Downton Abbey: Die Hautpflege einer englischen Lady

Als waschechter Downton-Abbey-Fan habe ich mich schon häufig gefragt, auf welche Weise eine englische Lady wie Lady Mary ihre Haut gepflegt hat. Mit welchen Produkten hat Lady Grantham gebadet, als es noch keine bunten Duschgelflaschen und schäumende Badebomben gab? Womit die Zähne geputzt? Wie hat Lady Edith ihre Haare gewaschen? Und: Gibt es noch Produkte von früher, die überlebt haben? Ja zum Glück, die gibt es! von Gina

1. Baden mit Seifen

Gebadet wurde zu Downton-Abbey-Zeiten (also Anfang des 20. Jahrhunderts) vermutlich vor allem mit wohlriechenden Seifenstücken. Und davon existierten damals tatsächlich schon einige! Die erste transparente Seife der Welt wurde 1807 vom englischen Hoflieferanten Pears entwickelt. Die Seife ist durch die Rezeptur aus reinem Glyzerin und natürlichen Ölen ohne weitere Zusätze stark pflegend, feuchtigkeitsspendend und hautfreundlich. Der würzige Duft nach Zedernholz, Rosmarin und Thymian macht die in Indien hergestellte Seife unverwechselbar. Gerade für die männlichen Bewohner von Downton Abbey finde ich sie sehr passend – kann man Matthew nicht förmlich riechen?

Kosmetik bei Downton Abbey: Seife von Pears

Erwerben könnt Ihr die transparente Seife von Pears zum Beispiel bei Greatbritishfood.de

Die Damenwelt hielt sich vielleicht eher an die mittlerweile weltweit berühmte „Bronnley’s Lemon Soap“ aus der englischen Seifenfabrik Bronnley. Das Unternehmen wurde 1884 in London von dem 20-jährigen James Bronnley gegründet. Die „Bronnley’s Lemon Soap“ ließ er acht Jahre später erstmals herstellen; sie verhalf der Seifensiederei zu großer Berühmtheit. Bis heute wird die Seife mit einem Anteil echten sizilianischen Zitronenöl hergestellt und bleibt nicht zuletzt durch ihre außergewöhnliche Form im Gedächtnis. Bronnley zählt heute zu den britischen Hoflieferanten. Bei meinen Recherchen bin ich übrigens auf diesen interessanten Blog gestoßen, der sich u.a. mit historischen Seifen und deren Herstellung beschäftigt. Besonders interessant fand ich hier z.B. den Beitrag zur White Windor Soap!

Kosmetik bei Downton Abbey: Seife von Bronnley

Die kultige Bronnley’s Lemon Soap erhaltet Ihr beispielsweise bei Manufactum

2. Nach dem Bad: Körperpuder

Bei uns sind Körperpuder aus der Mode gekommen, in England hat die Verwendung von feinen, zart duftenden Pudern jedoch eine lange Tradition. Insbesondere nach dem Baden verwendeten die Damen gerne einen wohlriechenden Puder, der die Haut weich und geschmeidig machte. Bis heute gibt es hochwertige Körperpuder zu kaufen. Eines der bekanntesten ist sicherlich das Rosenpuder – ebenfalls von Bronnley. Ob die romantische Lady Edith womöglich von ihrem Michael Gregson träumte, während sie sich nach dem Baden mit einem blumigem Körperpuder pflegte?

Kosmetik bei Downton Abbey: Körperpuder von Bronnley

Das Körperpuder von Bronney habe ich bei THE BRITISH SHOP entdeckt

3. Haare kämmen mit einer Wildschweinhaarbürste

Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Lady Grentham sich die Haare mit einer Wildschweinhaarbürste von Kent kämmen ließ. Die natürlichen Borsten stimulieren die Kopfhaut leicht, reinigen das Haar, nehmen überschüssiges Fett auf und bringen es zu den trockenen Haarspitzen. Dadurch entsteht ein natürlicher Glanz und es hilft, Spliss zu verhindern. Das 1177 gegründete Unternehmen Kent & Sons ist DER englische Bürstenmacher und wurde bereits neunmal zum königlichen Hoflieferanten ernannt. Angeblich hatten englische Offiziere an jedem noch so entfernten Einsatzort im britischen Empire Kent-Bürsten im Gepäck. Und das Beste: Die Wildschweinhaarbürsten fertigt Kent & Sons bis heute und nach wie vor in Handarbeit. Selbst die Borsten werden mittels Handeinzug eingebracht.

