Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Ladies, do it yourself!

Anziehpüppchen, Muffin-Topflappen, Trachten-Clutch und Apfel-Dirndl, farbiger Zucker oder Fascinator – Wer am letzten Tag der Berliner Fashion Week über den Dawanda-Designermarkt schlenderte, stellte erstaunt fest: Die Deutschen strotzen vor Kreativität, Ideen und handwerklichem Talent. Selbermachen ist wieder gesellschaftstauglich. Also Ladies, bevor Ihr Ware von der Stange kauft, holt Nadel und Faden aus der Schublade – Do it yourself!

Do it yourself – kurz DIY

Selbermachen ist angesagt: Sarah Jessica Parker strickt, Michelle Obama pflanzt Tomaten hinter dem Weißen Haus. Doch nicht nur Promis entdecken ihr handwerkliches Geschick. In Deutschland ist seit einigen Jahren ein regelrechtes Heimwerkerfieber ausgebrochen. Es wird gehämmert, gestrickt, gezeichnet, genäht, gebastelt und gebrutzelt was das Zeug hält. „Do it yourself“, kurz: DIY, heißt die Devise. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Robert Bosch GmbH bestätigt den Trend: Mehr als 40 Prozent der Befragten verbringen ihre Freizeit gerne daheim, genießen die Gartenarbeit, gemeinsames Kochen und ein liebevoll gestaltetes Zuhause.

Selbermach-Nation Großbritannien gibt den Ton an

Ist das der Beginn eines Neo-Biedermeiers, der Rückzugs ins Häusliche, das Besinnen auf Familie und Freunde im kleinen Kreise? Vielleicht. Auf jeden Fall ist es ein Bekenntnis zu Individualität und drückt den Wunsch nach Selbstverwirklichung aus. Mit etwas Selbsterschaffenen beweist man Talent. Wer viel Zeit in ein Werk investiert hat, weiß das Stück außerdem viel mehr zu schätzen. Die Do-it-Yourself-Bewegung entstand in den 50er-Jahren in Großbritannien und griff schnell auf den ganzen Kontinent über. In den 70er-Jahren feierte sich die Selbermach-Nation ein zweites Mal, dann wurde es still um die Heimwerker. Bis zum Jahr 2008 – da nämlich verkündete die Britin Vivienne Westwood am Rande der Pariser Fashion Week ein Revival des DIY-Trends:

Don’t buy my clothes. Well, if you are rich or can afford a stylist, you can get me. But if not, do it yourself!

Mix aus Gekauftem, Vintage und Selbstgemachten

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise sollten die Leute ihre Kleidung als kreative Herausforderung betrachten. Das ideale Outfit besteht der Queen of Punk zufolge aus einem Mix aus Gekauftem, Vintage und Selbstgemachten. Der Wirtschaft schadet der Trend bislang nicht, ganz im Gegenteil: Es entstehen neue Schnittmuster-Magazine wie das Münchner „Cut – Leute machen Kleider“. Das Burda-Modemagazin, das dieses Jahr 60 Jahre alt wird und inzwischen Burda Style heißt, kann sich seit langem wieder über steigende Verkaufszahlen freuen. Interessant ist, dass vor allem die junge Zielgruppe, also Frauen zwischen 20 und 30 Jahren verstärkt zur Burda Style und zu Nadel und Faden greift. Und das, obwohl der Stoff häufig teurer ist, als das Kleidungsstück beim H&M um die Ecke.

Artischocki

Auf dem Dawanda-Designermarkt stellten auch Nachwuchsdesigner wie Artischocki ihre Kleidungsstücke aus

Von der strickenden Hausfrau bis zum Nachwuchsdesigner

Doch zur Nadel greift man im Kollektiv: In Berliner Nähcafés trifft man sich zu Strick- und Handwerkskursen. Selbst in der U-Bahn und im Vorlesungssaal sieht man neuerdings junge Leute mit Stricknadeln statt Zeitschriften. Mit ihren Erzeugnissen können sie nebenbei noch Geld verdienen: Auf Plattformen wie Dawanda.de, etsy.com, kunstvonuns.de, livemaster.de, guzuu.com oder winkelf.com können die Näher und Bastler ihre handgemachte Ware zum Verkauf anbieten. Die kreative Spannweite ist hier so breit, wie die qualitative. Neben den Topflappen der strickenden Hausfrau kann man auf den Seiten der Start-Ups auch hochwertige Kleidungsstücke von talentierten Nachwuchsdesigern entdecken wie Briseis, Sophie Kim und Artischocki.

Ebay für Selbstgemachtes

Das Prinzip der Plattformen ist einfach: Die Verkäufer stellen ihre Handarbeiten, also Zeichnungen, Schmuck oder Stoffware online. Sie beschreiben ihre Ware, fügen Bilder hinzu und legen einen Preis fest. Die Plattform erhält in der Regel fünf Prozenz vom Verkaufspreis, einige Anbieter verlangen außerdem eine Einstellgebühr. So wie Dawanda, die bekannteste deutsche Selbermach-Plattform. Unter dem Motto „Products with love“ wurde der „Marktplatz für Einzigartiges“ im Jahr 2006 gegründet. Vorbild war der englische Ableger Etsy. Mittlerweile hat das Ebay für Selbstgemachtes 50.000 Hersteller und über 700.00 Produkte im Sortiment.

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