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Im Zuge unserer Design-Klassiker-Serie beschäftigen wir uns heute mit einer echten Ikone des britischen Möbeldesigns: Dem Chesterfield-Sofa. Es ist vermutlich das berühmteste Möbelstück der Welt und findet sich überall – in Unternehmensgebäuden, Hotellobbys, Clubs und auch in vielen Privathäusern. Mit seinem tief geknöpften Leder, dem niedrigen Rücken und den gleichhohen Armlehnen ist das Chesterfield-Sofa bis heute ein absoluter Klassiker.
Die Geschichte des Chesterfield Sofas
Das Chesterfield Sofa wurde vermutlich von Lord Philip Stanhope (1694–1773) kreiert. Der vierte Earl of Chesterfield war nicht nur Schriftsteller, Politiker und wohlhabender Aristokrat, sondern auch ein Trendsetter in Sachen Mode und Stil. Und ihm stand der Sinn nach einem Möbelstück, auf dem ein Gentleman aufrecht und bequem sitzen konnte, ohne dass sein Anzug zerknittert. Den Auftrag, ein solches Sofa zu kreieren, erhielt der Möbelbauer Robert Adam. Das Resultat begeisterte die Gäste Stanhopes, die sich eigene Versionen des Möbelstücks anfertigen ließen. So fand das Chesterfield Sofa seinen Weg in die Häuser der britischen Oberschicht, und wurde dann erfolgreich in die britischen Kolonien, in die USA, Kanada und bis nach Australien exportiert. Seitdem steht es exemplarisch für den eleganten britischen Stil. Eines der ersten Unternehmen, welche die Sofas in großem Stil herstellte, ist das 1780 gegründete Fleming & Howland.
Übrigens: Auch Sigmund Freud nutzte bei seinen Therapiesitzungen ein Chesterfield-Sofa/Bild-Credit: Maisons Du Monde
Die Merkmale des Chesterfield Sofas
Das wichtigste Markenzeichen des Chesterfield Sofas: Die tiefe Knöpfung. Bei der sogenannten “Kapitonierung” wird das Leder im Rautenmuster in Falten gelegt und dann mit Lederknöpfen auf einem Rahmen befestigt. Die tiefe Knöpfung entstand erst in Viktorianischer Zeit – ebenso wie die Federung. Zuvor waren die ungefederten Sofas mit Rosshaar gepolstert, das geknöpfte Leder deutlich robuster, dadurch aber auch unbequemer und für langes Sitzen eher ungeeignet. Viele Chesterfield-Merkmale sind aber auch von Beginn an erhalten geblieben, z.B. die handgenagelten Ziernieten und die gerollten Armpolster. Wichtig: Die breiten, bequemen Armlehnen haben die gleiche Höhe wie die Rückenlehne. Eine Sonderfom ist das Victorian Chesterfield Sofa, bei dem das Sitzkissen fest mit dem Rahmen verbunden ist, sowie das Edwardinische Sofa, das sich durch eine schlankere Form von Arm- und Rückenlehne auszeichnet. Die Chesterfield Trade Association legt das Reglement für die Nutzung der Marke Chesterfield fest.
Typisch Chesterfield: handgenagelte Ziernieten und gerollte Armpolster/Bild-Credit: Depositphotos.com
Seit etwa 1930 werden neben Sofas auch Sitzmöbel im Chesterfield-Stil hergestellt/Bild-Credit: Maisons Du Monde
Die Herstellung eines Chesterfield Sofas
Chesterfield Sofas wurden traditionell natürlich von Hand gefertigt. Auch heute stellen noch einige Unternehmen die edlen Möbelstück in Handarbeit her. Dafür wird zunächst ein Holzrahmen gebaut – traditionell aus Buchenholz. Die Sitzfläche wird mit einer Federung versehen, danach wird die Form des Sofas aufgepolstert. Auf das Poster bringt der Möbelbauer im Anschluss das (Vintage-)Leder auf. Es wird in die klassischen, rautenförmigen Chesterfield-Falten gelegt und dann mit den symmetrisch angeordneten Lederknöpfen auf dem Holzrahmen befestigt. Diese traditionelle Handwerkstechnik nennt man Kapitonierung oder englische Heftung. Ursprünglich wurden die Sofas mit feinem Leder aber auch mit Samt bezogen. Diese beiden Materialien sind bis heute beliebt und wurden zum Inbegriff des Looks.
Wie kann man ein Chesterfield heute kombinieren?
Chesterfields gehörten einst zur festen Ausstattung in exklusiven Herrenclub rund um die Welt. In einigen Clubs könnt Ihr noch heute die antike Möblierung bewundern. Die Gegenwart der originalen Chesterfield-Möbel beweist ihrer Popularität und Widerstandsfähigkeit. Doch obwohl wir die Sofas vor allem mit “männlichen Räumen” und einem maskulinen Wohnstil verbinden, passen sie nicht nur in gediegene Räume mit viel dunklem Holz oder Wohnräume im Industrial Style. Ihr könnt sie auch modern kombinieren und ihnen sogar einen femininen Touch verleihen. Wählt dazu eine Variante aus Samt oder ein Modell in einem hellen Lederton. Das gibt dem Chesterfield Design eine ganz neue Note – wie auch die folgenden Sofa von Maisons du Monde beweisen. Hier findet Ihr übrigens regelmäßig bezahlbare Modelle. Denn wer sich ein Original Chesterfield Sofa herstellen lassen möchte, muss recht tief in die Tasche greifen.
Spannend: Ein Chesterfield aus cremefarbenen Leder oder grünem Samt verleiht dem Raum gleich eine ganz andere Note und eignet sich sogar um feminine Räume zu gestalten/Bild-Credit: Maisons Du Monde
Bild-Credit Titelbild: Depositphotos.com
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