DIY: 5 Dinge, die Ihr aus Bienenwachs herstellen könnt

Geht es um das Thema „Do it yourself“, stehen Naturstoffe hoch im Kurs. Ein wunderbares Material für die Herstellung eigener Kosmetik, aber auch weiterer praktischer Produkte wie zum Beispiel Kerzen, stellt Bienenwachs dar. Denn Wachs ist nicht nur nützlich und nachhaltig, es enthält auch viele wertvolle Inhaltsstoffe. Zusammen mit Dani habe ich ein paar DIY-Ideen für Euch zusammengetragen – perfekt für ungemütliche Wintertage. Ein Gastbeitrag von David

Bienenwachs: Ein Naturprodukt mit vielen Vorteilen

Bienenwachs enthält unterschiedliche Ester und Alkohole, die ihm seine typische Konsistenz verschaffen. Myricin, der Hauptinhaltsstoff des Bienenprodukts, besteht aus rund 300 unterschiedlichen Verbindungen aus der Natur. Dabei handelt es sich überwiegend um sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Öle, aber auch um die von Bienen hergestellte Propolis. Sie wird von ihnen verwendet, um den Bienenstock abzudichten und gegen das Eindringen von Keimen zu schützen. Propolis hat antimykotische, antivirale und antibakterielle Eigenschaften, die Hautpflegeexperten zu schätzen wissen. Zudem enthält das Wachs wertvolles Vitamin A, ein Wirkstoff, der Kosmetik häufig zugesetzt wird.

DIY aus Bienenwachs

Bienenwachs erhaltet Ihr im Handel in der Regel pelletiert, also als Wachslinsen verarbeitet, oder in Platten gepresst – letztere lassen sich zu Kerzen rollen (siehe Tipp 5)

Bienenwachs-Produkte: Perfekt für beanspruchte Haut

Bienenwachs ist ausgesprochen schonend für die Haut und hilft insbesondere bei rissigen, sehr trockenen und überbeanspruchten Partien. Auch Menschen mit empfindlicher Haut vertragen das Naturprodukt in den meisten Fällen. Denn das Wachs bildet eine dünne Schicht, die angegriffene Stellen vor Außeneinflüssen schützt und gleichzeitig dafür sorgt, dass die Haut mit Feuchtigkeit versorgt bleibt. Deshalb können Bienenwachs-Produkte die Hautregeneration unterstützen und für ein angenehm geschmeidiges und weiches Hautgefühl sorgen. Studien dazu könnt Ihr beispielsweise hier finden. Zudem erhaltet Ihr in dieser MDR-Sendung wertvolle Infos zu Bienenprodukten.

Selbstgemachte Kosmetik aus Bienenwachs

Aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften sowie dem Umstand, dass es leicht zu verarbeiten und recht günstig einzukaufen ist, eignet sich Bienenwachs hervorragend für selbstgemachte Naturkosmetik. Für unsere Rezepturen wird Bienenwachs benötigt, das am besten pelletiert oder in kleinen Stücken vorliegt. Idealerweise sollte es sich um ein regionales Produkt handeln, zumindest jedoch aus Deutschland oder Westeuropa stammen und biozertifiziert sein. Die Qualität ist aufgrund der direkten Einwirkung des Wachses auf den Körper noch wichtiger als beispielsweise bei Bienenwachskerzen. Ihr könnt natürlich auch einmal bei Eurem Imker vor Ort nach Wachs für Kosmetik fragen.

Wichtig: Bienenwachsprodukte können leicht schmelzen, deshalb sollten sie nicht nah am Körper oder in der Sonne stehend aufbewahrt werden. Damit sie besonders lang haltbar sind – bis zu sechs Monate -, ist es sinnvoll, sie im Kühlschrank zu lagern. Es ist außerdem sehr wichtig, bei der Verarbeitung sorgfältig auf Hygiene zu achten und alle Utensilien, die mit den Zutaten in Berührung kommen, gründlich zu säubern oder sogar zu sterilisieren.

