Der Lady-Blog liest: The Heritage Post

5-Tage-Diäten, Flechtfrisuren und die Zubereitung von sommerlichen Grillsalaten – mehr traut die durchschnittliche Frauenzeitschrift ihren Leserinnen nicht zu. Ich kann allerdings aus eigener Erfahrung sagen, dass die meisten Frauen durchaus Interessen haben, die sich nicht am Kochfeld oder im Outlet abspielen. Zum Glück gibt es im gutsortierten Zeitschriftenladen auch Ausnahmen: zum Beispiel the Heritage Post. Nach dem Erfolg der männlichen Variante gibt’s das weibliche Pendant seit nunmehr zwei Ausgaben. Die Aufmachung ist erstaunlich zurückhaltend: kein durcheinandergewürfeltes Layout, keine Ranking, Top-und-Flop-Kategorien oder Startalks. Man beschränkt sich auf Text und wunderschöne Bilder. von Sophie

Bundstiftzeichung statt photoshopgebleichter Haut

Ich halte mich jede Woche deprimierend lange Zeit in Zügen auf. Und obwohl meine Meinung von Frauenzeitschriften kaum schlechter sein könnte, gebe ich die Hoffnung auf gute Gleislektüre nie auf und es treibt mich beim Umsteigen doch in den Zeitschriftenladen im Bahnhof. Meistens stehe ich dann vor dem Regal und lass mich von Coverschönheiten mit ventilatorbeblasenen Haaren und laszivem Blick anstarren. Wenn ich mir normalerweise nach wenigen Momenten Blickkontakt konstaniert eingestehe, einfach keine richtige Frau im Zeitschriftensinne zu sein, ist mir beim letzten Mal etwas Neues ins Auge gefallen. Bei dieser Zeitschrift war etwas anders. Da fehlte die photoshopgebleichte Haut. Um ganz ehrlich zu sein: Da fehlte die echte Frau. Eine Buntstiftzeichnung zeigte eine Dame auf einem Rad. Mehr nicht, keine angepriesene Coverstory, keine reißerischen Verkaufsargumente auf dem Cover, keine 5-Tage-Diät. Einfach nur in großen Lettern der Titel der Zeitschrift: The Heritage Post.

Eine Hommage an eine bewusste und luxuriöse Lebensart

Meine Lieblingsrubrik in dieser Zeitschrift sind mit Sicherheit die Portraits der Damen. Kennt ihr die Art Frauen, nach denen man sich einfach umschauen muss? Weil ihr Stil so perfekt unperfekt ist, die Haare so wallend fallen und sie eine Selbstsicherheit ausstrahlen, die einen begeistert? The Heritage Post hat fünf von ihnen aufgetrieben und portraitiert. Sie öffnen ihre Kleiderschränke und Handtaschen, die Redaktion stellt passend zur jeweiligen Dame Kleidungsstücke und Marken zum Nachkaufen vor. Und während ich mir die Taschenspiegel, Lippenstifte und Handyhüllen dieser völlig Fremden anschaue, habe ich das Gefühl, dem Geheimnis hinter ihrer Schönheit ein wenig näher zu kommen. Der Voyeurist ist befriedigt, der Geist inspiriert. Die vorgestellten Kleider und Accessoires sind übrigens alles andere als erschwinglich, und das passt zur Zeitschrift. THP will nicht den schnellen Lustkauf antreiben, sondern Freude an den hochwertigen, langlebigen Dingen fördern. Und das nicht nur im Kleiderschrank: Die Artikel sind eine Hommage an eine bewusste und luxuriöse Lebensart.

The Heritage Post

The Heritage Post

Was?
Das „Magazin für die Frau“ ist die Schwester vom „Magazin für den Herrn“, das sich seit 2012 mit schönen, nachhaltigen, aufregenden und außergewöhnlichen Dingen im Leben auseinander setzt  – etwa dem Rasieren mit der blanken Klinge, der Herstellungsweise von traditionellen Jeans ganz ohne dritte Welt und jede Menge Mode-Tam-Tam.

