Dani

Daniela ist promovierte Germanistin und freie Journalistin für verschiedene Magazine. Den Lady-Blog gründete sie nach einem Praktikum bei einem Berliner Start-up im Jahr 2010.
Die Deutsche Mode – eine Liebeserklärung

Strenesse, Bogner, Joop!, Rena Lange, Jil Sander, René Lezard, Hugo Boss, Marc Cain, Marc O’Polo: Kleidung von deutschen Designern wird auf den Lauf- und Bürgersteigen der ganzen Welt getragen. Deutsche Mode hat den Ruf gradlinig zu sein, klar, lässig und clean. Doch nicht nur die alteingesessenen Modehäuser tragen den guten Ruf zur Modegemeinde. Seit 2007 findet die Mercedes-Benz Fashion-Week in Berlin statt und mit ihr entwickelt sich eine neue deutsche Modeära.

Mode made in Germany

Juli 2010: Die Bekleidungshauskette Peek & Cloppenburg vergibt im Rahmen der Mercedes-Benz-Fashion-Week gerade zum dritten Mal den Designer for Tomorrow-Preis an talentierte Nachwuchsdesigner.  109 Jahre früher im Jahr 1901: Der Kaufmann James Cloppenburg eröffnet in Berlin und Düsseldorf die ersten Peek-&-Cloppenburg-Filialen und führt dort ein einheitliches Größensystem in der Herrenkonfektion ein. Die Konfektionsgröße ist geboren und mit ihr beginnt der Siegeszug deutscher Bekleidungsunternehmen.

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts decken deutsche Modefirmen fast den gesamten Kleiderbedarf der Deutschen ab und exportieren zusätzlich in textilproduktionsarme Länder wie Schweden und die Schweiz. In dieser Zeit entstehen große deutsche Modehäuser – erstaunlich häufig werden sie von Frauen geführt. Nach dem Vorbild von Coco Chanel werden die Ladys Modeunternehmerinnen und eröffnen eigene Boutiquen oder Salons. Die Geschichte des Prêt-à-Porter- und Accessoires-Labels Rena Lange beispielsweise beginnt als Dessousladen: Die 1916 von Martha Lange in München eröffnete Boutique für Dessous wird noch heute von der Lange-Familie geführt.

Berliner Chic trendgebend für ganz Europa

Vor allem rund um den Berliner Hausvogteiplatz öffnen viele von Frauen geleitete Modeateliers, wie die innovativen Maßsalons von Marie Latz, Johanna Marbach und der Hutsalon von Johanna König. Das neue Selbstbewusstsein der Frauen findet in der Mode seinen Ausdruck: Der „Berliner Chic“ mit Bubikopf, Hängekleidchen und Seidenstrumpfhosen wird trendgebend für ganz Europa. Der Machtantritt der Nazionalsozialisten beendet allerdings den Siegeszug der Deutschen Konfektion. Die meisten Salons sind in jüdischer Hand und müssen schließen.

Einige Salons, wie der von Johanna Marbach, empfangen nun die Ehefrauen von Nazi-Funktionären. Eines der größten deutschen Modehäuser geht sogar noch einen Schritt weiter: Die von Ferdinand Boss 1924 in Metzingen gegründete Schneidermanufaktur für Arbeitskleidung Hugo Boss entwirft Uniformen für die SS. Heute hat sich das Modehaus lange von diesem dunklen Teil in ihrer Geschichte distanziert, ist an der Börse notiert und wird international unter den vier Linien Boss Black, Selection, Orange und Green geführt. Nach dem Krieg verliert Berlin aufgrund der anbahnenden Teilung Deutschlands seine Bedeutung als Modestadt.

Deutsche Mode für Massen

Die Modeindustrie zieht in den Westen, als bedeutendster Standort für die Bekleidungsindustrie entwickelt sich das Ruhrgebiet. Heinz Oestergaard entwirft 1946 als erster Designer Kleidung mit Synthetikfasern. Auch in anderer Hinsicht setzt er neue Maßstäbe: Neben Haut-Couture-Kollektionen für Stars wie Romy Schneider, entwirft er tragbare Mode für die Massen. Als Modechef der Versandhandelskette Quelle bringt er die aktuellen Trends in die westdeutschen Kleinstädte. Im Jahr 1954 tritt ein neues Talent auf die Modebühne: Karl Lagerfeld gewinnt mit einem Mantel den Designwettbewerb des Internationalen Wollsekretariats. Daraufhin startet er seine Lehre bei Balmain und eine beispiellose Karriere.

Ab den 80er Jahren wird deutsche Mode auch international erfolgreich vermarktet. Dem 1945  gegründeteten Strenesse gelingt mit der neuen Chefdesignerin Gabriele Strehle ab 1973 der internationale Durchbruch. Jil Sander begeistert die internationale Modegemeinschaft mit seinem minimalistischen Chic. Margeretha Leys führt ab 1976 die Münchener Modefirma Escada und prägt mit ihrer Lieblingsfarbe Fuchsia den 80er-Jahre-Stil. Olympiateilnehmer und James-Bond-Stuntman Willy Bogner übernimmt 1977 das 1932 gegründete Unternehmen seiner Eltern und revolutioniert die angestaubte Modemarke mit farbenfrohe Ski- und Funktionsmode. Und Wolfgang Joop macht 1982 German Jeans zum Kult.

Das deutsche Label Schumacher bei der Fashion-Week in Berlin 

Neues deutsches Selbstbewusstsein

Im Ausland schätzt man die hochwertige Verarbeitung und den guten Service der Deutschen. Doch trotz internationaler Erfolge kann man lange Zeit nicht mehr von „dem“ deutschen Stil sprechen. Für die deutschen Modedesigner ist das Ausland prägend, es mangelt an Selbstbewusstsein. Mode und Identität hängen eng zusammen. Bis zur Wiedervereinigung 1990 gibt es kein gesellschaftliches und kulturelles Zentrum in Deutschland, in dem sich die Mode entfalten kann. Mit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin klärt sich die deutsche Identität und auch die Modeszene blüht auf.

Und obwohl die Wirtschaftskrise auch an den deutschen Modefamilien nicht spurlos vorbei geht, passiert momentan einiges in Sachen Mode. Schumacher, LaLa Berlin, Mongrels in Common, Kaviar Gauche, oder Michael Michalsky sind nur einige deutsche Labels einer neuen Generation, die sich auf der Mercedes-Benz-Fashion-Week präsentieren und mittlerweile international erfolgreich sind. Das Universalgenie Wolfgang Joop gründet 2004 sein Label Wunderkind. Es verkörpert den Inbegriff des neuen deutschen Stils: feminin, verspielt, intellektuell. Die deutsche Mode steht für einen lässig-eleganten Casual-Look, mit nachhaltiger ökologischer Verantwortung. Ja, Deutschland ist wieder wer, das spürt man auch auf der Fashion-Week.

Merken


3 Kommentare

Hinterlasse doch einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.