Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Ein Tag im Wiener Servitenviertel – Unsere Tipps!

Wer uns auf Instagram folgt, weiß, dass wir letzte Woche in Wien verbracht haben. Während mein Mann an einer Weiterbildung teilnahm, konnten Amalia und ich in Ruhe die Stadt erkunden – vor allem den 9. Bezirk und das sogenannte „Servitenviertel“, in dem sich unsere wunderschöne Jugendstil-Altbauwohnung befand. Das Servitenviertel ist eines der schönsten „Grätzl“ in Wien und dank einer französischsprachigen Schule sehr französisch geprägt.

Im malerischen Servitenviertel im 9. Bezirk reiht sich ein nettes Lokal an das andere – speziell in der Servitengasse, dem Herzstück des Grätzls. Der Bezirk ist gutbürgerlich geprägt, zieht dank der Uni aber auch viele Studenten an. Die Häuser sind besonders gepflegt und machen das Servitenviertel so zu einer der teuersten Wohngegenden in Wien. Wir haben dank Airbnb eine schöne Wohnung gegenüber des Palais Liechtenstein gefunden und konnten das Viertel so zu Fuß und in Ruhe erkunden. Unsere Tipps für einen Tag im Servitenviertel habe ich für Euch zusammengestellt.

1. Frühstück im La Mercerie

Das La Mercerie ist sicherlich das hübscheste Café im Servitenviertel. Das charmante, französische Bistro ist außen elegant weiß und innen gemütlich mit alten Apothekerschränken, hübschem Fliesenboden und dunklen Möbeln ausgestattet – die perfekte Umgebung für Croissants und Baguettes aus der eigenen Bäckerei sowie für die täglich frisch aus Paris gelieferten Eclairs und Tartes. Das ehemalige Knopfgeschäft trägt so zum Ruf des Servitenviertels als „Klein-Paris“ bei  – in keinem anderen Grätzl in Wien hört man so viel Französisch. Der Grund ist die Lycée Français, eine französischsprachige Schule, die viele Franzosen ins Servitenviertel lockt (siehe auch Schuhgeschäft Anne Morel).

Servitenviertel-Tipps: La Mercerie

Servitenviertel-Tipps: La Mercerie

La Mercerie
Berggasse 25
1090 Wien

2. Shopping im Servitenviertel

Auf den mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen des Servitenviertels laden zahlreiche kleine inhabergeführte Geschäfte zum Shoppen ein. Vom La Mercerie kommend, solltet Ihr unbedingt in der Zweigstelle in der Porzellangasse reinschauen. Der Konzeptstore vereint Blumen, Kunst und außergewöhnliche Wohnaccessoires – ein optischer Hochgenuss. Die deckenhohen Regale und Tische schmücken riesige Vasen und Stehleuchten (z.B. von Henry Dean und PePe Heykoop), dazu kommen farbenfrohe Kissen, außergewöhnliche Dekoobjekte, Duftkerzen von Cire Trudon, der ältesten Wachsmanufaktur der Welt, und natürlich Blumen – ebenfalls überaus spannend arrangiert.

Die Französinnen des Viertels kaufen ihre Schuhe im 2008 von der Französin Anne Morel in der Liechtensteinstraße eröffneten Geschäft. Die rund 20 Schuh-Labels – darunter einige französische Kultmarken – sind handverlesen und zum Teil nirgendwo sonst in Wien erhältlich. Gleich nebenan befindet sich übrigens der Naschsalon, in dem es nicht nur französisches Gebäck, sondern auch leckeres Bio-Eis gibt. Und weiter geht’s in die Servitengasse. Hier befindet sich ein besonders schönes Kindergeschäft. Bei Fürnis erhaltet Ihr pädagogisch und optisch ansprechendes Spielzeug.