Für wen?
Für Frauen, die altmodische Extravaganz und klassische, nachhaltige Mode schätzen, die gerne Portraits von außergewöhnlichen Menschen lesen und Spaß am Spießer in sich haben. Es fällt mir schwer, die Themenauswahl in nur ein paar Schlagworten zu beschreiben. In dieser Ausgabe gab’s eine Hommage an den BH, die Geschichte der Capri-Hose, einen Besuch in einem belgischen Luxushotel und in einer Hutmacherei, Nachhilfe im Binden von Cabriotüchern und eine Geschichte über mallorquinisches Schuhwerk. Die Themen sind vielfältig und unheimlich breit gefächert, die Fotostrecken sind wirklich ausnahmslos wunderschön.

The Heritage Post

The Heritage Post

The Heritage Post

Der Herausgeber ist übrigens, wie auch bei der Männer-Variante, Uwe von Afferden, der in Düsseldorf ein Herren-Kaufhaus mit großartiger Kleidung betreibt. Sein Magazin ist eine Mischung aus Lifestyle-Magazin und Hochglanz-Katalog. Dass es einige der Stücke, die im Heft vorgestellt werden, auch bei ihm zu kaufen gibt, ist sicher kein Zufall. Allein sein Vorwort ist Kaufargument. Da spricht er sich nämlich für weniger gezeigte Haut im Sommer aus und streicht die Diät für die nötige Bikinifigur – der Mann versteht was von Frauenzeitschriften.

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16 Kommentare
  • Sandra T. sagt:

    Ach herrlich, Sophie,

    endlich – wie Du so treffend formulierst – die richtige Lektüre für die endlosen Stunden in vollen Zügen am Wochenende! Ich hatte mir vor lauter Verzweiflung schon „The Lady“ als App / Abo auf’s iPad gezogen … nun endlich auch etwas geschmackvolles in deutscher Sprache!

    Ich erinnere mich an die hier vorgestellte Zeitschrift, das Magazin TWEED für den Herrn und hatte mir die verfügbaren Ausgaben bereits nachbestellt.
    In den Kommentaren wurde nach dem weiblichen Pendant gefragt: hier scheint es zu sein !

    Danke,
    Sandra T.

  • Dani sagt:

    Liebe Sophie,

    danke für diesen wunderbaren Artikel – ich freue mich schon auf meine nächste Zugfahrt! :-)

    Herzliche Grüße
    Dani

  • One Moment sagt:

    Schönes Magazin!

  • Maja sagt:

    Endlich wird dieses Großartige Magazin hier vorgestellt. Öfters habe ich mir das Herrenmagazin angesehen und dann sofort das erste Heft für die Frau gekauft als ich es in der Bahnhofsbuchhandlung sah (Pendler halt …) und ich denke sicher 15x in die Hand genommen und darin gelesen. Das ist mir bei anderen Frauenzeitschriften noch nie passiert. Auf das Erscheinen des 2. Heftes habe ich sehnsüchtig gewartet :)
    Ich kann mich nur der begeisterten Beschreibung oben anschließen. Ladys kauf das Magazin, dass ist klasse und hebt sich wirklich ab von der breiten Masse.
    Liebe Grüße
    Maja

  • Sybille sagt:

    Ja, es ist ein wunderbares Heft. Ich habe auch das Herrenmagazin, das mein Mann regelmäßig kauft, immer gerne mitgelesen.

    Sybille

  • Amalia sagt:

    Ich werde sofort ein Test-Heft kaufen, vielen Dank für diesen überaus vielversprechenden Lektüre-Hinweis!

    LG
    Amalia

  • Anja sagt:

    Danke für den Tip. Da geh ich morgen gleich mal zum Händler meines Vertrauens.