Selbstgemachte Kosmetik aus Bienenwachs

Beim Imker vor Ort erhaltet Ihr das Bienenwachs u.U. auch in Blockform – es muss dann erstmal zerkleinert werden

1. Ein Erkältungsbalsam mit Bienenwachs

Der Winter ist leider die Erkältungszeit Nummer eins – gut, wenn man ein Helferlein parat hat: Aus Bienenwachs könnt Ihr einen pflegenden Erkältungsbalsam herstellen, der lange haltbar ist. Erwärmt dafür Euer Bienenwachs im Wasserbad und gebt einige Tropfen ätherische Öle eigener Wahl dazu – geeignet sind beispielsweise Pfefferminz, Wacholder, Eukalyptus und Lavendel. Setzt sie jedoch – vor allem bei empfindlicher Haut – sparsam ein. Nun rührt Ihr ein Pflanzenöl dazu, um die richtige Konsistenz zu erreichen. Geeignet sind beispielsweise Jojobaöl oder Kokosöl. Füllt das Ganze in ein gut verschließbares Behältnis und lasst es abkühlen. Wichtig ist, das Bienenwachs nur gerade so weit zu erhitzen, dass sich die Zutaten unterrühren lassen. Anderenfalls verdampfen die ätherischen Öle. Das Pflanzenöl hilft Euch, die gewünschte Konsistenz zu erreichen – je mehr Ihr dazu gebt, desto flüssiger wird Euer Balsam.

2. Lippenpflege aus Bienenwachs selber machen

Unsere Lippen bestehen aus einer besonders zarten, empfindlichen Haut, die eine gute Pflege benötigt – ganz besonders im Winter. Bienenwachs eignet sich aufgrund seiner schützenden und feuchtigkeitsspendenden Wirkung ausgesprochen gut für einen Lippenbalsam. Erwärmt dafür Euer Bienenwachs im Wasserbad, aber lasst es nicht zu heiß werden! Gebt ein oder mehrere Öle Eurer Wahl hinzu, beispielsweise Jojobaöl, Olivenöl, Kokosöl oder auch Sheabutter in Bio-Qualität. Die Zutaten werden zu gleichen Teilen hinzugefügt, beispielsweise jeweils 20 Gramm, je nach gewünschter Endmenge. Vermengt alle Zutaten gründlich und gebt die Masse in kleine Schraubgefäße. Und noch ein Tipp: Einen individuellen Farbton erhaltet Ihr, wenn Ihr Eurer Lippenpflege ein Stück Eures Lippenstifts hinzufügt.

Lippenpflege aus Bienenwachs selber machen

In kleine Dösschen gefüllt eignet sich die Lippenpflege auch ideal als Weihnachtsgeschenk für Eure Lieben

3. Ein Gesichtsbalsam aus Bienenwachs

Die Pflege für Euer Gesicht muss besonders schonend sein und der sensiblen Haut gleichzeitig viele Nährstoffe bereitstellen. Gerade im Winter stellen Mischungen aus Bienenwachs daher eine gute Wahl dar. Erhitzt für ein Bienenwachs-Gesichtsbalsam Euer zerkleinertes Bienenwachs im Wasserbad und gebt ein Öl hinzu, beispielsweise Kokos-, Mandel- oder Arganöl. Für diesen Balsam werden die Zutaten im Verhältnis zwei (Öl) zu eins (Bienenwachs) gemischt – ist eine festere oder flüssigere Konsistenz gewünscht, kann es entsprechend geändert werden. Dann fügt Ihr einen Teelöffel Honig pro 50 Gramm Bienenwachs hinzu. Für einen besonderen Duft sorgen einige Tropfen Rosenöl.

