Die Lady-Frage: Was bedeutet Formal Attire?

Liebes Lady-Blog-Team,
ich verfolge Euren Blog nun schon seit Jahren und freue mich, mich nun auch einmal in eigener Angelegenheit an Euch zu wenden. Mein Mann und ich sind diesen Monat in Glasgow auf einem sogenannten Presidents-Dinner einer größeren internationalen Gesellschaft eingeladen. Es wird ein sehr schönes Ereignis in der Kelvingrove Art Gallery sein. Der Dresscode wurde wie folgt angegeben: Formal Attire (Dark Suit/Evening Dress). Es ist nicht so, dass ich hierzu gar keine Erfahrung habe, aber bezüglich solch einer Veranstaltung in Schottland bin ich mir nun doch unsicher, was für die Damen hier passend ist – ich will vermeiden, dass ich als Einzige ein langes Abendkleid trage, während alle anderen Damen im kleinen Schwarzen kommen. Ach ja, ich bin 36 und meistens mit Abstand die jüngste Dame vor Ort. Was meint Ihr dazu?

Liebe Grüße aus Heidelberg,
Kerstin

 

Liebe Kerstin,

der Begriff „formal attire“ bedeutet übersetzt „förmliche Kleidung“, aber förmlich kann sehr vieles sein. Der Dresscode wird ergänzt durch Dark Suit/Evening Dress – was es auch nicht leichter macht. Dark Suit ist nicht mit Black Tie gleichzusetzten. Der Herr trägt also Anzug und keinen Smoking. Die Krawatte oder der Querbinder dürfen auch gern bunt und gemustert sein, während das Hemd hell und unifarben ist. Soweit zu ihm, aber was trägst Du nun? Ein großes Frauenmagazin schreibt, dass die Dame bei Dark Suit klassischerweise ein Etuikleid trägt.

Bei Xing heißt es, dass auch ein Kostüm angemessen ist. Evening Dress bedeutet allerdings Abendkleid und das impliziert für mich, dass es lang sein sollte. Ich versteh Deine Verwirrung und teile sie! Würde ich zu dieser Veranstaltung gehen, würde ich mein schwarzes Etuikleid tragen und dazu schwarze Pumps, helle Strümpfe, Stola und Abendtasche. Stilvoller als Audrey geht es nicht. Zudem passt Du im kurzen Kleid besser zu Deinem Mann im Anzug und ihr seht miteinander stimmig aus. Da ich Dir aber nichts Falsches sagen möchte, habe ich bei unseren Stilexperten Bernhard Roetzel und Florian S. Küblbeck nachgefragt – das sind ihre Antworten:

Bernhard Roetzel (Autor von „Die Lady“):

Wenn man unsicher ist, sollte man zuerst immer den Gastgeber fragen. Das ist kein Fauxpas und auch nicht peinlich. Im Gegenteil. Es zeugt von Souveränität. Auch und gerade, wenn man in dem Land nicht zu Hause ist. Zumal die Dresscodeangabe nicht eindeutig ist. „Formal attire“ umfasst m. E. „black tie“ und „white tie“, was gemeint ist, erschließt sich nicht. Ohne Nachfrage und Präzisierung durch den Einladenden würde ich an dem Abend ein „kleines Abendkleid“ empfehlen. Es muss nicht zwingend schwarz sein. Frauen dürfen durchaus Farbe zeigen. Ein langes Abendkleid ist gefragt, wenn der Mann Frack trägt, also „white tie“.

Florian S. Küblbeck (Autor von „Was Mann trägt“):

Zur Angabe des Dresscodes muss man zunächst sagen, dass sie etwas verwirrend formuliert ist. „Formal Attire“ meint eigentlich die große Abendgarderobe, also ein langes Abendkleid und einen Frack. „Dark Suit“ findet man dagegen in der Regel in der Kategorie „Black Tie optional“, heißt, dass Mann einen dunklen Anzug oder alternativ einen Smoking und Frau ein Cocktailkleid tragen kann. Da die Veranstaltung in einer Kunstgalerie stattfindet und derjenige, der die Einladung formuliert hat, offenkundig auf Details des Dresscodes keinen gesteigerten Wert legt, würde ich zu „Cocktail Attire“, also dunklem Anzug und Cocktailkleid raten. Diese Lösung wird sicherlich niemandem übel aufstoßen und dürfte der Intention der Einladung am nächsten kommen.

Alles Liebe
Constanze, die sehr gespannt auf die Outfits der anderen Damen ist

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1 Kommentar
  • Kerstin sagt:

    Liebe Constanze, (lieber Herr Roetzel, lieber Herr Küblbeck,)

    vielen herzlichen Dank für die so umfangreichen Gedanken und Hilfestellungen zu meiner Frage! Eure Reaktion bestätigt, dass ich doch zurecht etwas verunsichert war, was die Interpretation des Dresscodes anging. Leider erreichte mich die Antwort erst, als ich schon wieder aus Schottland zurück war. Eure Empfehlung für das Cocktailkleid war auf jeden Fall die Richtige – letztendlich habe ich mich auch für ein Cocktailkleid im klassischen Stil entschieden und das Ganze nur durch die Farbe und den Stoff des Kleides etwas „festlicher“ gestaltet. Im Nachhinein würde ich Herrn Küblbeck Recht geben, dass der Gastgeber nun keinen übertriebenen Wert auf die Details des Dresscodes Wert gelegt hat. Auch wenn der Rahmen an sich doch sehr festlich war. Die anderen Damen trugen zum größten Teil auch Cocktailkleider, wobei manche doch Gefallen daran hatten, ihre langen, wallenden Seidenkleider auszuführen. Auch das war vollkommen adäquat. Ich war mit meiner Wahl den Abend über auf jeden Fall zufrieden und habe mich wohl gefühlt :-).
    Noch einmal vielen lieben Dank, dass Ihr Euch meiner Frage angenommen habt. Ich freue mich auf weitere, spannende Themen vom Lady-Blog!

    Alles Liebe, Kerstin

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