Kosmetik bei Downton Abbey: Haarbürste von Kent

Kent-Haarbürsten mit Wildschweinborsten könnt Ihr in verschiedenen Ausführungen bei Manufactum erwerben

4. Haarpflege mit Makassar-Öl

Makassar-Öl ist ein Öl welches aus Kokosöl, Ylang-Ylang-Öl und weiteren Duftölen hergestellt wurde. Im viktorianischen England und in der Edwardianischen Epoche wurde es von Männern und Frauen der besseren Gesellschaft gleichermaßen als Haaröl, als Haarspülung, zum Kämmen und Frisieren verwendet. Den Namen hat das Makassar-Öl vermutlich dem Import seiner Zutaten über die niederländisch-indische (heute indonesische) Hafenstadt Makassar nach Europa zu verdanken. Um zu verhindern, dass die mit Makassar-Öl gespülten Haare peinliche Fettspuren auf Polstermöbeln hinterließen, wurde das „Antimakassar“ entworfen. Das kleine gehäkelte Tuch diente über der Kopflehne eines Sessels oder eines Sofas zum Schutz der Polsterung und ist heute noch als Überbleibsel aus dieser Zeit in Hotels und öffentlichen Verkehrsmitteln zu finden.

Kosmetik bei Downton Abbey: Makassar-Shampoo

Der Onlineshop Ecco-Verde bietet ein Makassar-Shampoo als Pre-Shampoo an, das vor der Haarwäsche einmassiert und nach einer gewissen Einwirkzeit normal ausgespült wird

5. Haarstyling mit Brillantine

Brillantine kam in den 1920er in Mode und löste das Makassar-Öl langsam ab. Das flüssige Haarpflegeprodukt auf Öl-Basis gab dem Haar Glanz und ermöglichte eine natürliche liegende Frisur. Parallel dazu war erstmals die klassische Pomade erhältlich, z.B. vom 1873 von Robert Martin gegründeten Traditionshersteller Morgan’s. Brillantine beschwerte das Haar allerdings nicht so stark wie Pomade und dürfte daher vor allem bei Frauen deutlich beliebter gewesen sein. 1928 entstand in England eine Mischform aus Brillantine und Pomade: Die bis heute erhältliche, cremartige Brylcreem. Sie ermöglichte eine bessere Dosierung und praktischere Aufbewahrung. Gut vorstellbar, dass eine Lady Mary ihren strengen Bob mit Brillantine oder der späteren Brylcreem in Form gebracht hat!

Kosmetik bei Downton Abbey: Pomade und Brylcreem

Die berühmte Morgan’s Styling Pomade wurde bereits 1875 auf den Markt gebracht und kann heute bei Manufactum erworben werden/ Die original Brylcreem wurde 1928 in England entwickelt und kann im English-Shop gekauft werden

6. Eau de Toilette vom Hoflieferanten

In der viktorianischen Zeit wurden von den Ladies vor allem üppige, florale Düfte bevorzugt. So wie das berühmte Eau de Toilette „White Rose“ vom 1730 gegründeten Unternehmen Floris, das Anfang des 19. Jahrhunderts komponiert wurde und von keiner Geringeren als Queen Victoria geschätzt wurde. Der rosige Duft mit würzigen Noten von Nelken und Nuancen von Veilchen und Jasmin strahlt eine blumig-weiche, verträumte Stimmung aus. Die Vorliebe für florale Düfte änderte sich um die Jahrhundertwende mit dem Erscheinen des erfrischend leichten Eau de Toilette „Blenheim Bouquet“ von Penhaligons, mit Kopfnoten von Zitrusfrüchten und Lavendel. Auch Floris, der älteste heute noch existierende Parfumeur Englands, brachte umgehend zitronige Parfums auf den Markt. Der Klassiker „Limes“ ist ein frisches Arrangement aus Zitrusfrüchten und -blüten, mit einer dezenten Moschusbasis.