  • Sisyphee sagt:

    Liebe Sophie,

    auch, wenn ich selten Zug fahre: Vor Zeitschriftenregalen bin ich auch schon lange gestanden. Immer dann, wenn ich richtige Entspannungs-Lektüre wollte. Gekauft habe ich dann tatsächlich noch nie ein Exemplar der typischen Frauenzeitschriften. Diese hier klingt wirklich gut und ich freue mich auf die Abgabe meiner Bachelorarbeit – und den folgenden Weg in den Zeitschriftenladen.

  • Clara sagt:

    Liebe Sophie,

    das klingt wundervoll! Habe gerade die beiden Ausgaben im Online-Shop geordert :-).
    Freue mich schon!

    Liebe Grüße

    Clara

  • Haseatin sagt:

    wunderbar!
    Mein Flehen wurde erhört …

    Jetzt bräuchte ich noch den Link zum Onlineshop, danke

  • Hanseatin sagt:

    erledigt – google weiß es!

  • Kiki sagt:

    achja, der zweiten Ausgabe werde ich dann wohl noch eine Chance einräumen können… von der ersten habe ich mich leider völlig unreflektiert zurück in die Hausfrauenecke gedrängt gefühlt und dabei ist es ja okee, diese Seite des „Frauseins“ positiv zu besetzen und darzustellen, aber eine andere Seite zum Ausgleich hätte ich mir noch gewünscht… vielleicht habe ich ja mit der zweiten Ausgabe Glück und ansonsten eben immer noch nicht die passende Zeitschrift für mich gefunden. Dein Blog ist im Übrigen wunderhübsch und sehr schön geschrieben hast du auch :) Liebste Grüße, Kiki

  • Sophie sagt:

    Liebe Kiki,

    da muss ich Dir zustimmen- manche Zwischentöne in der ersten Ausgabe sind mir auch sauer aufgestoßen. Bei manchen „Frauen müssen sich wieder an den Herd trauen“-Parolen fühlte ich mich auch nicht wohl, glaube allerdings, dass die eher unsauber und unachtsam formuliert waren, als wirklich ein veraltetes Frauenbild zu propagieren.

    Und die zweite Ausgabe wurde von mir gründlich durchsucht und ich muss sagen: The heritage Post hat sich gebessert ;)

    Viele Grüße

    Sophie

  • Stil-Box sagt:

    Liebe Dani,

    ein GAAANZ toller Tipp, nachdem ich mich zuletzt (du hast es vielleicht gelesen) MEGA über die InStyle aufgeregt habe!

    Ich werde mir das Magazin unbedingt besorgen!

    Liebe Grüße
    Anna

    http://stil-box.net/

  • Amalia sagt:

    Ihr Lieben,

    am Wochenende las ich das aktuelle Heft, das Lesestoff von Berlin bis Wolfsburg bot – andere Frauenzeitschriften halten freilich auch nicht länger vor.

    Die Aufmachung gefällt mir gut, desgleichen, dass es sich nicht um eine mit wenigen redaktionellen Artikeln verbrämte Werbezeitschrift handelt, wie es sonst bei vielen Blättern der Fall ist. Über das implizite Frauenbild („für die Frau von gestern – oder doch von heute?“) muß ich noch ein wenig nachdenken, vielleicht schafft da auch die nächste Nummer größere Klarheit.

    Wenn man sich den Lebensstil, den „The Heritage Post“ vertritt, als Frau leisten möchte, dann braucht man jedenfalls einen sehr ordentlichen, eigenen Beruf und damit einen sehr heutigen sozialen Status. Von abgespartem Haushaltsgeld oder Taschengeldzuteilungen durch einen gutverdienenden Gatten, wie sie die Frau von gestern erhielt, scheint das schwerlich machbar.

    Liebe Grüße
    Amalia, die manchmal gern die perfekte HausfraugattinundMutter spielt

  • Marisa sagt:

    Schöner Beitrag mit tollen Fotos.
    Ich bin auch riesen Fan der Heritage Post, endlich eine Zeitschrift, in der nicht immer wieder die gleichen Diät Tipps und die selben Bilder aus der aktuellen H&M Kollektion drin sind.

    Viele Grüße,

    Marisa

    http://www.myfairladies.net

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