Servitenviertel-Tipps: Zweigstelle

Servitenviertel-Tipps: Zweigstelle

Zweigstelle
Porzellangasse 49
1090 Wien

Servitenviertel-Tipps: Anne Morel

Anne Morel
Liechtensteinstraße 38
1090 Wien

Servitenviertel-Tipps: Naschsalon

Naschsalon
Liechtensteinstraße 38A
1090 Wien

Servitenviertel-Tipps: Fürnis Spielzeuggeschäft

Fürnis – Mädchen und Buben
Servitengasse 4A
1090 Wien

3. Kurze Rast an der Servitenkirche

Wenn Ihr nun in der Servitengasse seid, dann solltet Ihr unbedingt einen kleinen Zwischenstopp bei der Servitenkirche einlegen. Nach dem angegliederten, 1639 gegründeten Servitenkloster ist das Viertel benannt. Auf dem gepflasterten Platz rund die barocke Servitenkirche kann man gemütlich in einem der zahlreichen „Gastgärten“ sitzen. Der Blick auf die historischen Bauten und Fassaden erinnert ebenfalls dezent an Paris. Doch auch ein Blick in die Kirche und den schönen Kreuzgang lohnen – ein bisschen Entschleunigung und Ruhe an einem trubeligen Tag in der Großstadt.

Servitenviertel-Tipps: Servitenkirche

Servitenviertel-Tipps: Servitenkirche

Servitenkirche
Servitengasse 9
1090 Wien

4. Mittag in der Servitengasse

Wer jetzt genug französischen Lifestyle für einen Tag genossen hat, kann in der Servitengasse hervorragend italienisch zu Mittag essen – das macht garantiert auch alle Kinder glücklich und keine Angst, für das Abendessen haben wir gutbürgerliche Wiener Küche eingeplant. Das Porzellan fällt durch sein weißes Interieur auf und hat neben italienischer auch andere international ausgerichtete Speisen im Angebot. Unsere Wahl fiel – eine Tür weiter – auf eine Pizza im Scala. Unsere Pizza war zwar nicht besonders groß, aber dafür sehr gut zubereitet. Das chice La Pasteria soll ebenfalls einen Besuch wert sein und besonders viele verschiedene Pastavariationen anbieten. Und auch Eatalia bietet Genüssliches aus Italien – neben täglich wechselnden Pastagerichten auch Antipasti und italienische Weine.

Servitenviertel-Tipps: Scala

Ristorante Scala
Servitengasse 4
1090 Wien

5. Ein Spaziergang zur Strudelhofstiege

Wer seine Kalorien jetzt abspazieren möchte, kann einen Spaziergang zur berühmten Strudelhofstiege in Angriff nehmen und dabei ein bisschen den Blick auf die Gebäude links und rechts schweifen lassen. Die alten Zinshäuser sind sehr gut gepflegt und renoviert, Neubauten gibt es so gut wie keine. Ihr könnt Häuser mit secessionistisches Dekor, historisierenden, neoromanischen oder neogotischen Elementen sehen – vieles stammt aus der Gründerzeit. Ein Blickfang sind auch die schön erhaltenen Holzfassaden der Geschäfte. Nahezu die gesamte Harmoniegasse mit seinen hellen Jugendstil-Fassaden geht auf das Schaffen des berühmten Wiener Architekten Otto Wagner zurück.

Zwischen der Liechtensteinstraße und der Strudlhofgasse liegt die Strudlhofstiege. Die rund 100 Jahr alte Stiege erinnert an den Bildhauer Peter Strudel und ist ein wunderschönes Kunstwerk des Jugendstils. Die Kalksteinstiege diente dem Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer sogar als Inspiration zur Titelgebung seines gleichnamigen Romans. Der untere Teil der Stiege ist symmetrisch angelegt und umfasst außerdem zwei Brunnen. Die malerische Kulisse der von Bäumen gesäumten Stiege ist rund ums Jahr einer der wohl romantischsten Orte in der Stadt.

Wenn die Blätter auf den Stufen liegen
herbstlich atmet aus den alten Stiegen
was vor Zeiten über sie gegangen.
Mond darin sich zweie dicht umfangen
hielten, leichte Schuh und schwere Tritte,
die bemooste Vase in der Mitte
überdauert Jahre zwischen Kriegen.