Kosmetik bei Downton Abbey: Düfte von Floris

Auch der klassische Damenduft „Edwardian Bouquet“ vom britischen Hoflieferanten Floris wurde 1901 als Besonderheit eines neuen Zeitalters gefeiert – Er entfaltet sich mit der Note von Hyazinthen, zusammen mit einem Hauch von Bergamotte und Mandarine, erwerben könnt Ihr ihn im THE BRITISH SHOP

7. Zahnpflege

Die ersten europäischen Zahnbürsten bestanden aus Wildschweinborsten, später wurden diese wegen des höheren Verletzungsrisikos durch weicheres Pferdehaar ersetzt. Das Zahnputzpulver aus Kreide, Zucker und Menthol war sicher nicht ideal, jedoch wurde daraus Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Amerikaner Washington Sheffield die erste Zahnpasta entwickelt, indem er der Mischung Glyzerin hinzufügte. Ende des 19. Jahrhunderts kamen dann richtige Zahncremes auf den Markt – heute noch erhältlich ist die rosafarbene Kult-Zahncreme Eutymol. Es ist anzunehmen, dass auch Lady Mary Ihre Zähne mit Pferde- oder Wildschweinhaarborsten und einer solchen Zahnpasta gepflegt hat. Damit hatte sie der Arbeiterklasse eine wichtige Errungenschaft voraus – Zahnbürsten galten damals als Luxusgegenstand und wurden erst in den 1950ern mit der Einführung von Nylonborsten für jeden erschwinglich.

Kosmetik bei Downton Abbey: Zahnbürste mit Schweineborsten

Diese KOH-I-NOOR-Zahnbürste mit natürlichen Schweineborsten ist ein Klassiker im Look der 30er-Jahre, erwerben könnt Ihr sie bei Soulobjects

Kosmetik bei Downton Abbey: Zahncreme von Euthymol

Eutymol ist die älteste auf dem Markt befindliche Zahnpasta aus England –  charakteristisch sind die rosa Farbe, die Schärfe und der Geschmack nach Lakritz, sicherlich nicht jedermanns Sache, erwerben könnt Ihr sie z.B. bei Torquado

Und wie schaut es mit dem Make-up aus?

Aufgrund der Natürlichkeitsbewegung im 19. Jahrhundert galt lange Zeit „kein Make-up“ als das beste Make-up. Diese Einstellung änderte sich zu Beginn der 1890er, in der beispielsweise die französische Parfümerie Guerlain damit begann, Lippenstift herzustellen und zu verkaufen. Die meisten Damen benutzten allerdings bloß das sogenannte papier poudré, ein mit Puder bedecktes Tuch. In Großbritannien kam der große Durchbruch im Jahr 1909, als das Kaufhaus Selfridges eröffnete und Kosmetikartikel frei und ohne Beschränkungen anbot. In London und anderen großen Städten gab es zuvor schon durchaus akzeptierte Kosmetiklädchen, wie das 1770 von William Yardley gegründet Yardley, eines der ältesten englischen Hersteller von Kosmetik und Parfüm. In den von kundigen Damen betriebenen Läden konnten Ladys wie Lady Sybil ohne gesellschaftliche Missbilligung Schönheitsmittelchen erstehen. Häufig hatten diese Läden einen Hintereingang für die Kundschaft, die nicht beim Betreten des Geschäftes gesehen werden wollte.

Kosmetik bei Downton Abbey: Handcreme von Yardley

Hübsch verpackte Cremes und Make-up-Produkte wie diese Handcreme von Yardley hätten sicherlich auch die Ladies von Downton Abbey geschätzt, erwerben könnt Ihr das Sortiment des Hofausstatters bei der Parfümerie Plappert


Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.