4. Selbstgemachte Handcreme mit Bienenwachs

Unsere Hände sind ständigen Belastungen ausgesetzt und benötigen eine reichhaltige Pflege, um nicht rau und rissig zu werden – das funktioniert sehr gut mit Bienenwachs. Für eine selbstgemachte Bienenwachs-Handcreme erhitzt Ihr Euer Bienenwachs im Wasserbad und rührt Mandelöl unter. Die Zutaten werden zu gleichen Verhältnissen gemischt und können um weitere Komponenten ergänzt werden, die den persönlichen Pflegebedürfnissen entsprechen. Für einen angenehmen Duft könnt Ihr beispielsweise einige Tropfen Lavendel- oder Zitronenöl hinzugeben.

Selbstgemachte Handcreme mit Bienenwachs

Das Mandelöl für die Handcreme könnt Ihr z.B. in Apotheken und Reformläden erwerben

ÜBER DEN AUTOR: David von Ostrowski hat die Seite Bienen.info gegründet, und es sich dort zur Aufgabe gemacht, wissenschaftlich korrekte Informationen aus der Welt der Bienen bereitzustellen.

punkt

5. Kerzen selber ziehen – Ein Tipp von Dani

Es gibt mindestens drei verschiedene Arten, Kerzen aus Bienenwachs herzustellen: Ihr könnt sie ziehen, gießen oder rollen. Ich habe alle drei Varianten ausprobiert und möchte meine Erfahrungen gerne mit Euch teilen. Am einfachsten ist es, die Kerzen zu rollen – dafür könnt Ihr fertige Kerzenplatten im Handel kaufen und müsst nur am Anfang einen Docht mit einwickeln. Das ist auch eine wunderbare Schlechtwetter-Nachmittagsbeschäftigung mit Kindern.

Kerzen ziehen ist schon etwas komplizierter. Ihr benötigt dafür ein hohes Tauchgefäß, in das Ihr Euer Wachs gebt, sowie einen tiefen Topf oder ein Stöfchen, über dem Ihr das Wachs erhitzt. Befestigt den Docht an einem Schaschlikspieß und taucht ihn etwa 1 Minute lang in das flüssige Wachs. Lasst ihn nun 30 Sekunden abkühlen und taucht ihn dann abermals ins Wachs, bis die Kerzen die gewünschte Dicke erreicht hat. Sollte Euer Bienenwachs (super geeignet und sehr nachhaltig sind auch gesammelte Kerzenreste) nicht am Docht „kleben“ bleiben, ist die Temperatur vermutlich etwas zu hoch. Ich habe eine Weile herumprobiert, bis ich die ideale Temperatur gefunden hatte.

Kerzen aus Bienenwachs selber ziehen

Meine selbstgezogenen Bienenwachskerzen sehen natürlich nicht so perfekt aus wie gekaufte – entwickeln aber gerade dadurch einen ganz eigenen Charme

Eine andere Möglichkeit: Kerzen aus Bienenwachs gießen

Die dritte Art, Kerzen selber zu machen, ist das Kerzen gießen. Das habe ich dieses Jahr für unseren Adventskranz zum ersten Mal ausprobiert. Im Internet findet Ihr viele Anleitungen, die Toilettenpapierrollen o.ä. verwenden, meiner Meinung nach sind diese Konstruktionen jedoch nicht auslaufsicher. Am besten funktioniert das Gießen mit Gläsern von Aufstrichen o.ä. – schaut Euch mal um, welches die ideale Höhe und Breite für Euch hat. Befestigt Euren Docht mit etwas geschmolzenem Wachs am Boden, gießt das flüssiges Wachs in das Glas und lasst es einige Stunden abkühlen. Ein Schaschlikspieß – quer über das Glas gelegt – sorgt dafür, dass der Docht beim Eingießen nicht verrutscht.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Sollte Euer Glas einen ganz geraden Schaft besitzen, dann könnt Ihr es nun für ca. eine Stunde in den Gefrierschrank geben. Das Wachs sollte sich nun zusammenziehen und aus dem Glas lösen lassen. Meine Gläser hatten leider eine kleine Verengung unter dem Schraubverschluss, sodass ich die Kerze nicht aus dem Glas „befreien“ konnte. Ich habe darum ein altes Tuch über das Kerzenglas gelegt und einmal fest mit dem Hammer darauf gehauen. Aber Achtung: Macht dies am besten im Freien und mit einer Unterlage, denn die Gläser sind bei mir in Tausend Einzelteile zersprungen. Natürlich könnt Ihr die Kerzen auch einfach im Glas abbrennen lassen.

