Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Stil der Lady – Teil 2: Die Lady und die Etikette

Was unterscheidet eine Frau von einer Lady? Manchmal kann man das gar nicht so genau sagen. Es kann die Art sein wie sie einen Raum betritt, wie sie sich bewegt, wie sie redet – sie besitzt einfach Stil. Stil, der nicht nur durch ihre Kleidung unterstrichen wird, sondern der vor allem von ihrem Verhalten lebt. Sie kennt die Regeln der Etikette.

Die Etikette wird geboren

Anstand, Ordnung, Regeln, Sitte, gutes Benehmen, Fleiß, Pünktlichkeit, Höflichkeit – diese alten Bürgertugenden waren lange Zeit hoch angesehen. Schon vor Jahrhunderten legte man am französischen Hof großen Wert auf ein kultiviertes Verhalten, die sogenannte „Höflichkeit“. Nichtsdestotrotz fand der ausufernde Lebensstil unter Louis „le Grande“ XIV. seinen Höhepunkt. Um dem entgegenzuwirken ließ er angeblich kleine Schilder – etikettes –  im Schloss und Garten von Versailles aufstellen. Sie gaben den Hofdamen und Herren Verhaltensanweisungen  – die Etikette war geboren. Seitdem waren gute Umgangsformen das Zeichen einer gebildeten Persönlichkeit.

Die Etikette gerät in Vergessenheit

Das ändert sich jedoch schlagartig mit der antiautoritäre Bewegung Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Nachkriegsgeneration wollte sich um jeden Preis von ihren Eltern abgrenzen – gutes Benehmen galt ihnen als Reglementierung der Freiheit und damit verdächtig. Für einige Jahrzehnte gerät die Etikette fast in Vergessenheit. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts: Die Jugend sucht heute stärker den je nach Werten und greift dabei gerne auf alte Traditionen zurück. Viele Schulen bieten Tanz- und Benimmkurse an, fast jeder Haushalt besitzt einen Knigge.

Die Wiederbelebung der Höflichkeit

Die Wiederbelebung der Höflichkeit ist eine Folge gesellschaftlicher Veränderungen. Wir leben in einer Welt, die immer mehr zusammenwächst. Und Höflichkeit ist die Sprache, die überall verstanden wird. Wer höflich ist, respektiert andere Kulturen und nimmt Rücksicht auf ihre Regeln. Wer sich höflich verhält, tritt niemandem zu nahe und wird dafür geachtet und wertgeschätzt. In jedem Falle erleichtern gute Umgangsformen den Umgang mit unseren Mitmenschen. Wer sie nicht besitzt, hat es vor allem im Berufsleben schwer. Denn in unserer Dienstleistungsgesellschaft können schlechte Manieren eines Mitarbeiters den Ruf des Unternehmens gefährden.

Regeln kennen und brechen

Höflichkeit und Manieren sind am Hofe entstanden, dort wo die Bildungs- und Geldelite zusammenkam. Hauptsächlich wollte sich der Adel mit den Verhaltensregeln wohl vom gemeinen Volk abgrenzen. Heute allerdings zeigt man mit gutem Benehmen vor allem Toleranz und Weltoffenheit. Natürlich, die eine oder andere Benimmregel ist nicht mehr zeitgemäß und nicht alle Regeln sind in jeder Situation passend. Man sollte sie sich jedoch immer mal wieder bewusst machen und auch mal Knigge zu Rat ziehen, denn: Nur wer die Regeln kennt, darf sie auch guten Gewissens brechen.

Bild-Credit: Shutterstock.com

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1 Kommentar
  • philip sagt:

    Ich frage mich angesichts dieses Beitrags was eigentlich der Unterschied zwischen „üblicher“ Umgangsformen und der sog. „Etikette“ sei.
    Ersteres wohl allgemeiner und zweiteres spezifischer Art.

    Tatsache ist, das Menschen in Gegenwart anderer Menschen immer bezug auf diese nehmen. So erweisen sich – soziologisch gesehen – festgelgte Umgangsformen von grosser Bedeutung.

    Aber was ist der wesentliche Unterschied zwischen Umgangsformen eines Knigge und der Etikette eines Luis XIV? Eben – ersteres allgemeiner und zweiteres spezifischer Art.
    Ersteres hat moral-ethischer Charakter zweiteres dient einzig der Verhaltenskompatiblität. Gemeinsam ist ihnen aber die Berücksichtigung der jeweiligen Rollen rsp Hirarchien (welche ja eigentlich soziologisch gesehen ebenfalls Rollen entsprechen).

    Zwischen diesen beiden Arten tut sich auch eine gewisse Diskreptanz zwischen reiner Form und tieferem Sinn auf. Zweckmässigkeit und menschlicher Respekt (mit all seinen Aspekten) erhalten fliessende Grenzen, die sich sowohl ergänzen, aber auch ausschliessen können. Je nach Situation und Konstellation. Untersteht also das gesellschaftliche Verhalten stets einer Gratwanderung? Ist es eben diese Gratwanderung die meisterlich umgesetzt werden soll und die schlussendlich auch Gastgeber auszeichnet? Ebenso wie die Gratwanderung zwischen hoher Aufmerksamkeit und Zurückhaltung?

    Ich denke, einzig der Form Willens wirkt jede Etikette unauthentisch. Da nützt noch so ein Katalog von Verhaltensregeln nichts die man sich per irgendwelcher Bildung aneignen kann. Sondern auch da benötigt es die tiefere Motivation nicht nur auf eine bestimmte Weise zu wirken, sondern auf bestimmte Weise zu sein.

    Es gerät jeder Anlass zur Farce, wenn sich lediglich die Gastgegeber der feinen Umgangsformen verschreiben, sich die Gäste dies aber nicht verinnerlichen vermögen. In früheren Jahrhunderten unterlag man dem Trugschluss, die Umgangsformen wären aufgrund deterministischer Attribute gegeben. So machten festgelgte Umgangsformen ja durchaus Sinn. Doch der humanistische Geist (wozu auch Knigge gezählt wird) erkannte, dass sich Menschen unter allen Umständen des Respekts schuldig sind.
    Fazit : nicht Regeln machen einen Anlass würdiger sondern der sich jeweils zugestandene Respekt, stets in Anbetracht des Individuums. Regeln können allerdings durchaus nützlich sein, daran zu erinnern.

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