Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Pioppi-Diät

Unsere Italienreise war für mich vor allem eine Genusstour. Wir haben viele heimische Rezepte ausprobiert und einmal mehr habe ich meine Ernährung überdacht. Das Cilento ist nämlich die Heimat der mediterranen Diät. Im kleinen Fischerort Pioppi lebte der Amerikaner Ancel Keys. Er hatte herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Herz-Kreislauferkrankungen gibt und studierte daraufhin die Völker des Mittelmeerraumes. Vor allem die Menschen im Cilento litten kaum unter diesen Krankheiten und wurden sehr alt.

Das Wort „Diät“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Lebensstil“. Die mediterrane Diät von Ancel Keys (1904-2004) ist dementsprechend ein gesunder Lebensstil. Gegessen werden heimische Produkte vom Land und vom Meer – siehe Ernährungspyramide unten: viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Olivenöl, etwas Fisch und Milchprodukte, wenig Fleisch und Zucker. Dafür Honig, der aus einfachen Zuckern besteht, leicht verdaulich ist, Enzyme, Vitamine, antibiotische und wachstumfördernde Substanzen enthält. Vollkorngetreide soll 8x pro Woche gegessen werden, beispielsweise in Form von Nudeln, Reis, Gerste, Dinkel, Mais, aber auch Hafer oder Hirse. Die Schlichtheit der zubereiteten Speisen spielt eine große Rolle.

Für das Essen sollen laut Keys möglichst saisonale Zutaten verwendet werden. Damit entwickelt die mediterrane Diät einen Gegenentwurf zur industriellen Produktion und dem exzessiven Einkauf von Produkten, denen es dann an Geschmack fehlt. Ein weiterer Tipp des Ernährungswissenschaftlers: Konsumiert Früchte und Gemüse in abwechselnder Farbe. Um den Gebrauch von Salz zu reduzieren, kommen Kräuter und Gewürze zur Anwendung. Daneben heißt es: viel Wasser, wenig Alkohol. Ein Glas Weißwein darf jedoch am Tag konsumiert werden, vorzugsweise zum Essen. Weißwein ist reich an Antioxidantien, hemmt in kleinen Mengen Cholesterol und verbessert den Blutkreislauf. Überaus wichtig ist für Keys auch tägliche Bewegung. Er selbst unternahm jeden Tag lange Spaziergänge.

Ancel Keys: Begründer der mediterranen Diät

Eine Büste von Ancel Keys im kleinen feinen Museum in Pioppi

Pioppi-Diät: Die Ernährungspyramide

Die Ernährungspyramide veranschaulicht die mediterrane Diät: Die Nahrungsmittel an der Basis sollten zu jeder Mahlzeit, die im Mittelteil täglich und die an der Spitze wöchentlich und in Maßen gegessen werden

Wenn Ihr die mediterranen Diät beherzigt, tut Ihr nicht nur Eurem Körper etwas Gutes, sondern schützt auch die Umwelt: Die Diät respektiert die Biodiversität und die natürlichen Ökostysteme. Angel Keys hat übrigens selbst nach seinen Regeln gelebt und wurde über 100 Jahre alt – wenn das kein Beweis ist! Bitter: Das Bundesland Kampanien, in der die mediterrane Diät entwickelt wurde, belegt momentan europaweit den traurigen ersten Platz bei Fettleibigkeit von Jugendlichen. Auch uns ist aufgefallen, dass die Italiener nicht mehr so schlank sind. Vermutlich ist der hohe Zuckerkonsum dafür verantwortlich. Die Supermarkt-Regale sind voller Süßprodukte, an jeder Ecke kann man Paninis, Pizza und Gelato kaufen. Es ist jedoch durchaus möglich, sich in Kampanien gesund zu ernähren.