bienenwachs-15

Und noch mehr Tipps…

Die Lady-Blog-Autorin Virginia hat uns in Ihrem Artikel Stilvolle Mehrweg-Textilien selbst machen gezeigt, wie man wunderschöne  Bienenwachstücher aus Leinenresten selber machen und damit Alufolie verhindern kann. Danis Mann stellt sich sein Haarwachs immer selbst her. Im Artikel Unser (fast) plastikfreies Badezimmer erfahrt Ihr, wie das geht.

Wer noch mehr Naturkosmetik aus Bienenwachs und anderen natürlichen Zutaten selber machen möchte, dem empfehlen wir wärmstens das Buch „Selber machen statt kaufen – 137 Rezepte für natürliche Pflegeprodukte, die Geld sparen und die Umwelt schonen“ aus dem Smarticular Verlag.

*Durch einen KLICK auf das Cover werdet Ihr zu Amazon weitergeleitet
Affiliate-Link, d.h. wir werden am Umsatz beteiligt
Bild-Credits: Shutterstock.com, außer alle Kerzenbilder
DIY: 5 Dinge, die man aus Bienenwachs selbst machen kann

4 Kommentare
  • Larissa Wasserziehr sagt:

    Liebe Daniela,
    die selbstgezogenen Kerzen sind ja zauberhaft! Ein tolles Geschenk. An der Schule meines Sohnes gibt es auch Bienenvölker und die Kinder haben aus dem Wachs Kerzen gerollt. Mir ist dadurch gerade wieder aufgefallen: Bienenwachskerzen duften so fantastisch! Viele Grüße! Larissa

  • Dani sagt:

    Liebe Larissa,

    ja, es ist jedes Mal eine solche Freude die selbstgezogenen Kerzen anzuzünden und den Bienenduft zu riechen. Besonders intensiv duften die gegossenen Kerzen auf dem Adventskranz.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Joachim sagt:

    Sehr schöner Bericht und ganz toll geschrieben. Das Thema Nachhaltigkeit geht uns alle an und wir brauchen solche Informationen wie diese. Übrigens kann man auch tolle Kerzen aus Sojawachs machen! Von den handelsüblichen Paraffin Kerzen sollte man wirklich Abstand haben.

  • Cornelius sagt:

    Lieber Joachim,

    du triffst es mit deiner Aussage zu den handelsüblichen Paraffin Kerzen ziemlich gut. Kerzen aus Bienenwachs (https://www.distrebution.com/bienenwachs) und Sojawachs (https://www.distrebution.com/produktgruppen/wachse/sojawachs-flocken-d10084.1) sind wesentlich besser für die Umwelt. Leider muss aber auch hier beachtet werden, woher die Rohstoffe wirklich kommen. Naturprodukte müssen dementsprechend auch kontrolliert entnommen werden, da Soja nicht einfach gleich Soja ist und dies gilt auch für das Bienenwachs. Es muss somit ein generelles Umdenken in der Gesellschaft geben, zu einem bewussteren Konsum, um wirklich einen Unterschied zu machen. Dieses Thema wird sich hoffentlich noch in den nächsten Jahren sehr verbessern, denn bis jetzt gilt aus unserer Erfahrung als Rohstoffhändler das der Preis immer noch oberste Priorität hat. Wir versuchen z.B.: bei uns mit unserer plastikfreien Marke DistEco einen ersten Unterschied zu machen.

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.