Viel ist hingesunken uns zur Trauer
und das Schöne zeigt die kleinste Dauer.

diese Zeilen von Heimito von Doderer sind auf einer Tafel neben dem größeren Brunnen verewigt

Servitenviertel-Tipps

Servitenviertel-Tipps: Harmoniegasse

Die Harmoniegasse wurde vom Architekten Otto Wagner gestaltet

Servitenviertel-Tipps: Strudelhofstiege

Strudlhofstiege
Strudlhofgasse 8
1090 Wien

6. Entspannen im Palais Liechtenstein

Das Gartenpalais Liechtenstein (nicht zu verwechseln mit dem Stadtpalais Liechtenstein) beherbergt nicht nur eine der größten und bedeutendsten privaten Kunstsammlung der Welt, die im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann – im Besitz des Fürsten von und zu Liechtenstein befinden sich beispielsweise Gemälde von Peter Paul Rubens, von van Dyck, Lucas Cranach, Raffael und Rembrandt – sondern auch einen wunderschönen Garten der im Stil des Barocks angelegt wurde. Hier befindet sich der schönste Kinderspielplatz des Grätzls und ein kleiner Biergarten.

Servitenviertel-Tipps: Palais Liechtenstein

Servitenviertel-Tipps: Palais Liechtenstein

Servitenviertel-Tipps: Palais Liechtenstein

Gartenpalais Liechtenstein
Fürstengasse 1
1090 Wien

6. Gutbürgerlich Abendessen im Wickerl

Ganz in der Nähe des Gartenpalais Liechtenstein befindet sich mit dem Wickerl eines der ältesten Gasthäuser der Stadt mit traditioneller Wiener Küche und leckeren österreichischen Weinen. Auf der Speisekarte findet Ihr typische österreichische Gerichte wie Tafelspitz, Wiener Schnitzel und Backhendl, aber auch besondere Spezialitäten wie Wiener Backfleisch oder Gebratene Fledermaus vom Rind. Im kleinen „Schanigarten“ vor dem Restaurant scheint noch am Spätnachmittag und frühen Abend die Sonne und Ihr habt eine herrliche Sicht auf den belebten Bauernfeldplatz. Alternativ soll auch der Servitenwirt in der Servitengasse 7 eine sehr gute, traditionelle Wiener Küche bieten.

Servitenviertel-Tipps: Gasthof Wickerl

Gasthaus Wickerl
Porzellangasse 24A
1090 Wien

7. Ein Drink im 1090 am Bauernfeldplatz

Das 1090 ist eine bei Jung und Alt sehr beliebte Bar direkt am belebten Bauernfeldplatz. Hier heißt es schon am Nachmittag sehen und gesehen werden – und zwar wenn die Mädchen und Jungen der gegenüberliegenden Lycée Français die Schule verlassen. Am Spätnachmittag oder Abend sitzt man hier wunderbar in der Sonne und kann seinen Aperol Spritz genießen. Angeblich hat das 1090 auch ganz gutes Frühstück, das haben wir allerdings nicht ausprobiert.

Servitenviertel-Tipps: Das 1090

Das 1090
Bauernfeldplatz 2
1090 Wien

8. Schlechtwetter-Vorschlag: Ein Besuch bei Freud

Das Haus in der Berggasse 19 im Servitenviertel ist weltberühmt, denn hier entwickelte Sigmund Freud die Psychoanalyse. 1891 zog die prägende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts in dieses Haus und blieb bis kurz vor seinem Tod 1938. Seit den 1970ern wird das Gebäude als Museum geführt. Ihr habt die Möglichkeit, Euch in den Räumlichkeiten umzusehen, in denen Sigmund Freud jahrzehntelang Patienten behandelte. Das Museum zeigt Freuds ehemalige Praxis und Wohnung eine Ausstellung zur Geschichte der Psychoanalyse und zum Leben von Sigmund Freud.

Servitenviertel-Tipps: Freud-Museum

Sigmund Freud Museum
Berggasse 19
1090 Wien


2 Kommentare
  • Lieselotte H. sagt:

    Liebe Dani,
    das ist ein sehr schöner, ausführlicher Artikel der Lust auf Wien macht. Wie schön für Dich das Du und Dein Mann so Berufliches und Privates ganz wunderbar miteinander verbinden könnt. Qualiti time mit der Familie ist ja überhaupt das aller schönste.
    Startet gut in den Wonnemonat Mai.
    Ganz liebe Grüße aus Würzburg, Lotti

  • Dani sagt:

    Danke liebe Lotti, Wien ist wirklich immer eine Reise wert – genauso wie Würzburg. ;-)

    Herzliche Grüße
    Dani

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