Dani
Die Farben der Natur: Das neue Standardwerk über Farbtöne

Ich bin ja sehr empfänglich für eine schöne Haptik, vor allem bei Büchern. Manche Schmuckausgaben haben eine so edle Aufmachung und einen so ansprechenden Einband, dass ich sie immer wieder in die Hand nehmen und darüber streichen möchte. So erging es mir auch bei „Die Farben der Natur – Über 100 Farbtöne aus der Welt der Tiere, Pflanzen und Mineralien“ von Patrick Baty. Hier überzeugt allerdings nicht nur der Einband sondern auch das Innere. Ein wunderbares Werk für Künstler, Fotografen, Innenarchitekten, Grafiker, Gärtner und alle, die schöne Bücher lieben.

Patrick Baty: Die Farben der Natur

Farben sind etwas Faszinierendes. Sie beeinflussen unsere Stimmung und Psyche, sie tragen unser Inneres nach Außen, sie sorgen bei den Tieren dafür, dass sie nicht erkannt (Tarnung) oder besonders gut gesehen werden (Fortpflanzung). Das Universalgenie Johann Wolfgang von Goethe befasste sich intensiv mit Farben und wollte ihr Wesen in seiner Gesamtheit ergründen – seine Überlegungen flossen in sein Werk „Zur Farbenlehre“ (1810) ein. Goethe war übrigens ein Anhänger des sogenannten Neptunismus, eine heute verworfene geologische Anschauung, wonach alle Gesteine Sedimentgesteine sind, die aus einem Ur-Ozean entstanden. Entwickelt hatte diese Theorie der deutsche Geologe und Mineraloge Abraham Gottlob Werner, zu dessen Schülern auch Alexander von Humboldt gehörte.

Abraham Gottlob Werner beschäftigt sich ebenfalls eingehend mit Farben und entwickelte ein System, das 54 Farbtöne mit einzelnen Mineralien in Beziehung setzte. Der schottische Pflanzenmaler Patrick Syme führte Werners System in „Werners Nomenklatur der Farben“ (1822) weiter und setzte 110 Farbtöne zu je einer Tier- und Pflanzenart sowie einem Mineral in Beziehung. Das Werk war nicht nur für Künstler, sondern auch für Naturforscher wie Charles Darwin von unschätzbarem Wert. „Die Farben der Natur“ vom Londoner Farbspezialisten Patrick Baty verbindet dieses Standardwerk nun mit zeitgenössischen Illustrationen und vielen interessanten Hintergrundinformationen.

Patrick Baty: Die Farben der Natur

„Die Farben der Natur“ von Patrick Baty ist im Verlag DuMont erschienen/Farbexperte Baty arbeitete zeitweise im legendären Londoner Malerunternehmen „Papers and Paints“ seiner Familie, studierte Methoden und Materialien, die bei Bemalungen historischer Gebäude eine Rolle spielen und wurde 2019 mit „Die Natur der Farben – Die Geschichte traditioneller Farben und Pigmente“ über die Grenzen Englands hinaus bekannt

Patrick Baty: Die Farben der Natur

Von Gelbweiß bis Violettweiss: Symes Farbnomenklatur angewandt auf eine Sammlung von Kuckuckseiern aus dem Besitz des britischen Ornithologen Edgar Percival Chance (1920-1922)

Von Milchweiß bis Tintenschwarz

Eine Farbe ist zunächst einmal ein durch das Auge und Gehirn vermittelter Sinneseindruck, der durch die Wahrnehmung elektromagnetischer Strahlung der Wellenlänge zwischen 380 und 780 Nanometern hervorgerufen wird. Wer Farben wie wahrnimmt ist durchaus subjektiv. Es hängt mit der Art der einfallenden Lichtstrahlung, mit der Beschaffenheit der Augen, der Empfindlichkeit der Rezeptoren und des Wahrnehmungsapparates zusammen. Nichtsdestotrotz haben wir Menschen von klein auf eine grobe Vorstellung, wie eine Farbe aussieht oder auszusehen hat – zum Beispiel Gelb wie die Sonne, Grün wie das Gras, Rot wie Blut und Blau wie der Himmel.

Dass es jedoch noch sehr viel mehr Nuancen gibt, zeigt dieses inspirierende Buch. Auf 288 Seiten finden sich 700 farbige Abbildungen sowie weitere auf drei Ausklapptafeln. Nach einer Einführung beginnt das Buch mit dem Kapitel Weiss, Grau und Schwarz: Der jeweiligen Farbe werden verschiedene Tiere, Pflanzen oder Minerale zugeordnet. Beispiel: „Schneeweiß ist die eigentlich weiße Farbe; es ist das reinste Weiß; frei von jeder Beimischung“, so wie das Brustgefieder der Lachmöwe, Schneeglöckchen oder Carrarmarmor. Es folgen Blau und Violett, Grün, sowie Gelb und Orange. Das Werk endet mit dem Kapitel Rot und Braun. Aufgelistet sind so poetische Farben wie Schottisch Blau, Glockenblumenviolett, Rauschgelborange oder Smaragdgrün. Zwischen den Kapiteln werden Erklärungen über Oologie (Die Vogeleier-Kunde), den Neptunismus oder den Nutzen der Farbschemen für die Medizin eingestreut.

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Lange bevor Pantone-Farben existierten, entwarf der deutsche Geologe und Mineraloge Abraham Gottlob Werner ein umfangreiches System zur Farbbestimmung

Die Farben der Natur von Patrick Baty

„Die Farben der Natur“ ist ein farbenfrohes Kaleidoskop voller ästhetischer Farbtafeln und poetischer Farbbezeichnungen, das Euch garantiert mit offeneren Augen durch die Natur spazieren lässt

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