Im Cilento haben wir sehr viele kleine Obst- und Gemüßeläden entdeckt, die lokale Produkte zu unschlagbar günstigen Preisen anbieten. Sogenannte Slow-Food-Kreise kümmern sich um den Erhalt der typischen Regionalprodukte. Dazu zählen beispielsweise „zerschlagene“ Salella Oliven des Cilento, Cacioricotta des Cilento (Mix aus Käse und Ricotta), in Salz eingelegte Sardellen, Kichererbsen aus Cicerale, Bohnen aus Casalbuono, Wurst aus Vallo di Diano und Gioi, weiße Feigen (siehe oben), Fusilli aus Felitto und vieles mehr. Dank unserer Vermieterin hatten wir die Möglichkeit, viele dieser Köstlichkeiten auszuprobieren und sie in Rezepten zu verarbeiten.

Die mediterrane Diät in Pioppi

Die Diät wurde 2010 in die Liste des immateriellen Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen

Pioppi-Diät

Sichern Wohlbefinden und langes Leben: Nudeln mit verschiedensten Soßen, Salate mit Olivenöl angemacht, jegliche Art von Gemüse, häufig blauer Fisch wie Sardinen und Sardellen, dazu ein Glas Weißwein und zum Abschluss Obst, dazu körperliche Aktivität

Pioppi-Diät

Ein eingeschränkter Konsum von Zucker und gesättigten Fettsäuren sind wesentlich für die Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit und Depressionen

mediterrane Diät: Fisch und Gemüse

In einer Vergleichsstudie konnte Keys eindeutig feststellen: Unter den Bevölkerungen des Mittelmeerraumes, die sich bevorzugt von Nudeln, Fisch, Obst und Gemüse ernähren und ausschließlich Olivenöl verwenden, war der Anteil von Todesfällen aufgrund von Herzinfakt wesentlich geringer als bei Personen aus Ländern wie Finnland, wo bei der täglichen Ernährung viele gesättigte Fette wie Butter, Milch und rotes Fleisch konsumiert werden


9 Kommentare
  • Helena sagt:

    Liebe Dani,

    herzlichen Dank für diesen tollen Post, du hast genau meinen Geschmack getroffen ;D
    Und dann noch die Italienreise und die Fotos – einfach wunderbar!!
    Habt noch eine schöne Zeit, ich freue mich auf weitere Bilder und Neuigkeiten :-)

    Liebe Grüße
    Helena

  • Sydney sagt:

    Thema Olivenöl: vor kurzem nahm Stiftung Warentest Olivenöl unter die Lupe – mit dem erschreckenden Ergebnis, dass alle bis auf eines (!!) mangelhaft oder gar gesundheitsschädlich sind. Das einzig akzeptable ist sehr teuer und nur im Feinkosthandel erhältlich.

    Ich nutze daher derzeit kein Olivenöl mehr, wäre aber für gute Tipps dankbar!

  • Dani sagt:

    Liebe Sydney,

    was wurde denn an dem Olivenöl kritisiert? Wir haben uns jetzt frisches von unserem Vermieter mitgenommen, der selbst welches herstellt.

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Sandra sagt:

    Liebe Dani,

    die Bilder sehen zum Anbeißen aus und ich liebe die mediterrane Küche! Hast du vielleicht ein paar Originalrezepte aus der Region? Darüber würde ich mich sehr freuen.

    Herzliche Grüße, Sandra

  • Dani sagt:

    Liebe Sandra,

    die gibt es wie angekündigt im nächsten Artikel!

    Herzliche Grüße
    Dani

  • Nina sagt:

    Liebe Dani,
    ein toller und inspirierender Beitrag! Ich bin schon gespannt auf deine Rezepte!

  • Sydney sagt:

    Liebe Dani,

    v.a. Schadstoffe (Mimeralöl!) umd ranziger Geschmack. Hier der Link zu einem Bericht (der Testbericht selbst ist kostenpflichtig):

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/stiftung-warentest-jedes-zweite-olivenoel-faellt-bei-test-durch-a-1074356.html

    Aber es war doch „nur“ Hälfte der Öle, die mangelhaft waren.

    Lasst euch euer schönes italienisches Öl schmecken!
    Viele Grüße!

  • Sydney sagt:

    *Mineralöl (sorry)

  • Maria sagt:

    danke für diesen tollen Post! Hat mir sehr gefallen und mir wieder neue Tipps und Ideen zum Anregen geboten – so wünsche ich mir das ;-)

    Weiter so und viele Grüße, Maria

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