. Krisen sind dafür da, daran zu wachsen. Und den Nebeneffekt von Krisen, Probleme anzugehen ich und in verschiedenen Bereichen zu einer raschen Lösungsfindung zu kommen, finde ich auch positiv. Und wenn am Ende alle gesund geblieben sind, ist das doch das Allerwichtigste!
    Liebe Grüße und schöne Weihnachtsfeiertage

  • Dani sagt:

    Liebe Eva, liebe Ani,

    ich danke Euch sehr für Euer Feedback und bin froh, dass unsere Botschaft richtig angekommen ist.

    Ich wünsche Euch von ganzem Herzen ein fröhliches Weihnachtsfest,
    Dani

  • Sandra T. sagt:

    Mein Mann & ich haben gestern im kleinen Rückblick die Highlights des Jahres 2020 Revue passieren lassen und abschließend ebenfalls festgestellt, dass wir – wegen & trotz der äußeren Umstände – ein g u t e s Jahr 2020 erleben durften. Aber das ist natürlich sehr subjektiv geprägt. Wir sind dankbar dafür.

    Ich bin auch dankbar für Euren Text. Ich habe verstanden: darin geht es um die „Privilegierteren“. Nicht um die „Nicht-Privilegierten“. Es liegt darin die Chance, die eigene Kraft und Resilienz zu entdecken. Wir leben nicht unter der Brücke, wir leben nicht im Flüchtlingscamp. Wir leben nicht in Kriegswirren. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    Danke, habt alle einen friedvollen, einen guten, einen versöhnlichen Jahresausklang 2020.

    Sandra T.

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